Bush hat 75 Milliarden Dollar beantragt: Experten: Kriegskosten belasten Weltwirtschaft nicht

Bush hat 75 Milliarden Dollar beantragt
Experten: Kriegskosten belasten Weltwirtschaft nicht

Die von US-Präsident George W. Bush beantragten rund 75 Milliarden Dollar für die Kosten des Irak-Krieges sollten nach Einschätzung deutscher Wirtschaftsexperten die Weltwirtschaft kurzfristig zwar kaum beeinträchtigen, beinhalteten aber längerfristige Gefahren.

Reuters BERLIN. "Derzeit belastet das mit Sicherheit nicht die Weltkonjunktur", sagte der Konjunkturexperte Klaus Jürgen Gern vom Institut für Weltwirtschaft (IfW) in Kiel am Dienstag der Nachrichtenagentur Reuters. Auf Sicht aber könnte eine solche Kreditaufnahme, die das ohnehin schon für 2003 eingeplante Rekord-US-Staatsdefizit von 300 Mrd. Dollar noch steigert, einen weltwirtschaftlichen Aufschwung nach dem Krieg schon dämpfen. Friedrich Heinemann vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) ist noch etwas zuversichtlicher. "Das US-Staatsdefizit ist in seiner Höhe nicht groß genug, um die Weltkonjunktur erheblich zu beeinträchtigen", sagte er Reuters. Dagegen befürchtet Tilmann Brück vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) auf mittlere Sicht gravierende Schäden für die weltwirtschaftlichen Wachstumsaussichten.

Bush hatte am Montag beim US-Kongress 75 Mrd. Dollar zur Finanzierung des Irak-Krieges beantragt. Diese Mittel sollen die Kosten für eine sechsmonatige Militäraktion abdecken. Experten sind sich aber einig, dass die indirekten Kosten für den Wiederaufbau des Iraks nach einem Krieg, für humanitäre Hilfen und für die Stationierung von Friedenstruppen nach Kriegsende ein Mehrfaches der direkten Kriegskosten ausmachen könnten. Sie könnten gar die Billionen-Dollar-Grenze übersteigen.

"Bush hat großzügig kalkuliert"

Der IfW-Experte Gern spricht von einer eher großzügigen Kalkulation der Kriegskosten durch Bush. "Wir haben in unserer Prognose unterstellt, das letztendlich 85 Milliarden Dollar an Kosten entstehen in diesem Jahr", sagte er. Die von Bush unterstellte Kriegsdauer von sechs Monaten jedoch entspreche in der Sicht der Finanzmärkte keinem kurzen Krieg mehr, sondern einem längeren, was für die Märkte enttäuschend wäre.

Kurzfristig dürfte die Finanzierung der direkten Kosten des Krieges nach Gerns Worten einen Aufschwung der Weltwirtschaft nicht gefährden und die Zinsen nicht stärker steigen lassen. "Wir haben eine Lage, in der die Kapitalnachfrage konjunkturbedingt und wegen der Unsicherheiten des Krieges ohnehin relativ gering ist", argumentierte er. Angesichts der schwachen privaten Kreditnachfrage verdränge die erhöhte US-Schuldenaufnahme daher auch keine private Kreditnachfrage. Anders sehe es aus, wenn die Weltwirtschaft nach Kriegsende anspringe und private Investoren verstärkt Kapital brauchten. "Dann ist es schon so, dass ein Aufschwung behindert werden könnte über Zinsanstiege", formulierte Gern.

Der ZEW-Experte Heinemann bewertet den durch die US-Kriegskosten bedingten Finanzierungsbedarf als undramatisch für das US-Staatsdefizit. "Wenn das US-Staatsdefizit von gut 300 auf rund 400 Milliarden Dollar steigt, ist das ein Anstieg der Defizitquote von drei auf vier Prozent", sagte er Reuters. Das würde die Weltwirtschaft letztlich nicht in erheblichem Maße beeinträchtigen, auch wenn es auf mittlere Sicht die US-Zinsen etwas steigen lassen könnte. "Wenn man fragt, was kann die Konjunktur 2003 noch retten, würde ich sagen: es ist noch Hoffnung für das zweite Halbjahr, wenn die Sache (der Krieg) nach sechs Wochen oder als absolute Schmerzgrenze nach zwei Monaten überstanden ist." Wenn der Krieg aber länger dauere, sei in diesem Jahr "konjunkturell nichts mehr retten". Dann werde die Weltkonjunktur in diesem Jahr nicht mehr anspringen.

DIW sieht große Risiken

US-Kriegsfinanzierung verbunden mit dem ohnehin für 2003 geplanten Rekordefizit im US-Haushalt. Zudem komme, nicht nur auf die USA, die Finanzierung des Wiederaufbau und der Friedenssicherung im Irak nach Kriegsende hinzu. Daher dürfte die Finanzierung des US-Haushaltsdefizits, erhöht um die Kriegskosten, des Irak-Wiederaufbaus und die damit verbundenen Unsicherheiten ganz eindeutig auf die Weltwirtschaft durchschlagen.

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