"Bunte"-Foto übernommen
"Spiegel" verliert Urheberrechtsstreit um Scharping-Titel

Das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" hat den Urheberrechtsstreit mit der Illustrierten "Bunte" um ein Scharping-Titelbild verloren. Das Münchner Landgericht sah in dem Titelbild keine eigenschöpferische Leistung des Hamburger Magazins, teilte das Gericht am Dienstag mit (Az.: 7 0 16110/01).

dpa MÜNCHEN/HAMBURG. Der Titel vom 27. August vergangenen Jahres zeigte unter der Überschrift "Rudolf der Eroberer" eine nachgezeichnete Version des damaligen Titelfotos der "Bunten" und versetzt den Bundesverteidigungsminister beim Baden mit seiner Lebensgefährtin auf Mallorca in einen Militär-Stahlhelm. "Der Spiegel" kündigte Rechtsmittel gegen das Urteil an

Nach Ansicht der Richter hat der "Spiegel" den urheberrechtlichen Leistungsschutz verletzt, da das Foto nahezu unverändert übernommen worden sei. Das Titelbild des "Spiegel" setze sich nicht mit dem Foto selbst auseinander, sondern verwende es nur, um sich mit der Person des Bundesverteidigungsministers zu befassen. Der "Spiegel" wurde verurteilt, das Titelbild nicht mehr zu veröffentlichen und Auskunft darüber zu geben, ob das Bild weiter verwertet worden sei, zum Beispiel bei "Spiegel online". Eine mögliche Entschädigung war nicht Gegenstand des Rechtsstreits, sagte ein Gerichtssprecher.

Der "Spiegel" will nun die nächste Instanz anrufen

"Das ist eine schmale Gratwanderung, ob es sich hier um eine freie oder eine abhängige Nutzung der Vorlage handelt", sagte der Leiter der "Spiegel"-Rechtsabteilung, Dietrich Krause. "Wenn der Illustrator das Foto nur etwas stärker verfremdet hätte, wäre das Urteil nicht zu unseren Ungunsten ausgefallen." Die Entscheidung einer weiteren Gerichtsinstanz könne auch für künftige Fälle nützlich sein. Das Ansinnen des Burda-Verlags, den gesamten Vertriebserlös der Spiegel- Nummer zu erhalten, habe das Gericht zurückgewiesen.

Die "Bunte" begrüßte das Urteil. Chefredakteurin Patricia Riekel sagte: "Das war dreister Bilderdiebstahl." Das Urteil gebiete dem eindeutig Einhalt. Der "Spiegel" müsse nun den Gewinn aus der Überlassung des Bildes an Dritte an "Bunte" weitergeben. Das Hamburger Magazin habe das Bild mit marginalen Veränderungen abmalen lassen und es ohne Einwilligung von "Bunte" abgedruckt, sagte die Chefredakteurin.

Hintergrund des Streits

Hintergrund des Streits war ein Exklusivfoto vom SPD-Politiker und seiner Lebensgefährtin Kristina Gräfin Pilati in der "Bunten". Der "Spiegel" hatte erklärt, das Foto sei nachgezeichnet worden. Dass das Nachrichtenmagazin mit dem "Trick einer fotorealistischen Zeichnung das Original vortäuscht, ist eine besonders unverfrorene Methode des unlauteren Wettbewerbs", kritisierte damals die "Bunte". Der Titel der "Bunten", der für erheblichen politischen Wirbel gesorgt hatte, zeigte mehrere Swimmingpool-Fotos von Scharping und Gräfin Pilati mit der Zeile "Total verliebt auf Mallorca".

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