Bundesweite Pflicht-Untersuchungen angelaufen
Einige Länder mit BSE-Tests überfordert

Alle Schlachtrinder über 30 Monate müssen seit Mittwoch auf die Rinderseuche BSE untersucht werden. Die bundesweiten Pflichttests überfordern jedoch die Kapazitäten einzelner Bundesländer. CDU-Chefin Angela Merkel und der Deutsche Bauernverband forderten wegen der BSE-Krise Hilfen für die Landwirte.

Reuters BERLIN. Die bundesweiten BSE-Pflicht-Schnelltests bei allen Schlachtrindern über 30 Monate überfordern die Test-Kapazitäten einzelner Bundesländer. In Schleswig-Holstein können die seit diesem Mittwoch vorgeschriebenen Tests nach Angaben des Umweltministeriums erst Ende nächster Woche eingesetzt werden. Ungetestetes Fleisch von Tieren im fraglichen Alter komme aber seit Donnerstag nicht mehr in den Handel. Ältere Tiere seien jedoch noch kurz vor der Test-Pflicht in größerer Zahl geschlachtet worden. Auch Brandenburg meldete Engpässe bei den Tests. CDU-Chefin Angela Merkel und der Deutsche Bauernverband forderten wegen der BSE-Krise Hilfen für die Landwirte.

In Umweltministerium in Kiel hieß es, man brauche noch Zeit, um die nötigen Kapazitäten aufzubauen. Ende nächster Woche oder Anfang übernächster könnten dann etwa 50 bis 70 Rinder pro Tag auf die Rinderseuche BSE getestet werden. In Kreisen der Landesregierung geht man deshalb davon aus, dass zunächst nur Tiere geschlachtet werden, die jünger als 30 Monate sind und die nicht getestet werden müssen. Umweltminister Klaus Müller (Grüne) sagte weiter, einige Bauern hätten ihre älteren Rinder noch schnell vor Einführung verbindlicher Schnelltests schlachten lassen. Eine Umfrage des Ministeriums habe ergeben, dass die Schlachtquote älterer Rinder deutlich gestiegen sei. Deshalb sei wahrscheinlich auch das Fleisch dieser Tiere noch vor vergangene Donnerstag in den Handel gelangt. "Das passt nicht zum vereinbarten Verbraucherschutz", sagte Müller.

In Brandenburg bleiben nach Angaben des Landwirtschaftsministeriums Rinder in den Ställen, da es auf Landschlachthöfen an Testkapazitäten fehle. Ein Sprecher des Ministeriums sagte, man könne mit Hilfe der Labors im benachbarten Berlin täglich rund 100 Schlachtrinder testen. Auf Grund der geringen Nachfrage könne so das meiste Rindfleisch von Tieren über 30 Monaten getestet werden. Allerdings gehe er davon aus, dass auf Grund der begrenzten Testkapazitäten viele Tiere zunächst nicht geschlachtet würden. Dies bedeute, dass sich ein Stau von Schlachtrinder aufbaue. Zusammen mit einer steigenden Nachfrage nach Rindfleisch könnte dies im nächsten Jahr zu Engpässen führen.

Das Umweltministerium von Rheinland-Pfalz teilte mit, wegen Lieferschwierigkeiten des Testherstellers Biorad könne das Land die Tests noch nicht in eigenen Labors vornehmen lassen. Man greife daher auf Testkapazitäten von privaten Labors und denen anderer Länder zurück.

Die meisten Bundesländer meldeten einen reibungslosen Start der Tests: Hessen habe rechtzeitig ausreichend viele Tests geordert, sagte eine Sprecherin des Sozialministeriums. Zudem gebe das Land den Verbrauchern noch ein "Stück mehr Sicherheit", indem Schlachttiere bereits ab dem Alter von 24 Monaten getestet würden. Auch Niedersachsen, Bayern,Baden-Württemberg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Nordrhein-Westfalen erklärten, sie seien gerüstet.

CDU-Parteichefin Merkel sagte, sie begrüße den Start flächendeckender BSE-Tests. Es sei jedoch notwendig, die Bauern finanziell zu entlasten. Bauern-Präsident Gerd Sonnleitner forderte, die Tests zu verbessern und auf alle Tiere auszudehnen. Nachdem Tiermehl nicht mehr verfüttert werden dürfe, müssten staatliche Stellen die Kosten für die Entsorgung der Tierkadaver übernehmen. Tiermehl steht im Verdacht, die Ausbreitung der Rinderseuche zu begünstigen. Die Kosten für die Entsorgung der jährlich rund 1,1 Mill. Tonnen werden von Experten auf bis zu zwei Mrd. DM geschätzt. In Bonn traf sich am Mittwoch eine Arbeitsgruppe aus Bund und Ländern, um über die Verteilung der Lasten zu beraten.

Tiermehl ist in der Europäischen Union ab 1. Januar als Futtermittel verboten, die BSE-Schnelltests sollen zum gleichen Zeitpunkt in allen Staaten Pflicht werden. In Deutschland wurden sie vergangene Woche per Eilverordnung angeordnet, nachdem ein erster BSE-Fall bei einem deutschen Rind entdeckt worden war. Ein Test kostet etwa 100 Mark und wird von der Fleischbranche getragen. Das Bundesgesundheitsministerium hat stets betont, auch mit den Tests gebe es für den Verbraucher keine 100-prozentige Sicherheit. Älteres Fleisch wird hauptsächlich zu Würsten verarbeitet. Etwa 60 % der Rinder in Deutschland wurden bisher vor dem Alter von 30 Monaten geschlachtet. Bei jüngeren Rindern ist die Seuche nach Expertenmeinung mit den Schnelltests nicht nachzuweisen.



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