Bundesverteidigungsministerium befürchtet Technologieabfluss
Hardthöhe sieht HDW-Übernahme skeptischer

Zunächst hatte die Hardthöhe keine Einwände gegen den Einstieg von US-Investoren bei der deutschen Spitzenwerft HDW. Doch jetzt fürchtet auch das Verteidigungsministerium den Abfluss deutscher Technologie.

BERLIN/DÜSSELDORF. Nun läuten auch in Berlin die Alarmglocken: Der Verkauf der Kieler Spitzenwerft HDW an den US-Investor One Equity Partners (OEP) birgt nach Überzeugung des Bundesverteidigungsministeriums erhebliche rüstungspolitische Risiken. In einem Bericht, der Mitgliedern des Verteidigungsausschusses des Bundestages zugeleitet wurde, fordert die Hardthöhe ein Technologieabkommen zum Schutz brisanter HDW-Blaupausen. Wie die Parlamentarische Staatssekretärin des Ministeriums, Brigitte Schulte, schreibt, sei sonst ein "einseitiger Technologietransfer" zu Lasten der deutschen Marinewerft zu erwarten.

Die Befürchtungen in Berlin kreisen um die Pläne des künftigen HDW-Mehrheitseigentümers OEP, dem US-Rüstungskonzern Northrop Grumman 20 % der Aktien zu verschaffen. Dies ist Teil des Plans, den HDW-Chef Klaus Lederer eingefädelt hat. Während Lederer auf eine transatlantische Kooperation seines Unternehmens hinarbeitet, warnt das Verteidigungsministerium vor den negativen Folgen dieser Industriekonstellation. Eine Kooperation zwischen Deutschland und den USA im konventionellen U-Boot-Bau sei "rüstungspolitisch bedenklich". Auch betriebswirtschaftlich, so heißt es weiter, seien "langfristig keine günstigen Ergebnisse" für die deutschen Werften zu erwarten.

Die Verträge zwischen OEP und den bisherigen HDW-Anteilseignern Babcock Borsig und Preussag sollen zwar den Abfluss geheimer Blaupausen verhindern. Auch werden deutschen Unternehmen langfristige Rückkaufrechte zugesichert. Doch das Verteidigungsministerium zweifelt daran, ob OEP und später Northrop solche Verpflichtungen erfüllen. Der Einstieg der Amerikaner bei der deutschen Spitzenwerft könne "bestenfalls" gut geheißen werden, "wenn alle Bedingungen ohne Ausnahme und Abschwächung eingehalten werden". Um einen nicht wieder gut zu machenden Schaden zu verhindern, will die Hardthöhe von HDW über alle Details der künftigen Entwicklung eng konsultiert werden. Ziel sei ein Abkommen, das die Sicherung der Benutzungsrechte, die Frage der Nachbaurechte sowie den Geheimschutz regele.

Unterdessen gibt man sich in der Bundesregierung verschnupft, weil die Industrie frühere Zusagen nicht eingehalten habe. Denn bereits am 27. Oktober 2000 hatte Bundeskanzler Gerhard Schröder die Chefs der großen deutschen Rüstungskonzerne zum Strategiegespräch geladen. Als Ergebnis war damals schriftlich festgehalten worden, dass die Unternehmen im Bereich der Heerestechnik "auf eine Harmonisierung und Bündelung ihrer technologischen Fähigkeiten hinarbeiten". In ihrem Bemühen um Konsolidierung sollten die Unternehmen auch die Möglichkeit einer gegenseitigen Kapitalverflechtung prüfen. Zu HDW hieß es: "Um die Konsolidierung der Marineschiffbauindustrie zu fördern, bilden die Unternehmen Babcock Borsig AG und ThyssenKrupp Industries AG eine strategische Allianz." Ziel dieser Allianzen sollte der Erhalt der Spitzenstellung sowie der Kernkompetenzen der deutschen Unternehmen in den Bereichen der Heerestechnik und der Marine sein.

Heute gehen die Unternehmen jedoch einen anderen Weg. Auch die Nürnberger Diehl-Gruppe, die ein Drittel ihres Umsatzes mit militärische Produkten erzielt, setzt jetzt auf transatlantische Kooperationen. "Da sind wir meistens Juniorpartner, aber ohne Kooperationen läuft gar nichts", so Unternehmenschef Thomas Diehl.

Immerhin haben KraussMaffei Wegmann und Rheinmetall DeTec die Order aus Berlin befolgt. Beide Firmen unterzeichneten eine Erklärung, wonach sie gemeinsam den neuen Schützenkampfwagen "Panther" bauen wollen. Die Konzerne arbeiten seit Jahren in einzelnen Projekten eng zusammen. Tröstlich für den Kanzler: Die im Marineschiffbau üblichen Rivalitäten zwischen den Anbietern kennen die Panzerbauer offenbar nicht.

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