Bundesweiter Konjunkturbericht
Handwerk: Schlechtere Geschäfte als jemals zuvor

Die Betriebe des deutschen Handwerks haben ihre Geschäftslage im ersten Quartal 2002 schlechter als jemals zuvor in den vergangenen Jahren beurteilt. Deutlich mehr Betriebe hätten über Entlassungen als über Neueinstellungen berichtet, hieß es bei der bundesweiten Konjunkturberichterstattung.

Reuters BERLIN. "Die Geschäftslagebeurteilungen fallen sowohl im westdeutschen als auch im ostdeutschen Handwerk auf den tiefsten Stand seit der Aufnahme der bundesweiten Konjunkturberichterstattung im Handwerk im Jahre 1992", lautete das am Donnerstag veröffentlichte Ergebnis der Konjunkturumfrage des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH) für das erste Quartal 2002. Die Handwerkskonjunktur habe sich deutlich und über das saisonübliche Maß hinaus auf breiter Front nach unten entwickelt. Deutlich mehr Betriebe hätten über Entlassungen als über Neueinstellungen berichtet. Und im zweiten Quartal planten die Betriebe per saldo einen weiteren Arbeitsplatzabbau.

Verantwortlich für die Negativentwicklung seien neben starken saisonalen Einflüssen die abgeschwächte Exportnachfrage sowie ein kräftiger Nachfragerückgang im Inland. Als Folge der schwächeren Konjunktur habe sich im westdeutschen Handwerk der zuletzt beschleunigte Abwärtstrend fortgesetzt. In Ostdeutschland habe sich der Abschwung verfestigt. Nur noch 58 Prozent der westdeutschen Handwerksbetriebe hätten im ersten Quartal 2002 über eine unveränderte oder bessere Geschäftslage berichtet - rund neun Prozentpunkte weniger als im Vorjahresquartal. In Ostdeutschland seien es 52 Prozent der Betriebe gewesen, die von einer allenfalls unveränderten Geschäftslage gesprochen hätten nach 55 Prozent im Vorjahresquartal.

Rund 56 Prozent der Handwerksbetriebe in West- und 63 Prozent in Ostdeutschland seien von rückläufigen Umsätzen betroffen, hieß es weiter in dem Bericht. Auch diese Werte lägen im Westen rund zehn Prozentpunkte und im Osten rund drei Punkte über den Vergleichswerten des Vorjahres. Die Auftragsbestände hätten sich stark rückläufig entwickelt, die Auftragseingänge seien ebenfalls geringer ausgefallen.

ZDH-Generalsekretär Hanns-Eberhard Schleyer sagte, dieses Jahr rechne das Handwerk "allenfalls mit einer schwarzen Null" beim Branchenwachstum. Man müsse schon äußerst zuversichtlich sein, um überhaupt an ein Erreichen dieses in der vorausgegangenen Prognose genannten Ziels zu glauben. Schleyer ging unter Verweis auf die einschlägigen Konjunkturexperten davon aus, dass es im zweiten Halbjahr in der deutschen Wirtschaft zu einem "gewissen Aufschwung" kommen werde. Da dieser aber vor allem von den Exporten geprägt sei, werde das stark binnenmarktorientierte Handwerk hiervon nur in geringem Umfang profitieren.

Positive Effekte erwartete Schleyer allerdings zum Beispiel bei den Zulieferbetrieben. Schleyer sagte, es werde kaum gelingen, die Umsatz- und auch die Beschäftigtenverluste im weiteren Jahresverlauf auszugleichen. Die Beschäftigtenzahl im Handwerk dürfte nach der Erwartung des ZDH um deutlich mehr als die zuvor erwarteten 60 000 Personen abnehmen. Allerdings werde der Arbeitsplatzabbau "sicher weniger als 100 000" Beschäftigte betreffen, prognostizierte Schleyer.

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