Bush besorgt
FBI-Agent unter Spionageverdacht

In den USA ist ein Anti-Terrorspezialist der Bundespolizei FBI unter dem Verdacht festgenommen worden, jahrelang für den russischen Geheimdienst tätig gewesen zu sein und dabei mehrere in US-Diensten tätige Doppelagenten an Russland verraten zu haben.

Reuters WASHINGTON. Robert Philip Hanssen (56), Vater von sechs Kindern, sei am Sonntag verhaftet worden, als er versucht habe, vertrauliche Informationen in einem Toten Briefkasten in einem Park abzulegen, teilte das FBI am Montag mit.

Vor einem Bundesgericht in Virginia wurde unterdessen bereits Anklage gegen Hanssen erhoben. Präsident George W. Bush zeigte sich beunruhigt über den Fall, der von FBI-Chef Louis Freeh am Abend als "sehr gravierend" bezeichnet wurde.

Es ist der dritte Spionagefall in den USA, der das FBI unmittelbar betrifft. Der FBI-Mitarbeiter, der nach Aussage von Nachbarn mit seiner Frau und den Kindern in der Nähe von Washington nach außen hin ein ganz normales, eher unscheinbares Leben führte, steht nach Angaben des FBI zudem im Verdacht, den russischen Geheimdiensten moderne Methoden zur elektronischen Überwachung verraten zu haben. Vom Außenministerium und dem Amt für Auslands-Aufklärung in Moskau gab es zunächst keinen Kommentar zu den Vorwürfen aus Washington.

Aus reiner Geldgier gehandelt

Die Anklage, die am Dienstag vom Bundesgericht in Alexandria im US-Bundesstaat Virginia erhoben wurde, wirft dem FBI-Beamten Hanssen, der seit 27 Jahren im Dienst der Bundespolizei steht, Geheimnisverrat an den früheren russischen Geheimdienst KGB und an dessen Nachfolge-Institution SVR vor. Hannsen habe dabei aus reiner Geldgier gehandelt. Der Verrat von mindestens zwei im US-Dienst stehenden russischen Doppelagenten und andere Tätigkeiten für die Russen hätten ihm insgesamt 1,4 Mill. $ (rund drei Mill. DM) eingebracht. FBI-Chef Freeh sagte, der Verrat habe für zwei nach Russland zurückgekehrte Doppelagenten das Todesurteil bedeutet. Hanssen habe Angaben des aufgeflogenen Agenten Alrich Ames für die Russen bestätigt. Ein Anwalt Hanssens sagte, der vor Gericht erschienene Beschuldigte werde voraussichtlich auf "nicht schuldig" plädieren.

Eine interne FBI-Untersuchung hatte vor einigen Monaten eine undichte Stelle bei der Bundespolizei aufgedeckt. Die USA erhielten daraufhin auf geheimem Wege russische Dokumente, die den Verdacht dann auf Hanssen lenkten.

Bis zur Festnahme arbeitete Hanssen im FBI-Hauptquartier in Washington. Dort war er den Angaben zufolge zuletzt für die Überwachung russischer Regierungsdelegationen zuständig. Hanssen beriet zudem das US-Außenministerium in Sicherheitsfragen. Bush sei über den Verdacht gegen einen FBI-Beamten sehr beunruhigt, sagte Bushs Sprecher Ari Fleischman. Freeh sagte, die Hanssen zur Last gelegten Taten seien mit die schwersten, die in einem Rechtsstaat begangen werden könnten. Im Fall der Verurteilung droht Hanssen die Todesstrafe.

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