Bush-Rede beeindruckt kaum
US-Börsen weiten Verluste aus

Sorgen um die Gewinnperspektiven und die Bilanzpraktiken von US-Unternehmen haben die Stimmung der Anleger an der Wall Street am Dienstag getrübt und die Kurse deutlich ins Minus gedrückt. Belastet hätten vor allem die Chipwerte, die in Reaktion auf Studien mehrerer Investmentbanken nachgaben. Die Rede von US-Präsident George W. Bush zu den Bilanzskandalen der vergangenen Monate habe die Börsianer nicht beruhigt, sagten Händler.

Reuters NEW YORK. Der Blue-Chip-Index Dow Jones ging mit einem Minus von 1,93 Prozent bei 9096,09 Punkten aus dem Markt, die US-Technologiebörse Nasdaq schloss 1,74 Prozent niedriger auf 1381,14 Zählern, während der breiter gefasste S&P-Index 2,47 Prozent auf 952,83 Zähler nachgab.

Chipwerte belasten

Chipaktien gaben deutlich nach. Die US-Investmentbank Merrill Lynch hatte ihre Bewertungen für die Aktien und die Gewinnprognosen für 13 Chipausrüster, darunter Applied Materials, gesenkt. Deutsche Bank Securities reduzierte ihrerseits die Gewinnerwartungen und Kursziele für die Aktien von acht Chipausrüstern. Die Titel von Applied Materials gaben rund 6,7 Prozent auf 17,72 Dollar nach, der Aktienkurs von KLA Tencor rutschte um rund 6,1 Prozent auf 41,85 Dollar ab.

Zusätzlich auf die Stimmung gedrückt habe die Senkung der Gewinnprognosen für den weltgrößten Chip-Hersteller Intel, sagten Börsianer. Die Analysten der US-Investmentbank Salomon Smith Barney hatten ihre Gewinnschätzungen für Intel für die Geschäftsjahre 2002 und 2003 sowie ihr Kursziel für die Aktie des Konzerns auf 27 Dollar von zuvor 45 Dollar reduziert. Intel-Aktien gaben rund 2,9 Prozent auf 17,96 Dollar nach und drückten damit die Standardwerte.

Belastet hätten außerdem Ankündigungen der beiden Softwareunternehmen Citrix und Retek, die Gewinne dürften niedriger als von Analysten erwartet ausfallen. Die Citrix-Aktie büßte rund 15,5 Prozent auf 5,00 Dollar ein. Die Retek-Aktie brach rund 63 Prozent auf 6,46 Dollar ein und war der größte prozentuale Verlierer an der Nasdaq.

Auch der Pharmasektor erlitt zum Teil deutliche Kurseinbußen. Merrill Lynch hatte die Aktien des Pharmakonzerns Wyeth auf "Neutral" von "Kaufen" zurückgestuft. Eine medizinische Studie hatte ergeben, dass Frauen, die mit dem Hormonersatz-Medikament Prempro behandelt werden, ein höheres Risiko für Brustkrebs, Schlaganfall und Herzkrankheiten haben. Wyeth-Aktien verloren rund 24,2 Prozent auf 37,30 Dollar. Die Aktien des Pharmakonzerns Johnson & Johnson gaben rund 1,8 Prozent auf 52,62 Dollar nach.

Rede des US-Präsidenten hatte wenig Einfluss

Die Rede des US-Präsidenten George W. Bush hatte Händlern zufolge wenig Einfluss auf die US-Aktienmärkte. Bush hatte darin angekündigt, die Strafen für Bilanzfälschung sollten drastisch erhöht werden. Die Höchststrafe für Manager, die bewusst Falschinformationen schriftlich weitergeben, solle auf zehn Jahre verdoppelt werden, sagte Bush, der "eine neue Ethik der unternehmerischen Verantwortung" forderte.

"Die Rede des Präsidenten war deutlich und ausgeglichen, und er hat erkannt, dass die Erosion des Vertrauens bekämpft werden muss und wir eine neue Ethik brauchen. Aber die Umsetzung vieler Dinge wird nicht so schnell gehen, wie sich viele Leute wünschen", sagte Alan Ackerman, Analyst bei Fahnestock & Co.

"Es sind immer noch die gleichen Dinge, die den Markt beeinflussen: Sorgen um die Vertrauenswürdigkeit der Unternehmen, Fragen zur Stärke der Konjunkturerholung und Sorgen um das internationale Umfeld", sagte Joe Stocke, Portfolio-Manager bei StoneRidge Investment Partners.

An der New York Stock Exchange wechselten rund 1,35 Milliarden Aktien den Besitzer. 1257 Werte legten zu, 1975 gaben nach und 170 blieben unverändert. An der Nasdaq schlossen bei Umsätzen von 1,67 Milliarden Aktien 1492 im Plus, 1993 im Minus und 250 unverändert.

An den US-Kreditmärkten stiegen die zehnjährigen Staatsanleihen um 19/32 auf 101-05/32. Sie rentierten mit 4,72 Prozent. Die 30-jährigen Bonds kletterten 31/32 auf 99-14/32 und hatten eine Rendite von 5,412 Prozent.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%