Bush könnte nach seiner Wiederwahl moderater werden – doch dafür spricht bis jetzt wenig
Der Präsident darf sich frei fühlen

Es dauerte nur Stunden, da war aus dem bissigen Wahlkämpfer Bush ein Mann des Ausgleichs geworden. "Ich brauche die breite Unterstützung der Amerikaner", sagte US-Präsident George W. Bush in seiner Siegesrede. Das klang versöhnlich, angesichts einer Nation, die tief gespalten ist. Viele enttäuschte Demokraten, aber auch moderate Republikaner hoffen nun, Bush könnte in seiner zweiten Amtszeit zu einem gemäßigteren Kurs finden.

HB DÜSSELDORF. Doch bis jetzt deutet nur wenig darauf hin. Gary Schmitt, ein konservativer Republikaner und Vertrauter Bushs, sagte: "Er hat im vergangenen Jahr klar gemacht, dass er die grundsätzliche Linie seiner Politik nicht ändern wird." Auch Vizepräsident Dick Cheney erteilte Hoffnungen auf einen Kurswechsel gestern eine Absage. Er sagte, Bush habe ein klares Mandat der Bevölkerung erhalten. Damit spielte er auf die Tatsache an, dass Bush im Gegensatz zur Wahl 2000 erstmals auch eine klare Mehrheit der Wähler hinter sich bringen konnte.

Der klare Ausgang der Wahl dürfte Bush in seinem harten Kurs bestätigt haben. Schon befürchten auch Verbündete wie der britische Premier Tony Blair, nach dem Irak könne in den nächsten Jahren ein Angriff auf den Iran bevorstehen. "Eine Geste der Versöhnung mit der Weltorganisation war einfach nicht auszumachen", sagte ein europäischer Uno-Diplomat gestern. Zur Nagelprobe dürfte tatsächlich der Iran werden. Die Internationale Atom-Energiebehörde wird vermutlich demnächst erklären, dass es keine Beweise für ein Atomwaffenprogramm gibt, dass es aber auch nicht völlig ausgeschlossen werden kann.

Allerdings hat die amerikanische Geschichte gezeigt, dass sich die meisten Präsidenten in ihrer zweiten Amtszeit um einen ehrenvollen Platz in der Geschichte bemühen. Das beste Beispiel gab Ronald Reagan ab, der sich vom Hardliner zum geachteten Staatsmann wandelte. Der Vorteil Bushs: Weil er nicht ein weiteres Mal antreten darf und eine starke Mehrheit im Kongress hinter sich hat, kann er sich in seiner Politik frei fühlen - in die eine oder in die andere Richtung.

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