Bundesverband fordert umfassende Konsolidierung
Deutsche Banken auf dem Prüfstand

Die deutschen Banken stecken tief in der Krise, tiefer als die Geldhäuser in vielen anderen Ländern. Am Rande der Jahrestagung des Internationalen Währungsfonds in Washington versuchten die Verantwortlichen zu beruhigen: Krise ja, doch von existenzbedrohenden Problemen könne keine Rede sein.

WASHINGTON. Auch weit weg von zu Hause kann Dresdner-Bank-Chef Bernd Fahrholz seinen Problemen nicht entkommen. Die weltweite Krise der Banken warf einen langen Schatten auf die Jahrestagung des Internationalen Währungsfonds (IWF), einen der wichtigsten Treffpunkte der internationalen Geldbranche. So muss sich Fahrholz auch in der US-Hauptstadt Washington kritische Fragen gefallen lassen. Und er räumt freimütig ein: "Ja, wir haben eine krisenhafte Entwicklung in Deutschland, bislang haben wir die Strukturprobleme des Bankgewerbes nicht in den Griff bekommen". Aber Fahrholz sagt gleichzeitig: "Von japanischen Verhältnissen sind wir noch weit entfernt." Von existenzgefährdenden Problemen zu sprechen sei völlig übertrieben.

Nach einem Milliardenverlust im ersten Halbjahr 2002 steckt die Dresdner Bank, die im vergangenen Jahr von der Allianz übernommen wurde, mitten in einer Rosskur. Weltweit will die Bank noch einmal 3000 Arbeitsplätze streichen, mit der dritten Sparwelle seit Mai 2001 muss Fahrholz die Kosten um insgesamt zwei Milliarden Euro drücken. Erst in der vergangenen Woche hatte die harte Sanierung ein erstes prominentes Opfer gefordert. Fahrholz-Stellvertreter Leonhard Fischer nahm seinen Hut. Jetzt will der Bankchef selbst die Kontrolle über den Hauptverlustbringer Firmenkundengeschäft und Investmentbanking übernehmen. Dass er zum Erfolg verurteilt ist, weiß er: "Ich bin mir bewusst, dass ich meinen Kopf auf den Block lege."

Mit seinen Problemen steht Fahrholz allerdings nicht alleine da. Vielen Banken geht es derzeit schlecht, doch die deutschen Institute scheinen besonders tief in der Misere zu stecken. Nicht nur die Dresdner Bank, auch die Hypo-Vereinsbank und die Commerzbank mussten bei der Vorlage ihrer Halbjahreszahlen ein Fragezeichen hinter ihre ursprünglichen Prognosen setzen. Analysten rechnen mit weiteren Sparrunden, nachdem die Banken bereits die Streichung von insgesamt 35 000 Jobs angekündigt haben.

Deutsche Institute zu teuer

Gründe für diesen Pessimismus gibt es reichlich: Wegen Konjunktur- und Börsenflaute ist bei den Einnahmen kaum Besserung in Sicht. Dazu kommt die Welle von Unternehmenspleiten, die die Risikovorsorge nach oben treibt. Doch nicht alle Schuld können die Vorstände auf die miserable Wirtschafts- und Börsenlage schieben. Eine Studie der Beratungsgesellschaft Accenture kam im Frühjahr bei einem Vergleich von 15 großen Banken in Europa zu dem Schluss: "Die deutschen Institute arbeiten ineffizient, zu teuer und vernichten systematisch Wert."

In Deutschland werde die schwache Wirtschaftslage noch durch den deutlich überbesetzten Bankenmarkt verschärft, machte Bundesbankpräsident Ernst Welteke in Washington klar. Inzwischen hätten die Geldhäuser allerdings die Zeichen der Zeit erkannt und sich an die dringend notwendige Konsolidierung gemacht: "An jedem Arbeitstag verschwindet in Deutschland eine selbstständige Bank und werden zehn Filialen geschlossen", erläuterte Welteke.

Nach Ansicht von Manfred Weber, dem Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes deutscher Banken, reicht das aber noch lange nicht aus. Er fordert eine Konsolidierung auch über die Grenzen von Sparkassen, Genossenschaftsbanken und privaten Banken hinweg. Bisher habe die Bereinigung vor allem innerhalb der einzelnen Bankengruppen statt gefunden. "Doch eine strikte Abgrenzung der drei Sektoren ist nicht mehr zeitgemäß", sagte er.

Am Rande der IWF-Tagung mussten sich gerade die deutschen Banken kritische Nachfragen gefallen lassen. Doch Weber will die Lage der heimischen Geldhäuser "nicht dramatisieren": "Es gibt kein Liquiditätsproblem geschweige denn ein Bonitätsproblem." Trotz aller Schwierigkeiten sei der deutsche Finanzsektor stabil, betonte auch Bundesbankpräsident Ernst Welteke. "Es gibt keinerlei Anlass von einer Krise zu reden". Für Optimismus scheint es allerdings auch keinen Anlass zu geben. Denn auch die Bundesbank warnt in ihrem jüngsten Monatsbericht: Nachdem der Betriebsgewinn bereits 2001 um über ein Drittel eingebrochen sei, müssten die Banken in diesem Jahr "mit einer weiteren Verschlechterung der Ertragslage rechnen."

Quelle: Handelsblatt

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