Bush rief Landsleute zur Geschlossenheit auf
Heftige US-Luftangriffe auf Taliban-Stellungen

Die USA haben in der Nacht zum Freitag eine der heftigsten Angriffswellen seit Beginn der Luftangriffe auf Stellungen der Taliban-Truppen geflogen. Mindestens 40 Bomben seien im Gebiet der Taliban-Stellungen an der Front zur oppositionellen Nordallianz eingeschlagen, berichteten Augenzeugen. Auch in der Hauptstadt Kabul schlugen mehrere Bomben ein.

Reuters KABUL/ATLANTA. US-Präsident George W. Bush rief seine Landsleute zur Geschlossenheit und zur Wachsamkeit gegenüber der Gefahr weiterer Anschläge auf. Er kündigte zugleich an, die Zivilverteidigung zu verstärken. US-Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice zeigte sich zuversichtlich, dass die USA den moslemischen Extremisten Osama bin Laden fassen werden.

Die Angriffe auf die Frontstellungen im Norden des Landes dauerten bis zur Morgendämmerung an. Die Region wurde am Morgen von vier heftigen Explosionen erschüttert, die noch in der mehrere Kilometer entfernt der Front liegenden Stadt Dschabal-us-Saradsch den Erdboden zum Beben brachte. Die Nordallianz berichtete von heftigen Kämpfen und Luftangriffen in der Region um die Stadt Masar-i-Scharif. Die USA hätten ihre Luftangriffe auf die Taliban-Truppen in der Region verstärkt. Die Nordallianz hatte am Donnerstag eine Offensive zur Einnahme der strategisch wichtigen Stadt angekündigt.

Auf Kabul wurden mindestens acht Bomben abgeworfen, Raketen schlugen in den Außenbezirken der Stadt ein. Auch auf andere Städte des Landes sollen Angriffe gefolgen sein. Berichte über Opfer gab es nicht. Nach Angaben der radikal-islamischen Taliban-Regierung wurden beim Einschlag einer Bombe in einem Krankenhaus in der südafghanischen Stadt Kandahar am Donnerstag 15 Menschen getötet und 25 verletzt. Bei Angriffen auf einen Pass westlich von Kabul seien mehrere Menschen während der Durchfahrt getötet worden.

Bush sagte in einer vom Fernsehen übertragenen Rede in Atlanta, wegen der anhaltenden Gefahr terroristischer Anschläge sollten die Bürger weiter Augen und Ohren offen halten. "Angesichts dieser großen Tragödie, lehnen es die Amerikaner ab, Terroristen die Macht zu verleihen", sagte Bush. Aus der tödlichen Bedrohung vom 11. September seien die USA gestärkt hervorgegangen. Der amerikanische Geist des Stolzes und des Patriotismus habe sich erneuert. "Amerika hat gelernt, dass aus dem Bösen auch das Gute wachsen kann", sagte Bush.

Der richtige Weg, zu helfen, sei das Engagement in den kommunalen Einrichtungen, sagte Bush. Zugleich mahnte er, die Wachsamkeit nach einer Serie von Milzbrand-Anschlägen dürfe nicht nachlassen. Wachsamkeit gegen potenzielle terroristische Bedrohung dürfe aber nicht mit Angst verwechselt werden. Der normale Alltag müsse weiter gehen. Dem bereits unter Amtsvorgänger Bill Clinton geschaffenen Freiwilligen-Dienst, der Corporation for National and Community Service, wüchsen in Zukunft neue Aufgaben in den Bereichen Öffentliche Sicherheit, Gesundheitsvorsorge und Katastrophenschutz zu, sagte Bush. Außerdem würden die Bundesinstitutionen und die Institutionen der Bundesstaaten aufgefordert, eine neue Zivilverteidigung aufzubauen, vergleichbar den Einrichtungen der Feuerwehr.

Sicherheitsberaterin Rice sagte in einem Interview mit BBC World, Bin Laden komme seit Beginn der Angriffe nicht mehr zur Ruhe und werde letztlich gefasst werden. Rice lehnte zugleich einen Stopp der Angriffe während des Mitte des Monats beginnenden Fastenmonats Ramadan erneut ab, wie ihn etwa der pakistanische Präsident Pervez Musharraf gefordert hatte. Die USA hätten keine Wahl und müssten gegen El Kaida vorgehen und sicherstellen, dass die Taliban deren Mitgliedern keine Unterschlupf mehr gewähren könnten. Es dürfe keine Pause geben, in der weitere Anschläge gegen die USA vorbereitet werden könnten, fügte Rice hinzu.

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