Bush erringt ersten Wahlsieg
Al Gore und George Bush erwarten das Wählerurteil

Seit Wochen liefern sich beide Präsidentschaftskandidaten in der Wählergunst ein Kopf-an-Kopf-Rennen.

ap WASHINGTON. Nach über einjährigem Wahlkampfmarathon um die Nachfolge von US-Präsident Bill Clinton haben die Hauptkontrahenten Al Gore und George W. Bush am Dienstag ihr Schicksal in die Hände der Wähler gelegt. Das Rennen zwischen dem bisherigen Vizepräsidenten Gore von den Demokraten und dem republikanischen Gouverneur Bush aus Texas war auch am Wahltag noch völlig offen. Die beiden liegen seit Wochen in Umfragen Kopf an Kopf.

Die meisten Wahllokale in den Staaten der Ostküste öffneten um 11.00 Uhr MEZ, sie schließen ab Mitternacht MEZ. Als letzte Wahllokale werden die in Alaska schließen, und zwar um 05.00 Uhr MEZ am Mittwochmorgen.
Neben dem Präsidenten wählen die Bürger auch alle 435 Abgeordneten des Repräsentantenhauses und 34 der 100 Senatoren. In beiden Häusern des Kongresses haben derzeit die Republikaner die Mehrheit. Um einen Sitz im Senat bewirbt sich auch Clintons Frau Hillary.

Nach einer Umfrage vom Montag lag Gore zwar mit 48 % vor Bush mit 46 %, jedoch bleibt damit sein Vorsprung innerhalb der Fehlerquote der Erhebung. Im Wahlkampf konnten weder Bush noch Gore einen deutlichen Vorsprung herausarbeiten oder gar halten. Es ist das knappste Rennen um das Präsidentenamt, seit 1960 der Demokrat John F. Kennedy und der Republikaner Richard Nixon gegeneinander antraten. Damals gewann Kennedy. Für Dienstag wird mit einer Wahlbeteiligung von weniger als 50 Prozent gerechnet.

Bush konnte ersten Wahlsieg gewinnen

Bush war bereits in einer ersten kleinen Abstimmung in zwei entlegenen Orten in New Hampshire, Hart's Location und Dixville Notch, siegreich. Dort wird traditionell schon um Mitternacht (Ortszeit) gewählt. Ansonsten öffneten die ersten Wahllokale in den USA um 06.00 Uhr (12.00 Uhr MEZ). In Dixville Notch stimmten 21 Wähler für Bush und fünf für Gore. Eine Stimme ging an den Kandidaten der Grünen, den populären Verbraucheranwalt Ralph Nader. In Dixville Notch stimmten 1992 die Wähler auch mehrheitlich für Bushs gleichnamigen Vater, der als damaliger Präsident aber dann doch gegen Clinton verlor. In Hart's Location erhielt der 54-jährige Bush 17 Stimmen, 13 gingen an Gore.

Beide hatten bis zum Schluss Wahlauftritte

Die Kandidaten hatten bis zuletzt um die Gunst der Wähler gekämpft. Seit dem Wochenende absolvierten Bush und Gore beinahe rund um die Uhr Dutzende Wahlkampfauftritte vor allem in den Staaten, in denen das Rennen eng wird und denen auf Grund des Wahlsystems eine Schlüsselrolle zufällt bei der Wahl des 43. Präsidenten zufällt. Denn gewählt wurden am Dienstag eigentlich nicht die Präsidentschaftskandidaten, sondern in jedem Staat je nach dessen Bevölkerungszahl eine bestimme Anzahl von Wahlmännern. Insgesamt sind es 538 Wahlmänner. Um zum Präsidenten gewählt zu werden, sind die Stimmen von mindestens 270 Mitgliedern des Wahlkollegiums nötig. Dem Sieger in einem Staat fallen sämtliche Wahlmännerstimmen zu.

Gore als "Sachwalter der kleinen Leute",
Bush will "Ehre und Würde ins Weisse Haus bringen"

Der 52-jährige Gore präsentierte sich im Wahlkampf als der Sachwalter der kleinen Leute. Bush warf er vor, der Kandidat des Kapitals zu sein. Außerdem verwies er auf seine Erfahrung, die er in den letzten acht Jahren als Vizepräsident gesammelt habe. Der Gouverneur von Texas stellte sich den Bürgern in Anspielung auf die Affären im Weißen Haus während der Clinton-Jahre als der vertrauenswürdigere Kandidat vor. Er versprach, wieder "Ehre und Würde" in das Weiße Haus zurückzubringen. Er stellte für den Fall eines Wahlsieges auch deutliche Steuersenkungen in Aussicht.

In den Meinungsumfragen wurde der Abstand zwischen Bush, der landesweit knapp führte, und Gore zum Wahltag hin immer enger. Zum Zünglein an der Waage könnte der Grünen-Kandidat Nader werden, der nach Umfragen zwar nur bis zu 5 % Stimmen erhalten dürfte, aber dem liberalen Gore entscheidende Stimmen abnehmen könnte. Nader wies dies als Unsinn zurück und rief die Wähler auf, nur ihrem Gewissen zu folgen.

Einige Links zur amerikanischen Präsidentschaftswahl

Noch mehr Informationen, Analysen über den möglichen Wahlausgang und Gegenüberstellungen der beiden Kandidaten finden Sie unter
www.voter.com: Umfrageergebnisse und erste Hochrechnungen
www.georgebush.com: Offizielle Homepage von George Bush
www.algore.com: Offizielle Homepage von Al Gore
www.clerkweb.house.gov: Informationen über 100 Jahre Präsidentschaftswahlen in den USA
www.usinfo.state.gov: Amtliche Analysen und Berichte des amerikanischen Außenministeriums

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%