Bush in Israel
„307 Millionen Amerikaner stehen hinter Ihnen“

Reisen nach Israel sind für US-Präsident George W. Bush wie eine nicht enden wollende Wonne. Gegenseitiges Schulterklopfen, Treueschwüre und Tränen der Rührung, wenn Bush Amerika den ältesten und besten Freund Israels nennt oder die Allianz gegen Terror oder Tyrannei beschwört. Die Verbundenheit geht soweit, dass Bush sogar die Vereinten Nationen rügt.

JERUSALEM. Sieben Millionen Israelis wissen 307 Millionen US-Amerikaner hinter sich: "Israel ist unser engster Alliierter, unser bester Freund. Wenn es mit Terror und dem Bösen konfrontiert ist, ist es nicht allein", bekennt US-Präsident George W. Bush aus Anlass des 60. Geburtstages des Staates Israel vor dem dortigen Parlament, der Knesset - und erntet wiederholt tosenden Applaus und schließlich Ovationen. Symbolisch sei nicht nur der Zeitpunkt des Besuchs, freut sich ein israelischer Diplomat: "Bush vermittelt uns ein Gefühl der Sicherheit." Ein schönes Geburtstagsgeschenk.

Die Verbundenheit geht soweit, dass Bush sogar die Vereinten Nationen rügt - wegen ihrer häufigen Kritik daran, dass Israel im Umgang mit den Palästinensern Menschenrechte verletze. Allein - wer wollte sich durch solche Misstöne die Feierlaune verderben lassen. Der hohe Besuch aus den fernen Vereinigten Staaten sicher nicht. Besser ist es, gemeinsame Feinde zu identifizieren. Teheran, bekräftigt Bush vor der Knesset, dürfe auf keinen Fall in den Besitz der Nuklearwaffe kommen - das wäre ein Verrat an künftigen Generationen. Amerika wolle wie Israel die Ayatollahs davon abhalten, in den Besitz der Atombombe zu kommen.

Auch Premier Ehud Olmert hatte am Vortag nicht mit salbungsvollen Worten gespart und Bush gar zu Tränen gerührt, weil er ihn als "wahren Freund" lobte. Doch die feierliche Atmosphäre während des Bush-Besuchs war am Mittwochabend jäh unterbrochen worden, als eine Rakete in einem Einkaufszentrum von Aschkelon einschlug. Zum Zeitpunkt des Angriffs besprach Bush mit Olmert die jüngste Entwicklung im Libanon und den zunehmenden Einfluss Teherans in der Region. Gaza trat da fast in den Hintergrund. Doch mit der Rakete wurden die regionalen Prioritäten zumindest kurzfristig verschoben und zurechtgerückt. Denn mit dem Beschuss brachte sich die in Gaza regierende radikal-islamische Hamas in Erinnerung und demonstrierte so, dass mit ihr zu rechnen sei.

Im Weltbild von Bush hat die Hamas freilich auch ohne Terrorangriff ihren fixen "Schandplatz". Er rechnet sie der Achse des Bösen zu, zusammen mit Iran, Syrien und El Kaida. Diese Einordnung hat Konsequenzen: Aus der Sicht Washingtons habe Israel gegenüber der Hamas freie Hand, schätzt ein israelischer Diplomat.

Da die Amtszeit von Bush in wenigen Monaten zu Ende geht, macht man sich in Jerusalem aber keine Illusionen über die praktische Bedeutung des Besuchs. Viel sei nicht mehr von ihm zu erwarten, auch in Sachen Iran nicht. Doch Bush genießt in Jerusalem hohes Ansehen, weil er in den vergangenen acht Jahren den Israelis freie Hand gelassen hat. Nie hat er Druck auf Israel ausgeübt, politische Konzessionen gegenüber den Palästinensern zu machen, auf militärische Aktionen zu verzichten oder sie zumindest einzuschränken. Erreicht hat er jedoch wenig. Der Friedensprozess ist im Sand verlaufen und nur noch eine Worthülse. Ende 2007 hat Bush ein letztes Mal versucht, die israelisch-palästinensischen Verhandlungen in Gang zu setzen. "Aber es war zu spät und zu wenig", heißt es.

Zwei Spitzen-Beamte, die sich unter Clinton um Fortschritte im Friedensprozess bemüht hatten, warfen Bush vor, die Annapolis-Konferenz schlecht vorbereitet zu haben. Auch hätten keine klaren Zielvorgaben bestanden. Der ehemalige US-Botschafter in Tel Aviv, Daniel Kurtzer, forderte eine Debatte über die politische Zukunft Jerusalems. Solange darüber keine Klarheit bestehe, seien Fortschritte im Friedensprozess nicht zu erwarten.

Trotzdem gab sich Olmert in seiner Knesset-Rede so, als sei alles auf bestem Weg. Er sei sicher, dass die Knesset die Zwei-Staaten-Lösung annehmen werde. Olmert sagte aber nicht, wann er den Vorschlag dem Parlament unterbreiten werde oder wie die Zwei-Staaten-Lösung konkret aussehen werde. Zudem wunderten sich viele Beobachter auch, woher Olmert die Gewissheit habe, dass er die gegen ihn laufenden polizeilichen Untersuchungen politisch überleben werde.

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