Bush und Blair
Zwei Brüder im Geiste

George Bush und Tony Blair: Eigentlich brauchen sich der US-Präsident und der britische Premier nicht mehr, in puncto Irakkrieg haben die Briten politisch an Bedeutung verloren. Ohne einander können sie aber ebenso wenig.

WASHINGTON. Yo, Blair", raunte George W. Bush lässig dem britischen Premier in St. Petersburg zu. "Wie geht?s?" Und in der Annahme, das Mikro sei abgeschaltet, redete er in lockerem Stil einfach weiter, zuweilen mit vollem Mund: Über einen Sweater etwa, den er als Geschenk von Tony Blair erhalten hatte, über Kofi Annan, über Syrien. Ein Gespräch wie an der Theke. Und schon füllte sich die britische Presse mit entrüsteten Kommentaren: Der US-Präsident gehe doch allzu respektlos mit ihrem Regierungschef um. Mit Tony Blair, den Bush doch immer noch als den allerbesten Verbündeten der USA lobt.

Eigentlich wollte Blair zu jener Reise starten, die nun Condi Rice unternahm. Der Labour-Premier hatte Bush vorgeschlagen, selbst im Nahen Osten das Terrain zu sondieren, bevor die US-Außenministerin fahren würde. Doch Bush winkte ab, kein Interesse. Auch das kam zur Sprache, als die Mikros beim G8-Gipfel abgeschaltet schienen. "Ich glaube, Condi fährt bald", sagte Bush nur. Das war?s. Und die BBC ätzte gleich: "Tony Blair schwebte im Raum wie eine missbrauchte Frau, nur darauf bedacht, ihren dominanten Mann zu beschwichtigen - mit einer Speise, die dieser nicht wollte."

Am heutigen Freitag wird Blair erneut mit Bush reden. Diesmal im Weißen Haus, und diesmal wird sicher dafür gesorgt, dass die Mikros abgeschaltet sind, wenn sie es sein sollen. Dabei würde man doch so gerne wissen, wie das Verhältnis der beiden politischen Freunde tatsächlich aussieht.

Stimmt es, dass Bush inzwischen mehr an Angelas Talente glaubt als an die von Tony? Dass dem in Mecklenburg-Vorpommern immer wieder kichernden und flirtenden Paar Bush/Merkel die eigentliche Zukunft gehört?

Die Götterdämmerung war bereits bei Blairs letzter Pressekonferenz in Washington vor nur zwei Monaten zu spüren. Erbarmungslos fragten die Journalisten, ob dieser Auftritt denn nun der letzte als britischer Premier sei. Und Bush antwortete für seinen angeschlagenen Partner: "Ich werde diese roten Krawatten vermissen." Und dann, endlich als Freund: "Schreibt ihn nicht ab. In ihm kenne ich einen Mann von Entschlossenheit, Vision und Mut." Blair kam nicht aus der Ecke: "Es ist wahrscheinlich weise, nichts weiter dazu zu sagen", rang er sich gerade noch ab. Gong! 13. Runde, Abgang.

Aber stimmt dieser Eindruck? War da nicht tatsächlich ein stolzes, gar ein dankbares Blinken in Bushs Augen zu sehen, als Blair zuvor sämtliche Fragen zum Irak souverän parierte, als der Brite nicht wackelte und wankte. Für einen Moment sah es dort, im East Room, so aus, als stellten sich zwei Brüder im Geiste ihrer Sache. Einer Sache, die sie durchziehen - mit Fehlern, aber überzeugt. Fehler wie etwa gedankenlose Formulierungen, die Bush einräumte. "Das habe ich gelernt", sagte er, "mich differenzierter auszudrücken." Zumindest solange die Mikros laufen.

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