Bush: "Wir werden sie finden"
US-Kriegsgefangene im Irak wie vom Erdboden verschluckt

Als der C-17-Transporter aus Ramstein in der Pfalz auf dem Luftwaffenstützpunkt Andrews bei Washington aufsetzte, war das Happy End komplett: Jessica Lynch, bei einem wagemutigen Handstreich aus irakischer Kriegsgefangenschaft befreit, war wieder daheim in den USA. Doch zugleich erinnerte die glückliche Rückkehr der verletzten Soldatin deren Landsleute schmerzlich daran, dass die anderen Gefangenen im irakischen Chaos wie vom Erdboden verschluckt sind.

HB/dpa WASHINGTON. Spezialkommandos suchen seit Wochen ohne Erfolg nach sieben Gefangenen und neun Vermissten. Allein fünf Gefangene gehören wie Jessica Lynch der 507. Versorgungskompanie aus Fort Bliss (Texas) an. Das irakische Fernsehen hatte nicht lange nach Kriegsbeginn Videos von ihnen gezeigt. Ihre angsterfüllten Gesichter können die Angehörigen nicht vergessen.

"Er sah furchtsam aus", sagt die aus den Philippinen stammende Anecita Hudson aus Alamogordo im Bundesstaat New Mexico tonlos über ihren 23 Jahre alten Sohn Joseph. Ihr Leben bestehe aus wenig mehr als Weinen und Beten, seit sie ihren Jungen im Nachrichtensender CNN als einen der Gefangenen erkannte: "Rettet mein Baby." Joseph ist verheiratet und hat eine fünfjährige Tochter. "Sie will ihren Vater wiederhaben. Sie versteht nicht, dass es einen Krieg gibt und Menschen sterben", sagt Natalie Hudson einem Reporter der "Los Angeles Times". "Alles, was sie weiß, ist, dass ihr Vater sich an einem Platz mit einem Haufen Dreck befindet."

In Fort Bliss bei El Paso haben sie inzwischen in einer feierlichen Zeremonie Abschied genommen von neun Soldaten, die im Südirak starben, als ihre Einheit im März eine falsche Richtung einschlug und von feindlichen Truppen überrascht wurde. Die Stimmung in der Etappe schwankt zwischen Trauer über ihren Tod, Jubel über die Befreiung Jessicas und nagender Ungewissheit über das Schicksal der noch Vermissten. Claude Johnson, der Vater der Gefangenen Shoshana Johnson, spricht für alle: "Ich hoffe und bete, dass jeder einzelne so wie Jessica heimkommt."

Es gibt Hinweise darauf, dass die Gefangenen möglicherweise an verschiedenen Orten festgehalten wurden. "Wir sind in den letzten Tagen in einige von ihnen eingedrungen, aber haben sie (die Gefangenen) nicht gefunden", berichtete General Vincent Brooks vom US-Zentralkommando in Doha (Katar). "Wir haben sie nicht vergessen. Wir werden sie nicht vergessen." US-Präsident George W. Bush versprach: "Wir beten, dass sie am Leben sind, denn wenn sie es sind, werden wir sie finden."

In einem Gefängnis im Südosten Bagdads fanden Soldaten blutbefleckte amerikanische Uniformen, die den Gefangenen gehört haben können. Darin sieht US-Major Daniel Banks keinen Grund zur Hoffnungslosigkeit, im Gegenteil: "Wenn die Leute, die sie gefangen nahmen, ihre Uniformen gewechselt haben, bedeutet das Leben. Hätten sie sie exekutiert, hätten sie sie in ihren Uniformen hingerichtet."

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%