Bush und Kerry streiten in der ersten von drei Fernseh-Sendungen über ihre Außenpolitik
Amerikaner lauern auf Patzer im TV-Duell

Politische Fernsehdebatten in Amerika sind gigantische Sport-Duelle, bei denen nicht die Frage zählt: Wer hat Recht? Das Entscheidende ist vielmehr: Wer gewinnt?

MIAMI. Das Publikum achtet dabei in erster Linie auf Ausrutscher. "Die Leute suchen weniger nach Anzeichen für Kompetenz als nach Fehlern", sagt Barbara Kellerman vom Zentrum für Öffentliche Führung an der Harvard-Universität. Nach dem morgigen Auftritt an der University of Miami gibt es noch zwei weitere Duelle am 8. Oktober in St. Louis (Missouri) sowie am 13. Oktober in Tempe (Arizona). In einer 32-seitigen Vereinbarung haben beide Parteien alles minutiös geregelt: von der Beleuchtungstechnik über den Moderator bis zur Höhe des Pults, hinter dem die Diskutanten stehen.

Der Druck lastet vor allem auf Kerry. Die meisten Meinungsforschungs-Institute sehen derzeit den Präsidenten um vier bis acht Prozentpunkte vorn. Der Präsident kann vor allem mit seiner Anti-Terror-Politik punkten: 62 Prozent unterstützen nach einer von "Washington Post" und "ABC New" gestern veröffentlichten Umfrage ihren Präsidenten darin. Nur 36 Prozent finden Kerrys Terrorbekämpfungspläne besser. In der Irak-Politik führt Bush mit 53 Prozent zu 38 Prozent.

Darüber hinaus haben es die Republikaner fertig gebracht, die öffentliche Diskussion in ihrem Sinne zu steuern: Kerry hat bislang kein Gegenmittel gefunden, das tödliche Etikett eines "Wendehalses" abzustreifen. Gleichzeitig gelang es der Regierungspartei, Bushs ideologische Sturheit als "Führungskraft" umzumünzen. Rhetorische Pannen des Präsidenten schlugen fast keine Wellen. Als Bush kürzlich seinem Ärger über Bagatell-Prozesse Luft machte und kritisierte, "dass zu viele Gynäkologen ihre Liebe zu Frauen nicht mehr praktizieren können", war die öffentliche Resonanz eher mager.

Ähnliche Patzer dürfen dem Präsidenten in der Fernsehdebatte allerdings nicht passieren. Auch muss er aufpassen, dass er bei einzelnen Sachthemen auf Ballhöhe ist. In Live-Interviews gerät der Chef des Weißen Hauses schnell unter Druck, weshalb er diese Art des öffentlichen Auftritts so knapp hält wie keiner seiner unmittelbaren Vorgänger. Bushs Schwäche, die mangelnde Detail-Kenntnis, ist wiederum Kerrys Stärke. Allerdings läuft der Senator von Massachusetts manchmal Gefahr, dass er vor lauter Bäumen den Wald nicht sieht.

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