Bundesverband spricht von "Regulierungswut"
Antibiotika in Futter soll verboten werden

Von 2005 oder 2006 an sollen Antibiotika in Tierfutter EU-weit verboten werden. Darauf einigten sich die 15 Agrarminister am Montagabend in Brüssel. Ein Vorschlag der EU- Kommission soll bis Ende des Jahres vorliegen. Verbraucherministerin Renate Künast (Grüne) hatte sich vor dem Hintergrund des bayerisch- österreichischen Schweinemastskandals für ein baldiges Verbot dieser Zusatzstoffe eingesetzt.

dpa BRÜSSEL/MAINZ. Das angestrebte endgültige Verbot von Antibiotika hat der Bundesverband für Tiergesundheit als einen "Akt blinder Regulierungswut" abgelehnt. Sollten die letzten vier noch zugelassenen antibiotischen Leistungsförderer im Tierfutter verboten werden, rechnet der Bundesverband, der 43 Hersteller von Tierarzneimitteln vertritt, nach einem Bericht des ZDF-Magazins Kennzeichen D mit verstärkter Ausbreitung der Tierkrankheiten nicht nur in der Schweinemast.

Das Magazin berichtet, in vielen der 123 000 Schweinemästereien in Deutschland nähmen Erkrankungen der Tiere zu. Ferkel und Mastschweine seien unter anderem verstärkt von Coli-Ruhr, Darminfekt oder Gelenkentzündungen betroffen. In manchen Betrieben seien die Verlustraten im vorigen Jahr um über zehn Prozent gestiegen. In der ZDF-Sendung, die am Mittwochabend ausgestrahlt wird, heißt es zudem, dass nicht nur das Landeskriminalamt in Bayern in Sachen Schweinemastskandal tätig sei, sondern auch andere Landeskriminalämter ermittelten.

Ermittlungen laufen auf Hochtouren

Zur Aufklärung des Skandals ist beim Landskriminalamt in München eine 18-köpfige Sonderkommission gegründet worden. Dies erklärte der Regensburger Oberstaatsanwalt Peter Schuchardt am Dienstag. Die Regensburger Staatsanwaltschaft ermittelt zusammen mit dem Landeskriminalamt gegen den Straubinger Tierarzt Roland Fechter, der illegal Medikamente an Schweinemastbetriebe verkauft haben soll.

"Wir ermitteln mit Hochdruck", sagte Schuchardt. Ein Ende des Verfahrens sei noch nicht absehbar. In der vergangenen Woche wurde Fechter wegen Verdunklungsgefahr in Untersuchungshaft genommen. Er soll versucht haben, zusammen mit einem Angestellten verkaufte Medikamente von Bauernhöfen zurück zu holen. Im sächsischen Waldenburg wurde in Zusammenhang mit den Ermittlungen vor einer Woche eine Ferkelzuchtanlage durchsucht. Schuchardt wollte allerdings keine Auskünfte darüber geben, ob weitere Durchsuchungen bei Landwirten geplant sind.

Fechter soll im großen Stil in Deutschland und Österreich illegal mit Präparaten gehandelt haben. Der Tierarzt betreibt in Straubing eine Tierklinik mit zehn angestellten Veterinären. Er hat die Anschuldigungen bestritten.

In einem zweiten Verfahren ermittelt die Staatsanwaltschaft Landshut gegen einen Veterinär aus Bayerbach (Landkreis Rottal- Inn). Auch dieser Tierarzt soll an österreichische und bayerische Betriebe Medikamente verschickt und so gegen das Arzneimittelgesetz verstoßen haben.

In Österreich wurden mittlerweile in 29 von bisher 227 analysierten Proben Antibiotika nachgewiesen. In den dortigen Bundesländern Niederösterreich, Steiermark und Oberösterreich sind nach Behördenangaben 23 Bauernhöfe gesperrt worden.

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