Bush fordert erneut Auslieferung bin Ladens
Am Wochenende soll es weniger Luftangriffe geben

Aus Rücksicht auf einen hohen moslemischen Feiertag wollen die USA und Großbritannien ihre Luftangriffe auf Afghanistan am Wochenende voraussichtlich erheblich reduzieren. "Wir sind uns alle der religiösen Bedeutung der nächsten Tage für die moslemische Welt bewusst", sagte der Staatssekretär im britischen Verteidigungsministerium, Lewis Moonie, am Freitag. Nach seinen Angaben gelten die Beschränkungen jedoch nicht für den Fastenmonat Ramadan. Laut Moonie wurde bislang noch keine Entscheidung über einen Einsatz von Bodentruppen in Afghanistan getroffen. Jedoch spiele der in den nächsten Wochen zu erwartende Wintereinbruch bei der weiteren Planung eine "entscheidende Rolle".

ap/afp KABUL/WASHINGTON/LONDON. Die USA haben ihren Luftangriffe auf Afghanistan am sechsten Tagen offenbar weiter ausgeweitet. Dabei wurden auch Dörfer im Grenzgebiet zu Pakistan bombardiert. Ein Taliban-Funktionär berichtete, bei einem Angriff auf das ostafghanische Dorf Karam seien bereits am Mittwoch 200 Einwohner ums Leben gekommen.

US-Präsident George W. Bush zog einen Monat nach den Anschlägen von New York und Washington eine positive Zwischenbilanz im Kampf gegen den Terrorismus; das FBI warnte eindringlich vor neuen Anschlägen.

Kampfflugzeuge bombardierten am Freitag Dörfer im Süden Afghanistans. Die Explosionen waren so stark, dass die Druckwellen noch im pakistanischen Grenzort Chaman zu spüren waren. Dort eingetroffene Flüchtlinge berichteten, dass die Dörfer Kalamtar und Rabat angegriffen worden seien. In Rabat gibt es einen kleineren Flugplatz.

Bushs Ansprache und Antworten auf Journalistenfragen im Wortlaut

Nach Luftangriffen auf das Dorf Karam im Norden der Stadt Dschalalabad sagte der stellvertretende Gouverneur der Provinz Nangarhar, Sadra Asam: "Wir graben immer noch Leichen aus den Trümmern." An den Bergungsarbeiten beteiligten sich auch Bewohner von Nachbardörfern, sagte der Taliban-Funktionär. In Karam gibt es wie in vielen abgelegenen Ortschaften Afghanistans weder ein Krankenhaus noch einen Notdienst. Die Informationen des stellvertretenden Gouverneurs konnten von unabhängigen Beobachtern nicht überprüft werden. Karam liegt etwa 125 Kilometer östlich von Kabul in einer Region, in der die Organisation des islamischen Extremisten Osama bin Laden, El Kaida, Ausbildungslager unterhalten soll.

Kabul unter Dauerbeschuss

Die afghanische Hauptstadt Kabul wurde unterdessen unter Dauerbeschuss genommen. Nach den ersten Angriffen bei Tageslicht am Donnerstag gab es am Freitagmorgen zwei neue Angriffswellen, die sich auf Ziele im Norden und Osten Kabuls konzentrierten. In schneller Folge warfen die Kampfjets am Freitag zunächst drei Bomben ab, 20 Minuten später folgten zwei weitere Einschläge. Die Erde bebte, Fenster gingen zu Bruch, ein Feuerball erleuchtete den Nachthimmel über Kabul. Auch Kandahar lag unter schwerem Beschuss. Dort wurde unter anderem ein Munitionsdepot getroffen. Alle militärischen Operationen verliefen nach Plan, sagte Bush am Donnerstagabend im Weißen Haus. US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld räumte aber ein, dass die Luftabwehr der Taliban-Miliz noch nicht vollständig ausgeschaltet wurde.

Bush sagte, es könnten ein bis zwei Jahre vergehen, ehe Osama bin Laden gefasst und sein Terrornetzwerk El Kaida zerschlagen seien. Den Taliban bot Bush eine "zweite Chance", falls sie sich doch noch für die Auslieferung Bin Ladens entscheiden würden. Der Präsident bekräftigte, dass sich der Kampf gegen alle Staaten richte, die Terroristen Zuflucht gewährten. In diesem Zusammenhang nannte Bush auch Irak, dessen Staatschef Saddam Hussein er als "bösen Menschen" bezeichnete.

Omar: Mein Tod beendet den Krieg gegen Amerika nicht

Taliban-Führer Mullah Mohammed Omar erklärte in einem Interview, dass selbst sein Tod den Krieg gegen Amerika nicht beenden werde. Die afghanischen Stämme seien bereit, an der Seite der Taliban zu kämpfen, sagte Omar dem saudiarabischen Magazin "El Madschalla". Dieses zitiert ihn auch mit den Worten: "Diejenigen, die uns jetzt angreifen, sollten wissen, dass die kämpferische Natur der Afghanen und die Geographie Afghanistans unser Land zu einem Friedhof für die Eindringlinge machen."

In einer eindringlichen Warnung wies die amerikanische Bundespolizei FBI auf die Gefahr von weiteren Terroranschlägen in den kommenden Tagen hin. Es gebe Hinweise auf geplante Anschläge in den USA oder auf US-Einrichtungen im Ausland. Die Sicherheitsbehörden wurden zu höchster Alarmbereitschaft aufgefordert. Aus Geheimdienstkreisen verlautete, es gebe Drohungen gegen diplomatische US-Einrichtungen im Ausland sowie Hinweise auf geplante Anschläge mit Autobomben in den USA. In diesem Zusammenhang untersuchen die Behörden den Diebstahl von 315 Kilogramm Sprengstoff aus einem Lager in der Nähe von Houston. Bei neuen Demonstranten in Pakistan kam es am Freitag zu schweren Ausschreitungen. In Karachi bewarfen mehrere hundert Menschen Polizisten mit Steinen und setzten das Restaurant einer amerikanischen Schnellimbisskette in Brand.

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