Bundesverband deutscher Banken
Chancen für wirtschaftliche Stabilisierung

Der Bundesverband deutscher Banken (BdB) sieht Chancen für eine wirtschaftliche Stabilisierung in Deutschland und damit ein Ende der Abwärtsspirale bei den Wachstumsprognosen.

Reuters BERLIN. "Anders als vor fünf Monaten sehen wir die Chance, dass sich die wirtschaftliche Lage allmählich stabilisiert", erklärte der Verband am Freitag in Berlin. Der BdB senkte seine Wachstumsprognose für 2003 auf 0,5 % nach zuvor "bestenfalls ein Prozent". "Ich glaube aber, dass diese Revision nach unten nunmehr zu einem Ende gekommen ist", sagte der neue Vorsitzende des Wirtschafts- und Währungsausschusses des Verbandes, Norbert Walter.

Der BdB sieht "erste vorsichtige Anzeichen für eine konjunkturelle Bodenbildung" und rechnet im nächsten Jahr mit einem deutschen Wachstum von rund zwei Prozent, mitbedingt durch eine höhere Zahl von Arbeitstagen. Risikofaktoren für die Prognose seien aber die Entwicklung des Euro sowie die SARS-Epidemie.

Keine Entspannung sieht der BdB am deutschen Arbeitsmarkt. Mit einer durchschnittlichen Arbeitslosenzahl von 4,46 (Vorjahr 4,06) in diesem und 4,40 Mill. im nächsten Jahr werde die Arbeitslosigkeit hoch bleiben. Die Inflationsrate werde in diesem und im nächsten Jahr bei gut ein Prozent verharren. Auch im Euro-Raum werde die Teuerung sinken und 2004 die angestrebte EZB-Rate von maximal zwei Prozent "echt erreicht", sagte Walter. Das EU-Defizitziel von drei Prozent werde Deutschland in diesem Jahr mit 3,4 % erneut reißen, aber immerhin im nächsten Jahr mit 2,8 % leicht darunter bleiben.

Als großen Unsicherheitsfaktor für die Prognose nannte Walter den Euro-Kurs. In dieser Frage hätten sich die Mitglieder des Wirtschafts- und Währungsausschusses des Verbandes nicht einigen können. Eine Fraktion erwarte aufgrund einer kräftigeren US-Wirtschaftserholung eine Stärkung des Dollar. Das könnte sich dann in einem Eurokurs von 1,10 Dollar auf Sicht von einem Jahr ausdrücken. Eine andere Fraktion dagegen, zu der er auch gehöre, erwarte wegen der US-Defizite im Haushalt und Außenhandel eine weitere Dollar-Schwächung, was Ende des Jahres einen Eurokurs von 1,15 Dollar und Mitte nächsten Jahres von 1,20 Dollar bedeuten könnte.

Der Ölpreis wird nach Walters Einschätzung in diesem und im nächsten Jahr unterhalb des jetzigen Standes von rund 25 Dollar je Barrel liegen. Auch in der Euro-Zone solle sich die Wirtschaft stabilisieren, sagte Walter. Dort rechne er in diesem Jahr mit einem Wachstum von rund ein Prozent und rund 2,2 % im nächsten Jahr. Die Erholung bedeutete aber nicht, dass in Deutschland und in Europa eine gute Wirtschaftspolitik gemacht werde. Auch die Euroentwicklung sei kein Ausdruck von Stärke, sondern Folge der Dollar-Schwäche.

Der Konsum in Deutschland werde nach einem Minus im Vorjahr in diesem Jahr um 0,2 % und im kommenden Jahr um 1,3 % zulegen. Wachstumsmotor werde der Export mit Zuwächsen von 3,8 % in diesem und 5,2 % im nächsten Jahr sein. Auch die Importe dürften um 3,4 % in diesem und 4,4 % im nächsten Jahr zulegen.

Die Reformvorschläge von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) sind nach Walters Worten in vielen Bereichen vernünftig und sollten umgesetzt werden. Sie reichten aber noch nicht aus. So seien Ausgabenkürzungen beim Staat bei Subventionen und Transferzahlungen nötig. Die Kritik der Gewerkschaften an den Reformpläne sei kaum nachvollziehbar. Die Chancen für eine wirtschaftspolitische Wende zum Besseren seien derzeit so groß wie selten.

Der Chefvolkswirt des Bankenverbandes, Hans-Joachim Massenberg, sagte mit Hinweis auf die Ertrags- und Kostenprobleme der Banken, diese seien auch Ausdruck der Konjunkturschwäche. "Nur in einer gesunden Wirtschaft kann es einen gesunden Bankensektor geben", sagte er.

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