Bush-Rede vor dem Kongress
Hintergrund: Kapitol war bestens geschützt

Es war wie die Rede eines Kriegs-Präsidenten, der seine Landsleute und die ganze Welt zu den Fahnen ruft. Ernst trat George W. Bush in der Nacht zum Freitag vor den amerikanischen Kongress und sagte dem globalen Terroristen-Netzwerk einen Kampf mit allen Mitteln an. "Freiheit und Furcht" stünden sich gegenüber, sagte Bush. "Dies ist der Kampf der Welt."

dpa-afx WASHINGTON. Andere Länder hätten nur eine Wahl: "Entweder Sie sind mit uns oder mit den Terroristen". Verhandlungen mit dem Gegner werde es nicht geben. Ultimativ forderte der Präsident das Taliban-Regime in Afghanistan auf, Osama bin Laden und alle seine Helfer auszuliefern "oder ihr Schicksal zu teilen". Das waren Sätze, wie sie ähnlich auch vor dem Eintritt in den Zweiten Weltkrieg gesprochen wurden.

Und wie im Krieg waren die Vorsichtsmaßnahmen rund um den Kongress - für den unvorstellbaren Fall, dass den Führern des Landes etwas zustoßen sollte. Nach dem tragischen 11. September mit den Terroranschlägen auf das World Trade Center und das Pentagon mit fast 7 000 Opfern wusste Washington um die Gefährlichkeit des "unsichtbaren Feindes" im Schatten.

Das Kapitol war der wohl am besten geschützte Ort des Landes an diesem Abend. Nur die Nummer eins - Bush - und die Nummer drei - Dennis Hastert, der Präsident des Abgeordnetenhauses - befanden sich im Kongress. Die Nummer zwei, Vizepräsident Richard Cheney, hielt sich an einem anderen Ort auf, statt traditionsgemäß in seiner Eigenschaft als Senatspräsident auf dem Podium zu sitzen. Der republikanische Mehrheitsführer im Repräsentantenhaus, Richard Armey, blieb auf Bitten Hasterts der Sitzung ebenfalls fern.

Bush gelang diesmal mühelos, worum er bei seiner ersten Rede am 27. Februar noch erfolglos geworben hatte: Ihm schlug demonstrative Einigkeit entgegen. Bevor er überhaupt sprach, stand fest, dass die traditionelle Erwiderung der Opposition nicht stattfinden würde. Gemeinsam traten die Senatsführer Tom Daschle von den Demokraten und Trent Lott von den Republikanern vor die Kamera: "Heute Abend gibt es keine Oppositionspartei."

35 Minuten dauerte der immer wieder von tosendem Beifall unterbrochene Auftritt des Präsidenten, 14 Minuten weniger als sein Bericht zur Lage der Nation am 27. Februar. Damals gab er sich populistisch. Diesmal war er ein echter Mann des Volkes, das allen Umfragen zufolge seine Meinung teilt: "Wir sind ein Land, das die Gefahr erkannt hat und aufgerufen ist, die Freiheit zu verteidigen" - mit "allen erforderlichen Waffen".

Bush, eine Anstecknadel in Gestalt des Sternenbanners am linken Revers seines blauen Anzugs, wirkte konzentriert wie selten. Auf den Gesichtern seiner Zuhörer spiegelte sich ein Wettstreit der Gefühle, doch Entschlossenheit und Kampfgeist überwogen.

Millionen vor den Fernsehgeräten werden die stille, aber gefasste Trauer auf dem schmalen Antlitz von Lisa Beamer kaum vergessen, deren Mann Todd in einer der vier entführten Flugzeuge gegen die Terroristen kämpfte. In Pennsylvania stürzte die Maschine vor ihrem eigentlichen Ziel ab. Lisa Beamer saß auf der Ehrentribüne gemeinsam mit First Lady Laura Bush und dem New Yorker Bürgermeister Rudolph Giuliani als Repräsentantin einer Supermacht, die in ihrem Innersten getroffen wurde, doch nach den Worten des Präsidenten "ruhig und resolut" ihren Weg gehen will.

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