Bush rechnet mit Hilfe der Nordallianz
US-Rundfunkaufruf an Taliban-Kämpfer: "Gebt auf!"

Präsident George W. Bush setzt im Krieg gegen den Terrorismus direkt auf die mit den Taliban verfeindete Nordallianz. In den USA wurde unterdessen am Donnerstag der sechste Fall einer Milzbrandinfektion bestätigt.

dpa WASHINGTON/ ISLAMABAD/ BERLIN. ie von US-Flugzeugen über Afghanistan ausgestrahlten Sendungen richten sich direkt an Taliban-Kämpfer. "Wenn Du Dich entschließt, Dich zu ergeben, gehe mit erhobenen Armen auf die US-Truppen zu. Trage die Waffe auf dem Rücken mit dem Gewehrlauf nach unten. Nimm die Munition raus und wirf sie weg. Dies ist Deine einzige Chance zu überleben", heißt es in einem Beitrag nach Angaben des Pentagon. Auf die Frage, ob US-Streitkräfte dort sind, um Überläufer in Empfang zu nehmen, antwortete Verteidigungsminister Donald Rumsfeld in US- Fernsehen ausweichend. Es sei wahrscheinlicher, dass kampfmüde Taliban zur Opposition der Nördlichen Allianz überliefen. Nach unbestätigten Informationen sollen auf den US-Flugzeugträgern in Persischen Golf Spezialtruppen mit Hubschraubern einsatzbereit sein.

Die USA setzten ihre massiven Luftangriffe auf Ziele der radikal- islamischen Taliban-Miliz unvermindert fort. Getroffen wurden Ziele in Kabul und Kandahar. Nach Angaben der Taliban kamen dabei allein am Donnerstag 60 Zivilisten um. Damit sei die Zahl der getöteten Zivilisten seit Beginn der Angriffe am 7. Oktober auf 460 gestiegen, berichtete die private afghanische Nachrichtenagentur AIP.

In New York wurden unterdessen vier Gefolgsleute des Terroristenführers Osama bin Laden wegen ihrer Beteiligung an den Bombenanschlägen auf die US-Botschaften in Kenia und Tansania zu lebenslanger Haft verurteilt.

US-Präsident Bush sagte am auf dem Luftwaffenstützpunkt Travis in Kalifornien: "Wir bereiten den Weg für befreundete Truppen am Boden, das Netz langsam, aber sicher enger zu ziehen, und sie (die Terroristen) zur Rechenschaft zu ziehen." Beamte des Weißen Hauses erläuterten, dass sich der Präsident auf Anti- Taliban-Streitkräfte in Afghanistan bezog.

Unterdessen wurden in den USA zwei weitere Anthrax-Infektionen nachgewiesen. Hautanthrax wurde bei einem Postangestellten aus Trenton in New Jersey festgestellt. Vor dort waren mindestens zwei der Briefe mit Anthrax-Sporen abgeschickt worden, die in New York und Washington auftauchten. Auch eine Mitarbeiterin des Senders CBS infizierte sich mit Hautanthrax. Weiter sind ein Baby und eine Mitarbeiterin von NBC in New York und ein Mitarbeiter der Poststelle eines Verlagshauses in Florida infiziert. Ein Mann ist bislang an Lungenmilzbrand gestorben. Bei mehr als 30 Kongress-Angestellten wurden Milzbrandsporen festgestellt, sie waren aber bis Donnerstag nicht infiziert. Das Abgeordnetenhaus blieb am Donnerstag zum ersten Mal in der amerikanischen Geschichte geschlossen.

Nach jüngsten Expertenerkenntnissen handelt es sich in allen Fällen um dieselbe Sporenart, die in der Natur vorkommt und nicht biotechnisch verändert wurde, berichteten Medien. Die US-Regierung setzte eine Belohung von bis zu einer Million Dollar für Hinweise aus, die zur Ergreifung der Absender von Anthrax-Briefen führen.

Vier Gefolgsleute des Terroristenführers Osama bin Laden wurden in New York wegen ihrer Beteiligung an den Bombenanschlägen auf die US- Botschaften in Kenia und Tansania zu lebenslanger Haft verurteilt. Sie sollen zudem Wiedergutmachung in Millionenhöhe für die Hinterbliebenen ihrer Opfer zahlen, wie der zuständige Richter anordnete. Die Urteilsverkündung war von massiven Sicherheitsvorkehrungen begleitet. Die vier Araber waren im Mai wegen ihrer Beteiligung an den Anschlägen schuldig gesprochen worden.

Die Bundesregierung ließ offen, welche Bundeswehreinheiten sie den USA zur Verfügung stellen könnte. Die USA hätten über eine "generelle Anfrage" hinaus noch keine konkreten Wünsche geäußert, sagte ein Regierungssprecher. Bundeskanzler Gerhard Schröder habe den USA jedoch "grundsätzlich" Truppen und Gerät gegen biologische und chemische Angriffe angeboten. Berichte, die USA hätten bereits Spürpanzer vom Typ "Fuchs" zum Entdecken atomarer, biologischer und chemischer Kampfstoffe sowie die Elite-Truppe Kommando Spezialkräfte (KSK) angefordert, wurden nicht bestätigt.

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