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Burger schlägt Taco

Das Verhältnis zwischen der Mexikaner zu ihren Nachbarn im Norden könnte zwiespältiger kaum sein. Die Menschen in Mexiko empfinden so etwas wie Hassliebe zu den USA. Nach außen lehnen sie die Amerikanisierung ab, nach innen haben sie sich mit ihr längst eingerichtet.

Das Verhältnis zwischen der Mexikaner zu ihren Nachbarn im Norden könnte zwiespältiger kaum sein. Die Menschen in Mexiko empfinden so etwas wie Hassliebe zu den USA. Nach außen lehnen sie die Amerikanisierung ab, nach innen haben sie sich mit ihr längst eingerichtet. US-Handelsketten und Industrieunternehmen prägen das Straßenbild genauso wie die Binnenwirtschaft. Wer es sich leisten kann, imitiert zudem den "American way of Life". Das gilt inzwischen auch fürs Essen. Längst machen Fast-Food-Ketten aus dem Nachbarland der traditionellen mexikanischen Küche Konkurrenz. Der Burger schlägt langsam, aber sicher den Taco. Vor den Folgen haben jetzt die mexikanischen Gesundheitsbehörden gewarnt.

Denn mittlerweile machen die Mexikaner den Nachbarn den Rang als dickstes Volk streitig. Nach einer landesweiten Studie sind 60 Prozent der Männer und 64 Prozent der Frauen in Mexiko übergewichtig oder zu dick. In den USA sind es 50 Prozent der Männer und 63 Prozent der Frauen. Noch finsterer sieht es bei den mexikanischen Kindern aus. Vor 20 Jahren waren übergewichtige Kinder noch nahezu unbekannt. In der Hauptstadt Mexico-City gilt inzwischen allerdings jedes dritte Grundschulkind als übergewichtig oder zu dick. Bei den Jugendlichen steigt die Zahl auf 45 Prozent. Mittlerweile trinken die Mexikaner sogar mehr Coca-Cola als die US-Amerikaner; vor allem bei den 40 Millionen Armen steht die Zuckerbrause hoch im Kurs. Das ist nicht ohne Folgen geblieben. Diabetes ist inzwischen die häufigste Todesursache unter den Mexikanern. Jeder elfte Erwachsene ist zuckerkrank.

Experten machen neben der Nähe zu den USA die Effekte der Globalisierung und den in manchen Teilen der Bevölkerung gewachsenen Reichtum für die ungesunde Ernährung verantwortlich. Vor einem Vierteljahrhundert hatte Mexiko mit seinem an Gemüse reichen Gerichten noch extrem gesunde Essenstraditionen. Doch die Modernität und die Verfügbarkeit von Gerichten aus beinahe der ganzen Welt hat die Mexikaner andere Traditionen kopieren lassen. Zudem wird heute beinahe täglich das gegessen, was früher nur für besondere Anlässe und Feste vorbehalten war: Viel in Fett getränktes Schweine- und Rindfleisch, das in Tacos, in den berühmten mexikanischen Maisfladen serviert wird.

Im Gegensatz zu der Bevölkerung in den Industriestaaten ist den Mexikanern noch nicht richtig klar, wie wichtig eine gesunde Ernährung ist. Vielen ist ihre Figur egal oder sie halten es schlicht für schick oder ein Statussymbol, dick zu sein.

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