Bush gibt Zurückhaltung auf
Drei Verletzte bei Explosion in Ramallah

Bei einer Explosion im Hauptquartier einer Eliteeinheit der palästinensischen Polizei sind am Donnerstag drei Passanten verletzt worden. Die Ursache der Detonation in einem Gebäude der "Force 17" im Zentrum von Ramallah im Westjordanland blieb zunächst unklar.

Reuters RAMALLAH. Die Palästinenser sprachen von einem möglichen Raketenangriffs Israel, was dessen Armee zurückwies. Die Polizeieinheit war zuletzt wiederholt Ziel israelischer Angriffe. Palästinenser griffen unterdessen vom Gaza-Streifen aus mit Werfergranaten ein Ziel im israelischen Kernland an, wobei nach israelischen Angaben niemand verletzt wurde. US-Präsident George W. Bush forderte Israels Ministerpräsidenten Ariel Scharon zur Zurückhaltung im Konflikt mit den Palästinensern auf.

Ein Sanitäter sagte Reuters, drei Passanten seien durch umherfliegende Dachziegel des zweistöckigen Gebäudes verletzt worden. Aus palästinensischen Sicherheitskreisen verlautete, die Explosion sei möglicherweise durch eine von einem Hubschrauber abgefeuerte Rakete oder eine Boden-Boden-Rakete ausgelöst worden. Der palästinensische Geheimdienstchef im Westjordanland, Taufik Tiraui, sagte, hinter ähnlichen Explosionen stecke gewöhnlich Israel. Das Militär hatte zuletzt wegen palästinensischen Beschusses jüdischer Siedlungen Vergeltungsschläge vor allem auf Ziele im Gaza-Streifen verübt.

Zu der Explosion in Ramallah sagte ein Armeesprecher, Berichte, dass jemand einen Hubschrauber gesehen habe, seien Unsinn. Man wisse lediglich von einer Art von Detonation in Ramallah, das von den Palästinensern verwaltetes Gebiet sei. Ramallah liegt etwa zehn Kilometer nördlich von Jerusalem und ist Sitz des Parlamentes der autonomen Palästinenser-Gebiete. Die "Force 17", die nach israelischen Angaben auch die Leibwache von Palästinenser-Präsident Jassir Arafat stellt, war zuletzt wiederholt Ziel israelischer Angriffe. Israel verdächtigt die Einheit, treibende Kraft des Palästinenser- Aufstandes zu sein.

Im Westjordanland und bei Jerusalem war es vor dem Angriff auf das Polizeigebäude in Ramallah zu Feuergefechten zwischen Palästinensern und der israelischen Armee gekommen. Nach Angaben der Hamas wurde eines ihrer Mitglieder durch eine israelische Panzergranate verletzt. Palästinenser griffen am Abend vom Gaza-Streifen aus mit Werfergranaten das Gebiet um die israelische Farm Nir Os an. Augenzeugen berichteten, wenig später hätten israelische Hubschrauber den Gaza-Streifen überflogen. Seit Beginn der Unruhen im Westjordanland und im Gaza-Streifen Ende September sind mindestens 465 Menschen getötet worden; die Mehrzahl der Opfer waren Palästinenser.

Bush und Scharon hatten in der Nacht zum Donnerstag eine Viertelstunde miteinander telefoniert, kurz nachdem Palästinenser wieder Granaten auf jüdische Siedlungen abgefeuert hatten. Sie seien sich einig gewesen, dass nur durch Zurückhaltung eine Eskalation vermieden werden könne, teilte das Präsidialamt in Washington mit. Bush habe zugesagt, alles zu unternehmen, um die Palästinenser zur Einstellung aller Gewaltakte zu bewegen, teilte Scharons Büro mit. Der Einmarsch israelischer Truppen in Palästinenser-Gebiete war international und von US-Außenminister Colin Powell als exzessiv und unverhältnismäßig kritisiert worden.

Bush rief Assad zur Zurückhaltung auf

Die EU hat derweil nach Angaben aus Brüsseler Kreisen Modelle für mögliche Sanktionen gegen Israel ausgearbeitet. Weiter hieß es, die Sanktionsmodelle könnten nur nach einem einstimmigen Beschluss der 15 EU-Außenminister in Kraft gesetzt werden, deren nächstes Treffen für den 5. und 6. Mai anberaumt ist. Die Europäische Union (EU) hatte einen israelischen Angriff auf eine syrische Militäreinrichtung im Libanon bereits am Mittwoch als unangemessen und die israelischen Einmärsche in die palästinensischen Autonomiegebiete als illegal kritisiert. Aus Brüssel verlautete, die schärfste Maßnahme sei eine Aussetzung des Partnerschafts- und Assoziationsabkommens der EU mit Israel. Dieses Abkommen sieht einen freien Warenaustausch vor.

Bush rief den syrischen Präsidenten Baschar el Assad in einem Telefonat zur Zurückhaltung auf. Beide Politiker seien sich einig gewesen, dass sich alle Konfliktparteien um ein Ende der Gewalt bemühen müssten, sagte Bushs Sprecher Ari Fleischer. Bei dem israelischen Luftangriff auf die syrischen Stellungen im Südlibanon waren am Montag drei syrische Soldaten getötet worden. Assads informierte einem Sprecher zufolge Bush darüber, dass sich Syrien das Recht auf Vergeltungsschläge vorbehalte.

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