Burkhard Schwenker im Porträt
Roland Bergers unprätentiöser Erbe

Na klar. Die Frage mit den Fußstapfen hat er erwartet. Burkhard Schwenker, ab Juli Chef der Unternehmensberatung Roland Berger, zündet sich die erste Zigarette an und antwortet, wie es seine Art ist: analytisch und strukturiert. "Intern werde ich als eigenständige Persönlichkeit wahrgenommen, sonst hätten mich die Partner nicht mehrheitlich gewählt", sagt der Mann, der jünger wirkt als 45, mit ruhiger Stimme.

HAMBURG. Und nach außen? Da will und kann Schwenker nicht mit der Allgegenwart eines Roland Berger konkurrieren: Schwenker, der sich als eher zurückhaltend charakterisiert, will Deutschlands wohl bekanntestem Berater das wirtschaftspolitische Feld überlassen: "Meine Stärken sehe ich vor allem in der Weiterentwicklung von Unternehmen, auch unserer Beratung."

Allerdings klingt der gebürtige Ostwestfale selbstbewusst, wenn er davon spricht, dass Roland Berger und er in den vergangenen Jahren gut zusammengearbeitet hätten, sonst wäre die Firma heute nicht so erfolgreich: "Ich nehme für mich in Anspruch, dass Herr Berger und ich auch voneinander gelernt haben", findet Schwenker, der seit 1998 mit Berger und Karl Wilhelm Vogel zum Führungskomitee zählt.

Schwenker hat das Hamburger Büro aufgebaut. Und er hat dafür gekämpft, dass das Beratungshaus aus dem Verbund mit der Deutschen Bank herausgelöst wurde. Erst nach dem Management-Buy-out durch die Partner 1998 war die Expansion in die USA möglich, wo inzwischen knapp 100 Mitarbeiter arbeiten, 150 bis 200 sollen es werden.

"Die Expansion ins Ausland ist weiterhin ein wesentliches strategisches Ziel für uns", sagt Schwenker. Noch aber liegt Roland Berger Strategy Consultants mit 33 Büros in 23 Ländern und 540 Millionen Euro Umsatz hinter McKinsey, Boston Consulting Group, A.T. Kearney und Bain auf Platz fünf.

Von Kollegen wird er als bescheiden, unprätentiös und sehr sachlich beschrieben. Er sei immer korrekt gekleidet, wie an diesem Morgen in seinem Hamburger Büro, wo er sein dunkelblaues Jackett trotz sommerlicher Wärme während des gesamten Gesprächs anbehält. Und er gilt als Arbeitstier. Sein knapp 15 Quadratmeter großes Büro in Hamburg ist nüchtern und zweckmäßig eingerichtet. Nur ein altes Werbeplakat, das er auf einem Flohmarkt in Paris erstanden hat, setzt einen bunten Kontrapunkt.

Während Berger, so ein Partner aus der Beratung, dazu neige, Menschen schon beim ersten Treffen in Schubladen zu packen, lasse sich Schwenker viel mehr Zeit, um sich ein eigenes Bild zu machen.

Als "Gegenpol zu Berger" beschreibt ein Branchenkollege den 45-Jährigen, der ab Juli Sprecher des neuen, vierköpfigen Executive Committees von Roland Berger wird und dann die Nummer zwei in Deutschland hinter McKinsey führen wird. Während Berger als "Verkaufstalent" gilt, das die Klaviatur des beziehungsgetriebenen Geschäfts par excellence beherrscht, wird Schwenker zugetraut, die interne Transparenz herzustellen. Dass es damit nicht immer zum Besten stand, das zeigt das Begehren von Berger-Mitarbeitern im vergangenen Herbst, einen Betriebsrat zu gründen.

Schwenker findet zwar, dass die etwas bürokratischen Betriebsratsstrukturen nicht in das schnelle Beratergeschäft passen. Dennoch begrüßt er, dass aus der Diskussion mit Befürwortern und Gegnern des Betriebsrats einige Initiativen entstanden sind, um mehr Licht in die Firmenstruktur zu bringen. "Dieses Thema liegt mit sehr am Herzen", sagt Schwenker und steckt sich wieder eine Zigarette an.

Der promovierte Volkswirt und Mathematiker, der noch heute ein Faible für "intelligente Algorithmen" hat, treibt seine Mitarbeiter immer wieder an, "darüber nachzudenken, ob es bei einem Problem nicht doch noch eine bessere Lösung gibt". Er weiß, dass dies ein mühsamer Prozess sein kann, für den er nicht immer geliebt wird.

Aber diesen Anspruch hat er von Roland Berger übernommen. Seinen Förderer lobt er als Ausnahmeberater, als unglaublich kreative Persönlichkeit. Schwenker lernte Roland Berger kennen, als er noch Vorstandsassistent der damaligen Papierwerke PWA Waldhoff Aschaffenburg war. "Ich fand ihn schon bei unserer ersten Begegnung total überzeugend."

Schwenker, der privat viel liest - zurzeit parallel einen Krimi, ein Buch über Seekriegsrecht und eines über politische Fehlentscheidungen -, hält es sich offen, ob er von Hamburg nach München umziehen wird. Da müssen auch seine Frau und seine drei Kinder im Alter von 15 bis 19 Jahren zustimmen. Mit der Hansestadt verbindet ihn einiges. Der Hafen war eines seiner ersten Projekte, hier ist er Mitglied der Handelskammer und des Rotary-Clubs.

Es gibt ihn nämlich doch, den Netzwerker Schwenker, der andere für sich einnehmen kann. "Das Gespräch mit ihm ist humorvoll, anregend und zugewandt. Ich schätze seine Statements sehr", meint etwa Thomas M. Schünemann, Geschäftsführer der Hamburger Software GmbH, der mit Schwenker seit 1996 im Plenum der Handelskammer Hamburg sitzt.

Vita

1958 wird Burkhard Schwenker in Minden/Westfalen geboren. Sein Vater ist Tischler.
Ab 1982 arbeitet er nach dem Studium der Volkswirtschaftslehre und Mathematik an der Universität Bielefeld zwei Jahre lang als Assistent des Vorstandes bei der PWA Papierwerke Waldhoff Aschaffenburg.
1989 promoviert er zum Dr. rer. oec. an der Nordischen Universität.
1990 wechselt er zu Roland Berger Strategy Consultants, baut das Hamburger Büro auf und wird 1993 zum Partner berufen.
1998 wird er nach den erfolgreichen Verhandlungen mit der Deutschen Bank über das Management-Buy-out schließlich Mitglied des Executive Committee. Schwenker ist für die Bereiche Controlling, Produktentwicklung und Knowledge-Management verantwortlich.
2003 wird er ab 1. Juli Sprecher des neuen vierköpfigen Executive Committee. Roland Berger wechselt in den Aufsichtsrat.

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