Bush wirbt um Schlüsselstaat Florida, Gore will Industriestädte mobilisieren
US-Wahlkampf: Endspurt in unentschlossenen Bundesstaaten

Zwei Tage vor der Präsidentschaftswahl in den USA haben sich die beiden Kandidaten Al Gore und George W. Bush am Wochenende auf den Stimmenfang in den noch unentschlossenen US-Bundesstaaten konzentriert. Der Republikaner Bush reiste am Sonntag nach Florida, während sein demokratischer Rivale Gore in der Schlussphase des knappsten Rennens um das Weiße Haus seit Jahrzehnten auf eine Handvoll Industriestädte setzen wollte.

afp WASHINGTON. Bushs Botschaft an die Wähler in Florida dürfte ähnlich ausfallen wie zuvor schon bei Wahlkampfstopps in Michigan, Pennsylvania und New Jersey, wo er am Samstag vor allem die Skandale der Clinton-Ära anprangerte. Unterstützt wird Gore, der Umfragen zufolge derzeit knapp hinter Bush liegt, von US-Präsident Bill Clinton, der am Sonntag die Demokraten in seinem Heimatstaat Arkansas mobilisieren wollte.

Eigentlich sollte Bushs Bruder Jeb, der Gouverneur von Florida, die 25 Wahlmännerstimmen des Sonnenscheinstaates im Südosten dem Republikaner zuführen. Doch Gore ist vor allem bei den zahlreichen dort lebenden Rentnern beliebt, nicht zuletzt seit er sich den jüdischen Senator Joe Lieberman als Stellvertreter aussuchte. Trotz der jüngsten Enthüllungen über seine Trunkenheits-Fahrt betonte Bush am Wochenende in Anspielung auf die Affären in der achtjährigen Ära Clinton die Notwendigkeit eines "Neuanfangs nach einer Phase des Zynismus". Am Donnerstag hatte Bush, der sich im Wahlkampf stets seiner moralischen Integrität rühmte, zugeben müssen, dass er vor 24 Jahren betrunken am Steuer erwischt wurde.

Gores Ziele am vorletzten Wahlkampftag waren die Städte Philadelphia im US-Bundesstaat Pennsylvania, Dearborn in Michigan und Milwaukee in Wisconsin. Am Abend wollte er in den landwirtschaftlich geprägten Bundesstaat Iowa weiterfliegen. Angesichts der für Gore ungünstigen Umfragewerte beschwor der demokratische Bewerber die Mitglieder einer Schwarzen-Gemeinde in Pittsburgh (Pennsylvania), für ihn zu beten und ihm am Dienstag ihre Stimme zu geben. Der Demokrat dürfte vor allem unter der schwarzen Bevölkerung Punkte machen, die immerhin rund zwölf Prozent der Wähler ausmacht.

Gewichtige Schlüsselstaaten

Bei der Wahl am Dienstag kommt einer Handvoll Schlüsselstaaten, die zwischen den beiden Bewerbern Gore und Bush schwanken, besonders großes Gewicht zu: Als besonders spannend gilt der Wahlausgang in Florida, Michigan und Pennsylvania. Das Gewicht der US-Bundesstaaten bei der Präsidentschaftswahl bemisst sich nach Wahlmännerstimmen, die an der Bevölkerungsstärke orientiert sind. Wer in einem Einzelstaat die Mehrheit der Wählerstimmen bekommt, heimst in der Regel automatisch alle Wahlmännerstimmen dieses Bundesstaates ein. Ins Weiße Haus zieht am Ende ein, wer mindestens 270 von insgesamt 538 Wahlmännerstimmen auf sich vereinen kann.

In der Schlussphase des Wahlkampfes wird der Ton unterdessen schärfer. In einem seiner bislang schärfsten Angriffe warf Gore seinem republikanischen Rivalen vor, eine Vision einer egoistischen Gesellschaft des "Jeder gegen Jeden" zu entwerfen. Bushs vertrete vor allem Positionen für die Reichen.

Clinton wurde am Freitag in Nordkalifornien von begeisterten Anhängern mit Rufen wie "Danke, Bill" und "Noch mal vier Jahre!" empfangen, und auch die Menschen in den Armenvierteln von New York bereiteten dem US-Präsidenten einen begeisterten Empfang.

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