Bunte legt gegen den Trend zu
Mit Klatsch und Tratsch durch die Krise

Boris Becker, Sabine Christiansen, Rudolf Scharping - es sind die Storys über die großen Prominenten, mit denen die "Bunte" aus dem Burda-Konzern jeden Donnerstag am Kiosk um Leser buhlt. Und das mit Erfolg.

HB/cbu MÜNCHEN. Während fast die gesamte Zeitungs- und Zeitschriftenbranche unter einer dramatischen Anzeigenflaute und teilweise deutlichen Auflagenrückgängen leidet, kommen von der "Bunten" gute Nachrichten. Umsatz und Heftverkauf steigen. Das "Zentralorgan der Liebe" (Tagesspiegel) hat sich in der Krise abgesetzt.

"Das journalistische Credo der ?Bunten? ist immer positiv. Bei uns ist das Glas immer halb voll, nie halb leer", kommentiert Philipp Welte den Erfolg in Zeiten der allgemeinen Verunsicherung. Der 40-jährige ist Geschäftsführer der Burda People Group, in der Verleger Hubert Burda die Bunte, den Monatsableger "Instyle" sowie den Internetauftritt Starnet-One gebündelt hat.

Auch wenn die "Bunte" nicht gerade vor Anzeigen strotzt, Welte kann gute Zahlen präsentieren. Das Anzeigengeschäft ist im 1. Halbjahr 2002 um 18 % auf knapp 1 100 Seiten gestiegen, die Nettowerbeerlöse laut Welte sogar um mehr 30 %. Die Auflage legte um 2 % auf insgesamt gut 780 000 Exemplare zu. "Wir sind am Donnerstag am Kiosk die Nummer Eins im Einzelverkauf", sagt Welte. Im In- und Ausland liegt die "Bunte" im Einzelverkauf vor dem Gruner & Jahr-Produkt "Stern". Und im Burda-internen Wettbewerb liegt die Bunte inzwischen vor dem "Focus".

Bunte-Krise in den 90ern

Das war aber nicht immer so: Mitte der neunziger Jahre befand sich die "Bunte" in einer tiefen Krise. Die Illustrierte war stärker als andere Print-Titel getroffen von der Einführung des Privatfernsehens, das auch Klatsch und Tratsch brachte. Dazu kamen hausgemachte Turbulenzen: Das Burda-Blatt hatte ein massives Glaubwürdigkeitsproblem. Immer wieder gab es Zweifel an den Geschichten. Prominente wie Caroline von Monaco zogen gegen den Verlag vor Gericht. Die Auflage sank auf ein Tief von 650 000 Stück. Mancher sah schon das Ende.

Mitte der neunziger Jahre wurde Patricia Riekel Chefredakteurin. Die Journalistin, die privat mit Burda-Vorstand und Focus-Macher Helmut Markwort liiert ist, drehte das Blatt. Statt der großen Geschichten über den Adel gab es jetzt Storys über Prominente aus Politik und Wirtschaft. Wichtigste Änderung: Die "Bunte" machte ihre Geschichten nun mit den Prominenten, nicht mehr gegen sie. Bestes Beispiel: Der inzwischen geschasste Verteidigungsminister Rudolf Scharping gewährte Einblick in sein Privat- und Liebesleben. Die Illustrierte landete einen ihrer größten Coups, eine öffentliche Diskussion um den Politiker brach los.

Größte People-Magazin in Europa

Über die Aufmerksamkeit freut sich natürlich auch Geschäftsführer Welte. "Wir sind mittlerweile das größte People-Magazin in Europa", sagte er. Und seit 1999 liefert die "Bunte" auch wieder Gewinne an den Burda-Verlag. Die Rendite ist nach Angaben Weltes zweistellig. Seit 1997 stieg der Gesamtverkauf um über 15 %. Aber noch immer sind 60 % der über 4,12 Millionen Leser Frauen. Auch in der für die Werbewirtschaft wichtigen Zielgruppe der 20- bis 49-Jährigen ist die "Bunte" noch nicht stark genug vertreten. Doch laut Welte gewinnt das Blatt zunehmend jüngere Käufer. Jetzt denkt der Manager bereits über eine weitere Verwertung der Marke nach, etwa im Fernsehen.

"Wir sind zur Zeit eines der am schnellsten wachsende Unternehmen in Deutschland", freut sich Welte. Doch auch der Erfolg schützt nicht vor dem Sparkurs, den gerade Hubert Burda angesichts der Krise in der Branche einschlagen hat. Der gesamte Konzern erwirtschaftete 2001 trotz eines Umsatzplus? von 6 % auf 1,4 Mrd. Euro deutlich weniger Gewinn. Deshalb muss jetzt auch Welte nach Sparmöglichkeiten suchen.

Quelle: Handelsblatt

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