Bundeswirtschaftsminister zieht im Handelsblatt-Interview positive Jahresbilanz
Wirtschaftsminister Müller: „Ende 2001 unter 3,5 Millionen Arbeitslose“

Bundeswirtschaftsminister Werner Müller hält eine harte Landung der Weltwirtschaft für unwahrscheinlich. Für Deutschland bleibt er optimistisch: Der Aufschwung stehe auf einem soliden Fundament.

Frage:

Die Weltkonjunktur schwächt sich ab. Vor allem in den USA wird eine Abkühlung erwartet. Rechnen Sie dort mit einer sanften oder harten Landung?

Müller: Selbst die dynamische US-Wirtschaft kann Wachstumsraten von gut 5 % auf Dauer nicht durchhalten, ohne dass Ungleichgewichte und Inflationsrisiken entstehen. Ich erinnere an die extrem niedrige Sparquote und das deutlich gestiegene Leistungsbilanzdefizit. Die etwas schwächere wirtschaftliche Dynamik wird diese Ungleichgewichte Schritt für Schritt abzubauen und damit auch die Risiken für eine harte Landung der Weltwirtschaft senken helfen. Das halte ich für eine insgesamt positive Entwicklung.

Frage: Welche Auswirkungen wird die weltweite Konjunkturabflachung auf den EU-Raum und Deutschland haben? Muss die Bundesregierung ihre Wachstumsprognose für das kommende Jahr von 2,75 % nach unten korrigieren?

Müller: Trotz gestiegener Ölpreise, strafferer monetärer Rahmenbedingungen und einer ruhigeren Gangart der Weltwirtschaft spricht die Europäische Kommission von der "besten wirtschaftlichen Situation für Europa seit einer Dekade". Denn wir haben kräftige Steuersenkungen in vielen EU-Ländern, eine wahrscheinlich moderate, beschäftigungsfördernde Lohnentwicklung und einen abgeschwächten Preisauftrieb. Alles in allem dürfte die europäische Wirtschaft gut 3 % in 2001 wachsen. Der Wirtschaftsaufschwung in Deutschland steht auf einem soliden Fundament. Die Ölpreise sinken schneller als erwartet, der Euro ist auf Erholungskurs. Die deutsche Wirtschaft hat randvolle Auftragsbücher. Durch Steuerentlastung und Lohnerhöhungen erhalten die Arbeitnehmer deutlich mehr in die Lohntüte. Zu unserer Prognose von 2,75 % Wachstum in 2001 bin ich ganz zuversichtlich.

Frage: Rechnen Sie weiterhin damit, dass die Arbeitslosenzahl im nächsten Jahr auf rund 3,5 Millionen sinkt?

Müller: Im Herbst hatten wir 580 000 mehr Erwerbstätige, im November über 250 000 weniger Arbeitslose als ein Jahr vorher. Das ist eine hervorragende Beschäftigungsbilanz, aber kein Ruhekissen. Die Arbeitslosigkeit bleibt die große Herausforderung. Deswegen werden wir alle Anstrengungen für Wachstum und Beschäftigung und zur Stärkung der Marktkräfte und der Unternehmen fortsetzen. Ich bin überzeugt, Ende 2001 werden wir 3,5 Millionen Arbeitslose oder weniger erreichen.

Frage: Welche Auswirkungen haben die Steuerreform, die sinkenden Energiepreise und die nächste Ökosteuerstufe auf die deutsche Konjunktur?

Müller: Die Steuerreform wird Unternehmen und Privathaushalte um 45 Mrd. DM entlasten, ein deutlicher Schub für privaten Konsum und Investitionen. Da die Energiepreise schneller sinken als erwartet, wird dieser Kaufkraftzuwachs in mehr Wachstum und Beschäftigung münden. Die Ökosteuerreform ist ziemlich konjunkturneutral, da das Geld sofort in den Wirtschaftskreislauf zurückfließt. Insgesamt haben wir eine gute Grundlage für einen stabilen und nachhaltigen Aufschwung.

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