Burberry-Chefin Klassenbeste
Knallharte Ladys in rauem Wind

Ausgerechnet in Branchen, die traditionell als Männer-Domänen gelten, schaffen Managerinnen es nach ganz oben. Hilfreich dabei sind angelsächsisches Umfeld und Unternehmensgröße.

HB DÜSSELDORF. Je größer das Unternehmen und je rauer die Branche, desto besser steht es für Karriere-Frauen. Denn dann haben sie beste Chancen, sich mit viel Geduld und Erfahrung bis ganz an die Unternehmensspitze hinauf zu arbeiten. Dies ist das Fazit des Rankings der 25 erfolgreichsten Geschäftsfrauen in Europa. Das "Wall Street Journal Europe" führte diese Untersuchung in diesem Jahr zum dritten Mal durch und stellte sie auf dem Women-in-Business-Kongress in London zur Diskussion.

Klassenbeste ist die Burberry-Chefin Rose Marie Bravo, die sich den ersten Platz im Vorjahr noch mit Marjorie Scardino, der Chefin des britischen Medienkonzerns Pearson (jetzt Rang 2) geteilt hatte. Bravo legte im abgelaufenen Geschäftsjahr einen erfolgreichen Börsengang hin. Ihr größter Verdienst: die erfolgreiche Neuausrichtung des angestaubten Karo-Klassikers zum flotten Trend-Label.

Den dritten Rang teilen sich zwei weitere Britinnen und eine Französin: Linda Zarda Cook leitet das Erdgas- und Energiegeschäft von Royal Dutch Shell und demnächst Shell Canada. Kim Winser hat den Edel-Strickwarenhersteller Pringle of Scotland erfolgreich modernisiert. Patricia Barbizet führt die Artemis-Holding des Milliardärs François Pinault und kontrolliert damit große Firmen wie das Auktionshaus Christie?s, die Weingüter von Chateau Latour und den Einzelhandelskonzern Pinault Printemps Redoute.

Deutschland hat nur zwei Frauen im Ranking

In Deutschland haben es die Frauen offenbar deutlich schwerer, an die Spitze zu klettern: Die deutsche Präsenz im Ranking ist mit zwei Geschäftsfrauen noch immer gering, wenn auch besser als im Vorjahr - damals tauchte unter den 25 Top-Managerinnen keine einzige Deutsche auf. Christine Licci, Chefin der Citibank in Deutschland (Rang 13), erwirtschaftete in einem Jahr, in der die deutsche Finanzbranche durch eine schwere Krise geht und viele Wettbewerber in ihrer Existenz bedroht sind, ein passables Ergebnis. Liz Mohn (Rang 25) übernahm in diesem Jahr die Regie beim Medienkonzern Bertelsmann.

Ann-Kristin Achleitner, Professorin für Unternehmensgründung an der TU München und eine der elf Juroren für das Ranking, wertet die Präsenz Liccis unter den ersten 13 als "beachtliches Zeichen" für einen allmählichen Wandel in der deutschen Unternehmenswelt: "Zwar ist es kein Zufall, dass Licci für ein US-Unternehmen (Citigroup) arbeitet. Doch immerhin hat sie Karriere in Deutschland gemacht, auf der deutschen Seite der Citibank-Gruppe."

Trotzdem gilt noch immer: "In angelsächsischen Unternehmen werden Frauenkarrieren eher gefördert als in deutschen", beobachtet Barbara Hartmann, Headhunterin und Partnerin bei Heidrick & Struggles in München.

Elf Britinnen

Logisch also, dass die angelsächsischen Damen das Ranking auch in diesem Jahr wieder klar dominieren. Elf von ihnen sind britisch. Allein unter den Top-Ten sind vier gebürtige US- Amerikanerinnen und drei Britinnen (sowie je eine Französin, Spanierin und Schwedin). Und auch von den Unternehmen, bei denen die 25 Frauen arbeiten, ist mehr als die Hälfte britisch. "Die angelsächsische Dominanz ist kein Zufall", urteilt Jorti Canals, Dekan der spanischen Businessschule IESE und Ranking-Juror. "Wenn es darum geht, Frauen größere Chancen auf Top-Positionen einzuräumen, sind britische und US-amerkanische Unternehmen einfach weiter als die auf dem europäischen Kontinent."

Dies zeigt sich sogar in der Männer-Domäne Ölgeschäft. Hier haben zwei Ladys und obendrein Kolleginnen den Weg nach oben geschafft: Shells Erdgas-Chefin Cook (Rang 3) und die Finanzdirektorin beim selben Konzern, Judith Boynton (Rang 8). In der Tat gelten gerade in knallharten Branchen Gesetze, die Frauen-Karrieren häufig zugute "Hier kommt es auf messbare Ergebnisse und Erfahrung an", erklärt Headhunterin Hartmann. "Diese objektiven Kriterien geben jenen Frauen, die überdurchschnittliche Leistungen erbringen, die Gelegenheit, ihren Erfolg auch zu zeigen."

Auf dem Londoner Kongress erklärte die BP-Marketingchefin Anna Catalano, dass gerade die Bedeutung messbarer Erfolge in so genannten Männer-Branchen vielen Frauen hilft. "Wenn es darum geht, einfach besser zu sein, haben wir Frauen eins voraus: Wir sind gewöhnt, doppelt so gut sein zu müssen, um weiter zu kommen. Das Gute daran: Man lernt auch doppelt so viel", so Catalano.

Karriere in großem Unternehmen

Das zweite Ergebnis des Rankings hat einen ähnlichen Grund: Die meisten Top-Frauen haben ihre Karrieren in großen Unternehmen gemacht. Denn: "In großen Unternehmen gelten objektivere Bewertungsmaßstäbe als in kleinen", erklärt Hartmann. "Hier gibt es klare Zielvereinbarungen, durch die überdurchschnittliche Leistungen auffallen. In kleineren Unternehmen dagegen werden Personalentscheidungen oft von Einzelpersonen und manchmal aus dem Bauch heraus getroffen - und davon profitieren am Ende dann doch wieder häufig Männer." Ähnlich sieht es die Jurorin und Venture-Investmentberaterin Lucy Marcus, die beim World Economic Forum das Projekt Leader for Tomorrow - Building Women Leaders führt. "Die großen Unternehmen müssen nach außen hin zeigen, dass sie es mit der Diversifizierung ihrer Personalstruktur ernst meinen. Und das geht nur, indem sie damit ganz oben anfangen."

Nach dieser Argumentation dürfte auch das gegenwärtige Marktumfeld Frauen-Karrieren entgegen kommen: Zurzeit sind keine charismatischen Kult-Manager gefragt, sondern Unternehmenslenker, die solide Ergebnisse abliefern. Auch dies also ein Trend zu mehr Objektivität, den ambitionierte Frauen sich zu Nutze machen sollten.

Für den Weg nach ganz oben empfiehlt Shell-Managerin Catalano vor allem eins: Sich die Spielregeln der Männer zu Eigen machen, anstatt sie ändern zu wollen. "Wenn die Jungs wichtige Entscheidungen auf dem Golfplatz treffen, dann muss ich eben Golf lernen." Bevor Catalano jene Etagen erreicht hatte, in denen es aufs Golfspielen ankam, hatte sie sich ebenso akribisch Football-Kenntnisse angeeignet. "Jeden Sonntag habe ich die Sportnachrichten studiert, um montags darüber zu fachsimpeln. Natürlich war ich auch hierbei meistens besser informiert als meine männlichen Kollegen", betont Catalano. "Denn schließlich lernt man als Frau doppelt so viel - und weiß daher auch mehr."

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