Bush und Merkel demonstrieren Einigkeit
Zum Abschied in die Quarantäne

Bundeskanzlerin Angela Merkel empfängt den US-Präsidenten auf seiner Abschiedstournee im abgelegenen Schloss Meseberg - auch um ihn vor Kritikern zu schützen. Doch selbst Dauerdemonstranten haben das Interesse an dem Staatsmann verloren.

MESEBERG. Die Inszenierung ist bewusst und kühl gewählt. Am Ende zeigen die Kameras die Rücken von Angela Merkel und George W. Bush, wie sie Seite an Seite langsam auf das Schloss Meseberg zugehen, das Gästehaus der Bundesregierung. Immer kleiner werden sie und sind am Ende verschwunden. Schwupp, damit ist die bewegte Episode "George Bush in Deutschland" beendet. Und bald, das hatte die Bundeskanzlerin schon zuvor betont, beginnt "eine neue Zeit".

Damit die "alte Zeit" und Bushs letzter Deutschland-Besuch nicht als Desaster enden, hat Merkel ihren Gast kurzerhand nach Meseberg eingeladen. Offiziell wird der Empfang im Schloss wegen des privateren Charakters als protokollarische Ehre verkauft, als Revanche für die Einladung Merkels auf die Bush-Ranch im texanischen Crawford. Deshalb kurvt Bush am Mittwochmorgen demonstrativ im Sportleroutfit mit dem Mountainbike ums Schloss, das er angesichts seiner bescheidenen Dimensionen allerdings als "kleines Landhaus am See" verspottet. Dann gehen beide für die Kameras im Schlosspark spazieren. Harmonie wünscht die Kanzlerin als mediale Botschaft.

Doch weil sie innerhalb einer Woche bereits ihren dritten Präsidenten empfängt, werden die Unterschiede deutlich: Dmitrij Medwedjew (Russland) stellte sich in Berlin immerhin kritischen Diskussionen. Mit Nicolas Sarkozy (Frankreich) nahm Merkel im bayerischen Straubing ein Bad in der Menge. Beim US-Präsidenten dagegen wirkt es, als solle er in Meseberg in eine Art politischer Quarantäne gepackt werden - um ihn vor den kritischen Deutschen zu schützen. Wie schlimm es um sein Ansehen steht, zeigt die Tatsache, dass Politiker aller Parteien bis zum CDU-Außenpolitiker Eckart von Kladen bereits jetzt öffentlich nachtreten.

Zumindest dies wollte Merkel ihrem Gast ersparen. Denn ihr selbst hat die Zusammenarbeit mit Bush "viel Spaß" gemacht, seit längerem auch bei Videoschaltungen vom Kanzleramt ins Weiße Haus. Immerhin könne man Bush direkt sagen, was man denke. Das schätzt sie. Im Übrigen: Während viele bereits in Nachrufen schwelgen, braucht Merkel Bush noch. Denn letzter Deutschland-Besuch hin oder her: Der US-Präsident wird immerhin noch bis zum 30. Januar 2009 im Amt sein, bereits beim G8-Gipfel sieht sie ihn wieder. "Und ich habe auch vor, bis zum letzten Tag zu arbeiten", beantwortet er trotzig alle Bilanzfragen.

Zwar gilt Bush innenpolitisch tatsächlich als "lame duck", als handlungsunfähig. Aber auch in Meseberg macht er in den Gesprächen deutlich, dass er seine dürftige Präsidentschaftsbilanz durch Erfolge in der Handels-, Klima- und Außenpolitik aufbessern will. Weil er alle möglichen Nachfolger für Protektionisten hält, möchte er etwa noch einen Erfolg der Doha-Runde im Welthandel zimmern. Und weil Bush bis Jahresende einen Nahost-Frieden erreichen will, ist in Meseberg auch nur Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier beim leichten Büfett am Mittwochmittag mit dabei - nicht aber dessen US-Amtskollegin Condoleezza Rice. Die tourt in Bushs Auftrag gerade wieder im Nahen Osten.

Vor allem aber will Merkel verhindern, dass Bushs Amtszeit so endet, wie sie begonnen hat - mit einem Krieg. Deshalb soll gemeinschaftlich mehr Druck auf den Iran gemacht werden, verabreden beide bei Spargel und Schnitzel. Mittlerweile steckt nämlich der US-Präsident in Erklärungsnöten. So drohen die Israelis mit einem Militärschlag, weil die internationale Sanktionspolitik gegen Iran die umstrittene Urananreicherung und den vermuteten Bau einer Atombombe nicht gestoppt hat.

Die drohende Kriegsgefahr könnte eigentlich wieder die Friedensbewegung auf den Plan rufen. Doch Meseberg zeigt, wie selbst Dauer-Demonstranten Bush mittlerweile einordnen - eher als Person der Zeitgeschichte. Anders als bei früheren Besuchen fehlen diesmal deshalb weiträumige Absperrungen. Nur einmal ist in der Umgebung ein versprengtes Häuflein Demonstranten zu sehen - aber dabei handelt es sich um Bauern, die für höhere Milchpreise demonstrieren.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%