Bundeswehroffiziere erstaunt über Durchhaltevermögen der Taliban
"Wir wundern uns wirklich"

Die Offiziere gaben es am Freitag unumwunden zu: "Wir wundern uns wirklich über die militärische Durchhaltefähigkeit der Taliban." Im Berliner Verteidigungsministerium verfolgen sie ständig den Verlauf der schweren Militäroperationen der amerikanischen und britischen Streitkräfte gegen die Gefolgsleute des Top-Terroristen Osama Bin Laden.

ddp BERLIN. Die Meldung aus Washington, dass die talibanische Luftabwehr ausgeschaltet worden sei, "ist wohl ein wenig vollmundig zu früh gekommen", meinte einer der Offiziere. Allgemein wird die Auffassung vertreten, aus der Luft könnten die Taliban "nicht in die Knie gezwungen werden". Es werde nichts anderes übrig bleiben, als mit Bodentruppen "reinzugehen".

Da deutsche Soldaten bei den bisherigen Angriffen auf die Taliban nicht beteiligt waren, wird jetzt "mit Sicherheit" erwartet, dass sie auch bei möglichen bevorstehenden Bodeneinsätzen nicht mit dabei sein werden. Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) spricht zwar von der großen Wende der deutschen Außen- und Sicherheitspolitik hin zum konkreten Einsatz von Bundeswehrsoldaten an der Seite der amerikanischen Verbündeten. Aber nicht nur, dass US-Präsident George W. Bush bislang keinerlei militärischen Beistand von den Deutschen gefordert hat. Schröder habe bislang auch nicht die "geringste präzise Andeutung oder Aussage über einen Militäreinsatz der Bundeswehr im Vorgehen gegen die Taliban gemacht", kritisiert die Opposition.

Nach Ansicht des CDU-Verteidigungsexperten Paul Breuer ist die Bundeswehr nur noch bedingt einsatzfähig. Wegen der chronischen Finanznot lebe sie eigentlich nur noch von der Hand in den Mund. Selbst Generalinspekteur Harald Kujat hält nicht hinter dem Berg, dass die deutsche Armee nur noch auf dem Zahnfleisch gehe. Fast 8000 Soldaten sind auf dem Balkan mit der noch gerade verfügbaren modernen Ausrüstung gebunden. Der Kanzler könne "ja schön reden, aber Tatsache ist, dass wir bei einer definitiven Anforderung der Amerikaner ziemlich passen müssen, weil wir kaum noch etwas Richtiges zu bieten haben", ist das Argument der Offiziere, die im Stillen dabei sind, auszuloten, wie die Bundeswehr mit den US-Einheiten mithalten könnte.

An erster Stelle wird der Spürpanzer "Fuchs" genannt, falls die Taliban, wie es befürchtet wird, gegen mögliche Bodentruppen der Amerikaner und Briten mit Giftgas vorgehen. Der Panzer ist ein einzigartiges rollendes Labor, das in Sekundenschnelle atomare, biologische und chemische Kampfstoffe aufspüren kann. Die Besatzung kann sofort alle zuständigen Stellen über Funk über die gefährliche Lage informieren. An zweiter Stelle die Drohne CL 289, ein kleiner unbemannter programmierbarer Aufklärungsflugkörper. Sie liefert auch dann über weite Distanzen gestochen scharfe Bilder, wenn witterungsbedingt Aufklärungsflugzeuge und Satelliten dazu nicht im Stande sind.

Transall-Transporter, Phantommaschinen, Hubschrauber, Breguet-Aufklärer seien derart veraltet, "dass wir sie lieber nicht erwähnen sollten", meinte ein für die Rüstung zuständiger Oberstleutnant im Verteidigungsministerium. Der künftige Eurofighter "wäre etwas, aber den haben wir eben noch nicht", wird mit Bedauern festgestellt. Auch die "Tornado"-Kampfjets könnten den Amerikanern nicht genügend Hilfe bei ihren Angriffen leisten.

Das einzige, wovon die US-Streitkräfte äsich aber wirklich etwas versprechen könnten", wäre die Elitetruppe KSK der Bundeswehr (Kommando Spezialkräfte), ist das einhellige Urteil der Offiziere. Allerdings hat diese Spezialtruppe, die einmal 1000 Mann haben soll, erst rund 200.

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