Bunt gemischt
Nebenwerte: Experten nennen ihre Favoriten

Bei Nebenwertefonds in Deutschland gibt es große Unterschiede: Experten erläutern Strategien und nennen chancenreiche Titel aus der zweiten Reihe.

Peter Ott hat ein gutes Händchen für Nebenwerte. Das hat sich auch im letzten Jahr gezeigt: Der Fondsmanager von UBS landete mit einem Plus von fast sieben Prozent auf dem ersten Platz der deutschen Nebenwertefonds . Nicht von ungefähr ist der UBS-Midcap-Fonds der Favorit des Experten Wolfgang Kaiser von Fonds Consult in München. "Ott hat eine lange Expertise als Nebenwertefachmann", lobt Kaiser. Wichtig ist für ihn auch, dass sich Ott in den Börsenhochzeiten nicht von der Konkurrenz teuer abwerben ließ. Daher sei die Anlagepolitik kontinuierlich.

Doch Kontinuität allein ist nicht immer ein Erfolgsgarant: So haben die Neue-Markt-Fonds, die die Mehrheit der Nebenwertefonds in Deutschland darstellen, nach dem Platzen der High-Tech-Blase allesamt schwer gelitten. "Ich bin froh, dass ich mich nicht auf ein Börsensegment festlegen muss, besonders bedauere ich die Neue-Markt-Fonds", freut sich denn auch Heinrich Morgen, Berater des von der Frankfurter KAG Universal Investment GmbH aufgelegten Morgen-Portfolio-Universal-Fonds; gleichwohl sind fast 18,5 Prozent des Spitzenreiters im Dreijahreszeitraum in Wachstumstiteln angelegt.

"Wir sind ein Deutschlandfonds und können alle Segmente kaufen", erklärt Morgen. Aktuell ist Commerzbank mit rund sieben Prozent die größte Position, gefolgt von Altana, Thyssen-Krupp und Hochtief. Der Anteil der MDax-Aktien liegt bei 45,3 Prozent, der der Dax-Titel bei 22,7 Prozent. Morgen wählt die Aktien aus, indem er neben Fundamentalanalyse in erster Linie auf Charttechnik achtet und Phänomene der Verhaltensforschung (Behavioural Finance) berücksichtigt.

Auch die Charttechnik wird berücksichtigt

Ott ist auch ein Fan der Charttechnik: "Altana habe ich kürzlich zugekauft, weil sie endlich den Widerstand bei 60 Euro gebrochen haben." Er sei momentan Anhänger von Werten mit niedriger Bewertung. Mit diesen Value-Titeln habe er in den ersten drei Monaten dieses Jahres mehr verdient, als Technologietitel gebracht hätten. Falls der Konjunkturaufschwung gegen Mitte des Jahres in Gang kommen, die Wachstumsraten bei den Unternehmenszahlen aber noch unter den Erwartungen liegen sollten, winkten bei defensiven Werten Gewinne.

Seine fünf größten Fondspositionen sind AMB Generali, Beiersdorf, Altana, Porsche und Karstadt-Quelle. Ebenfalls im Depot liegen SDax-Werte und der Daxtitel Degussa. Der Anteil Neue-Markt-Aktien liegt bei zwei Prozent. Zu seinen gegenwärtigen Favoriten zählen Wella-Vorzüge: Bei der Gesellschaft erwartet er für das laufende Jahr ein überproportionales Gewinnwachstum. Kurspotenzial sieht er auch bei Continental, weil sich die Firmenumstrukturierung auszahlen sollte.

Ebenfalls positiv gestimmt für Continental ist DIT-Fondsmanager Frank Hansen, dessen Fondsperformance sich auch sehen lassen kann. Generell seien Zykliker nicht zu vernachlässigen, etwa Beru, die als Hersteller von Kaltstartanlagen für Dieselmotoren in einer profitablen Nische arbeiteten, da bei immer mehr Pkw Dieselmotoren verwendet würden. Insbesondere in den USA dürfte Wachstum zu erwarten sein.

Bei Bautiteln wie Bilfinger & Berger sowie Hochtief zeichne sich eine Bodenbildung im Hinblick auf die Inlandskonjunktur ab, zudem seien die Aktien niedrig bewertet. Bei Hochtief verspreche die bereits eingeleitete Entwicklung hin zum Serviceunternehmen wie das Betreiben von Straßen und Flughäfen Kurspotenzial, und Bilfinger & Berger sei auf dem Weg, sich diesen Sektor ebenfalls zu erschließen.

Erste Wahl: Pharma und Konsum

Erste Wahl aus der zweiten Reihe sind Hansens Meinung nach auch Pharma- und Konsumaktien, weil Anleger die Titel in unsicheren Börsenzeiten als sicheren Hafen nutzen würden. Er hat Wella und Puma im Vergleich zum MDax übergewichtet; sein Fonds enthält einen MDax-Anteil von 90 Prozent und einen Neue-Markt-Anteil von 5 Prozent.

Josef Schopf von Lupus alpha sieht indessen vor allem bei Maschinenbautiteln gute Kurschancen, weil eine anziehende Konjunktur die Titel beflügeln dürfe. Außerdem seien Salzgitter, IWKA und Rheinmetall attraktiv bewertet, findet der Manager des am 3. August 2001 aufgelegten und einzigen Fonds mit ausschließlich MDax-Werten (WKN: 974564; Performance seither: 1,66 Prozent). Schopf hat Chemie- und Pharmaaktien niedriger als im MDax gewichtet, weil die Aktien bereits gut gelaufen sind. Zu seinen Favoriten zählt Jungheinrich; die neue Vertriebsstrategie sei erfolgversprechend.

Fazit: Die Nebenwerte-Fonds haben unterschiedliche Schwerpunkte. Anleger müssen daher bei der Auswahl auch überlegen, auf welche Marktsegmente sie setzen möchten.

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