Bush: Taliban geraten ins Wanken
Nordallianz kündigt Offensive auf Masar-i-Scharif an

Nach wochenlangen US- Luftangriffen auf Truppen der Taliban-Regierung in Afghanistan hat die Opposition den Beginn einer Großoffensive auf die Stadt Masar-i-Scharif angekündigt. "Wir werden mit einem Zangenangriff vom Südosten und Südwesten beginnen", sagte ein Sprecher der Nordallianz.

Reuters RABAT. Augenzeugen berichteten, die Taliban entsendeten hunderte Kämpfer zur Front im Norden des Landes, wo die USA ihre Angriffe fortsetzten. Bei den Angriffen wurden nach Angaben einer militanten pakistanischen Gruppe, die auf Seiten der Taliban kämpft, 85 ihrer Kämpfer getötet. Nach Ansicht des pakistanischen Präsidenten Pervez Musharraf müssen die Angriffe mit Rücksicht auf die Zivilbevölkerung so schnell wie möglich aufhören.

Der Sprecher der Nordallianz, Aschraf Nadeem, sagte, die Truppen stünden etwa acht Kilometer vor dem Flughafen von Masar-i-Scharif im Südosten und etwa 50 Kilometer vor der Stadt im Südwesten. Von beiden Seiten solle am Nachmittag (Ortszeit) vorgerückt werden. Dabei sollten Panzer und Artillerie eingesetzt werden. Die Entscheidung sei nach einem Treffen mit dem usbekischen Feldkommandeur Abdul Raschid Dostum sowie weiteren Befehlshabern der Opposition getroffen worden. Nadeem war später nicht zu einer Stellungnahme zu erreichen. Nordallianz-Kommandeur Ustad Attah sprach von Fortschritten südlich von Masar-i-Scharif. Bald sei ein Vormarsch in die Stadt möglich, da die Taliban immer schwächer würden.

Die Nordallianz hatte in den vergangenen Wochen mehrfach angekündigt, in Kürze auf die Stadt vorzurücken. Die Einnahme von Masar-i-Scharif wäre von strategischer Bedeutung, da von dort eine entscheidende Versorgungslinie zur Hauptstadt Kabul verläuft und in der Nähe ein wichtiger Flughafen liegt. Die Stadt wird seit 1998 von Truppen der radikal-islamischen Taliban-Regierung gehalten. Trotz der Unterstützung durch die Luftangriffe der USA auf Stellungen der Taliban waren der Allianz keine größeren Geländegewinne gelungen.

Der Chef der Nordallianz, der 1996 von der Macht vertriebene afghanische Ex-Präsident Burhanuddin Rabbani, forderte mehr finanzielle und humanitäre Hilfe. Nach einem Treffen mit dem türkischen Präsidenten Ahmet Necdet Sezer in der tadschikischen Hauptstadt Duschanbe sprach sich Rabbani zudem gegen die Entsendung ausländischer Soldaten aus. Die Nordallianz verfüge über genügend Einheiten, um den Terrorismus in Afghanistan zu bekämpfen, sagte Rabbani.

Hunderte Kämpfer ziehen an die Front

Augenzeugen berichteten, zur Verstärkung der Taliban würden Tag und Nacht hunderte Kämpfer mit Last- und Personenwagen zur Front im Norden fahren. In der Nacht zum Donnerstag und am Morgen setzten US-Kampfflugzeuge ihre Angriffe auf Stellungen der Taliban fort. Nach einem Bericht des US-Senders CNN wurden auch Stellungen der Taliban in der südlichen Stadt Kandahar angegriffen.

Aus US-Regierungskreisen verlautete, die Entsendung des US-Flugzeugträgers "USS John Stennis" in die Nähe Afghanistans werde bereits früher als geplant stattfinden. Die "John Stennis" solle den Träger "Carl Vinson" ablösen, hieß es.

Die pakistanische Gruppe Harkat Dschihad-i-Islami teilte mit, 85 ihrer Kämpfer seien dem US-Bombardement südlich von Masar-i-Scharif zum Opfer gefallen. Zudem seien zahlreiche Kämpfer verwundet worden. Eine unabhängige Bestätigung für die Angaben lag nicht vor.

Die USA greifen seit dem 7. Oktober mit britischer Unterstützung in Afghanistan Ziele der Taliban und der Organisation des moslemischen Extremisten Osama bin Laden, El Kaida, an. Die USA machen Bin Laden und El Kaida für die Anschläge vom 11. September in New York und bei Washington verantwortlich, bei denen vermutlich fast 4800 Menschen getötet wurden.

Blair: Luftangriffe allein genügen nicht

US-Präsident George W. Bush sagte, die Taliban-Regierung gerate bereits ins Wanken. Der britische Premierminister Tony Blair erklärte, mit Luftangriffen allein könnten die Taliban jedoch nicht gestürzt werden. Bush war am Mittwoch mit Blair in Washington zusammengekommen. Die USA und Großbritannien seien sich einig, dass die bisherige Strategie im Afghanistan-Krieg erfolgreich sei, erklärten die beiden Regierungschefs.

Internationale Militärstrategen gehen davon aus, dass die Verbündeten gegen den internationalen Terrorismus den Winter über Truppen in die Region bringen könnten, um im Frühjahr eine umfangreiche Bodenoffensive in Afghanistan zu starten.

Musharraf sagte am Donnerstag nach Unterredungen mit der französischen Regierung in Paris, er werde Bush bitten, die Angriffe wenigstens während des Fastenmonats Ramadan auszusetzen, weil sonst die ganze islamischen Welt verärgert sei. Musharraf ist einer der wichtigsten Verbündeten Bushs im Kampf gegen bin Laden.

König Abdullah von Jordanien stellte sich erneut hinter die US-Militäraktion. Bei einem Staatsbesuch in Großbritannien sagte er, die Anschläge am 11. September hätten sich gegen die gesamte Menschheit gerichtet und ein effektives internationales Vorgehen gegen den Terrorismus notwendig gemacht.

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