Bush kündigt Steuersenkungen an
Greenspan liefert Signale für eine weitere Zinssenkung in den USA

Fed-Chef Alan Greenspan beurteilt die US-Wirtschaft noch skeptischer als bisher. Seine Rede und schlechte Wachstumsdaten nähren die Hoffnungen auf weitere Zinssenkungen.

zz/hus WASHINGTON. Die Wirtschaft der USA hat nach Ansicht von US-Notenbankchef Alan Greenspan ihre Talsohle noch nicht erreicht. Zwar seien die langfristigen Aussichten weiterhin ermutigend, doch kurzfristig überwögen die Risiken. Der Fed-Chef beurteilte die derzeitige Wirtschaftslage der USA in einer Anhörung vor dem Finanzausschuss des Repräsentantenhauses noch etwas skeptischer als bei seinen Hearings im Senat von Ende Januar und Mitte Februar. Die Abschwächung beruht nach seiner Analyse auf den scharfen Produktionseinschränkungen, mit denen die Unternehmen auf die verschlechterten Absatzchancen reagieren wollten.

Wie das US-Handelsministerium mitteilte, wuchs die US-Wirtschaft im vierten Quartal 2000 schwächer als bisher vermutet. Das Ministerium korrigierte seine Wachstumsschätzung, die vor vier Wochen bei 1,4 % gelegen hatte, auf 1,1 % herunter. Das ist die geringste Zunahme des Wachstums der USA seit 1995 und stellt eine Halbierung des Wachstums gegenüber dem dritten Quartal 2000 dar. Im Vierteljahr zuvor hatte das Wachstum 5,6% betragen.

Greenspan sagte, trotz der Zinssenkungen um einen Prozentpunkt im Januar bestehe die Gefahr, dass sich das Wachstum noch weiter abschwäche. "Die Wirtschaft schöpft ihr Potenzial zurzeit nicht aus, obwohl wir schon im Januar Maßnahmen ergriffen haben", erklärte er. Noch sei es zu früh, um vorherzusagen, ob die anhaltende Schwäche am Aktienmarkt eine Rezession in den USA verursachen könne.

Die Wall Street gab nach

Die Darlegungen des Fed-Chefs werden in den USA als Signal interpretiert, dass die Notenbank bereit ist, die Konjunktur mit weiteren Zinssenkungen zu stützen. Allerdings ist der Zeitpunkt dafür noch offen. Die Aktienkurse an der Wall Street gaben deshalb erneut nach.

US-Ökonomen erwarten generell weitere kräftige Zinsschritte in den nächsten Wochen, sind sich aber uneins, wie wirkungsvoll sie sein werden. Chefvolkswirt Stephen Slifer von der Investmentbank Lehman Brothers hält die neuesten Konjunkturdaten für so alarmierend, dass er einen Zinsschritt noch in dieser Woche für möglich hält. Allein schon die Tatsache, dass Greenspan seine Rede vor dem Kongress noch einmal geändert habe, beweise den Ernst der Lage. "So eine Veränderung der Ansprache innerhalb von nur zwei Wochen hat es bisher noch nie gegeben", sagte Slifer.

Bush kündigte Steuersenkungen an

Chefvolkswirt Paul Kasriel von der Northern Trust Bank in Chicago warnt dagegen vor neuen Inflationsgefahren, falls die Notenbank die Geldpolitik zu rasch lockern sollte. Zur Ankurbelung der lahmenden US-Konjunktur kündigte US-Präsident George W. Bush in seiner ersten Haushaltsrede vor dem Kongress an, die Steuern in den nächsten zehn Jahren um 1,6 Billionen Dollar zu reduzieren, die staatliche Sozialversicherung zu stärken, die Ausbildungschancen der Jugend zu verbessern, die militärische Macht der USA zu reformieren und weitere Staatsschulden zurückzuzahlen. Bushs Steuerpläne stoßen aber in großen Teilen des Kongresses auf Kritik.

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