Bush: Einsatz von Bodentruppen steht kurz bevor
Kampfjets attackieren fast rund um die Uhr

Mit einer über Afghanistan ausgestrahlten Warnung haben sich die USA an die Bevölkerung gewandt. Die Menschen sollten die Nähe von Militäreinrichtungen, Regierungsgebäuden, Fabriken, Straßen und Brücken meiden, heißt es in der Botschaft, die das US-Flugzeug "Commando Solo" übermittelt.

ap KABUL/WASHINGTON. Ungeachtet der Forderungen von Hilfsorganisationen nach einer Angriffspause setzten die USA ihr Bombardement am Donnerstag fort.

Am zwölften Tag der Offensive wurden auch Angriffe auf Ziele im Zentrum der Hauptstadt Kabul geflogen. Vor Sonnenaufgang griffen die US-Kampfflugzeuge ein Viertel der Stadt an, in dem sich ein Panzerlager und weitere Militäreinrichtungen befanden. Nach Taliban-Angaben gingen die Bomben auch in der Nähe der verlassenen US-Botschaft nieder. In der Gegend liegen ebenfalls das Verteidigungsministerium der Miliz und eine Taliban-Garnison.

Eine Explosion schien aus dem Gebiet zu kommen, in dem sich der Präsidentenpalast befindet. Nahe dem Flughafen stiegen Flammen auf. In Kandahar wurden nach Angaben der Taliban militärische Ziele in der gesamten Stadt bombardiert. Auch aus Dschalalabad wurden neue Angriffe gemeldet.

US-Präsident George W. Bush erklärte in Kalifornien, dass die Luftangriffe "den Weg für verbündete Truppen auf dem Boden bereiten" sollten. Es war der bislang deutlichste Hinweis auf die Rolle, die die oppositionelle Nordallianz in dem Krieg spielen könnte. Die Truppen der Nordallianz stehen den Taliban-Soldaten seit Tagen im Kampf um Masar-i-Scharif gegenüber. Die Taliban räumten Geländeverluste in einigen Regionen um die Stadt ein, erklärten jedoch, die Oppositionstruppen bei einer Schlacht im Süden von Masar-i-Scharif zurückgeschlagen zu haben.

"Nicht Sie, die ehrlichen Menschen von Afghanistan, sind das Ziel", wendet sich die US-Ausstrahlung nach Angaben des Pentagons an die Afghanen, "sondern diejenigen, die Sie unterdrücken, Sie ihrem Willen gefügig und zu Sklaven machen wollen." In der Botschaft klären die USA auch über die Terroranschläge vom 11. September auf. Die Bevölkerung wird aufgerufen, die Taliban und Osama bin Laden nicht zu unterstützen. Zugleich bekräftigen die USA in der Ausstrahlung ihre Warnungen an die Taliban. Die USA haben bereits Flugblätter mit ähnlichem Inhalt abgeworfen. Ob diese die Menschen in Afghanistan erreicht haben, ist nicht bekannt.

Im benachbarten Pakistan erneuerten extremistische Gruppen ihr Versprechen einer Unterstützung des Regimes in Kabul. Zehntausende Freiwillige seien zum Kampf an der Seite der Taliban bereit, sagte Maulana Samiul Haq, der Vorsitzende des Afghanischen Verteidigungsrats, einem Taliban-freundlichen Bündnis von 35 islamistischen und militanten Gruppen.

Die Taliban gaben ein am Dienstag besetztes Warenlager des Welternährungsprogramms (WFP) wieder frei, wie die UN mitteilten. In dem Gebäude wurde vor allem Weizen zur Versorgung der hungernden Bevölkerung gelagert. Internationale Hilfsorganisationen hatten am Mittwoch in Islamabad eine Angriffspause gefordert, um die Menschen mit Nahrungsmitteln versorgen zu können. Die humanitäre Hilfe könne auch ohne Angriffspause fortgesetzt werden, erklärte die britische Entwicklungshilfeministerin Clare Short am Donnerstag der BBC. Umgekehrt sei auch bei einem Aussetzen der Angriffe die Versorgung der Menschen nicht ohne Probleme zu leisten.

Nach den Vorstellungen der US-Regierung könnte eine internationale Geberkonferenz beim Aufbau des zerstörten Afghanistans helfen. Dabei sollten die Vereinten Nationen eine führende Rolle spielen, hieß es.

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