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Bunkerstadt bei Bonn weitgehend entkerntDPA-Datum: 2004-07-01 08:25:31

Bad Neuenahr-Ahrweiler (dpa) - Es ist eines der teuersten, seltsamsten und geheimsten Bauwerke der Republik. Die einst als Schutz bei einem Atomkrieg vorgesehene unterirdische Bunkerstadt bei Bonn ist nun weitgehend entkernt.

Bad Neuenahr-Ahrweiler (dpa) - Es ist eines der teuersten, seltsamsten und geheimsten Bauwerke der Republik. Die einst als Schutz bei einem Atomkrieg vorgesehene unterirdische Bunkerstadt bei Bonn ist nun weitgehend entkernt.

Wo früher Arbeiter zwischen 936 Schlafzellen, 897 Büros, mehreren Operationssälen, einer Druckerei und einem Friseursalon auf Fahrrädern hin und her fuhren, herrscht jetzt gähnende Leere. Der vom Bundeskabinett nach dem Ende des Kalten Krieges aufgegebene Regierungsbunker im rheinland-pfälzischen Ahrtal südlich von Bonn wird seit 2001 zurückgebaut. 2005 soll er endgültig geschlossen werden.

Nur ein kleines Teilstück des 19 Kilometer langen Tunnellabyrinths soll einmal ein Museum werden. Dessen Finanzierung ist allerdings immer noch unklar. Rund 35 Millionen Euro verschlingt die Entkernung. Bei einem nuklearen Inferno sollte die unterirdische Festung 3000 Menschen 30 Tage lang Schutz gewähren. Bundespräsident, Regierung und ein Notparlament hätten sich hierher zurückgezogen.

Damit Grundwasser keine Schadstoffe ausschwemmen kann, sollen von dem Atombunker nur nackte Betonröhren übrig bleiben. «Hunderte von Kabeln, alle Zwischenwände, die Wandfüllungen und die Bodenbeläge sind schon verschwunden», berichtet der Sprecher des Bonner Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung (BBR), Andreas Kübler. Am Schluss werden die Pumpen abgebaut und die Eingänge verschlossen. Dann wird es gluckern und plätschern: Die ehemaligen Eisenbahntunnel laufen voll Wasser.

Viele bedauern dieses Ende des «Gasthauses zum letzten Stündchen», wie der 1972 fertig gestellte Atombunker auch genannt wurde. Vergebens versuchte der Bund 1998, das Labyrinth zu verkaufen. Freizeitpark, Pilzzucht, Kongresszentrum, Volksarchiv, Rechenzentrum, Sportanlage: Die unterschiedlichsten Nutzungsträume waren bald wieder ausgeträumt. Alle Interessenten schreckten vor den hohen und teuren Auflagen wie etwa einem aufwändigen Brandschutz zurück.

Mit Blick auf das fast vollständige Verschwinden der Berliner Mauer sagt BBR-Abteilungsleiter Hans Joachim Runkel: «Es gibt in Deutschland kein imposanteres Bauwerk des Kalten Krieges als diese Bunkeranlage.» Umso wichtiger sei das Museumsprojekt. Doch schon seit Jahren dümpeln die Verhandlungen vor sich hin. «Ich wage keine Prognosen, ob es noch realisiert wird», sagt der Präsident der Stiftung Haus der Geschichte in Bonn, Prof. Hermann Schäfer.

Die Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler hat sich ausgeklinkt, der Landkreis Ahrweiler hält sich bedeckt. Der Bund will laut BBR immerhin die rund 300 000 Euro investieren, die er mit dem Verzicht auf die Entkernung eines 300 Meter langen Tunnelstücks für ein Museum sparen würde. Nun werden weitere Partner für das Vorhaben gesucht.

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