Bushs Rede vor Journalisten im Wortlaut
"Wir rotten dieses Netzwerk aus"

Einen Monat nach den Anschlägen in den USA hat sich US-Präsident George W. Bush am Donnerstagabend (Ortszeit) mit einer Rede an die Nation gewandt und einen Zwischenbericht über den Kampf gegen den Terrorismus vorgelegt.

ap WASHINGTON. Nach der Rede ging er auf Fragen von Journalisten ein. Die Nachrichtenagentur AP gibt im folgenden Auszüge der Rede und der Antworten im Wortlaut in einer nichtoffiziellen Übersetzung wieder.

"Guten Abend. Ich möchte dem amerikanischen Volk einen Zwischenbericht unseres Kriegs gegen den Terror vorlegen. Dann werde ich gerne die Fragen des Pressekorps des Weißen Hauses entgegennehmen...

Die Welt hat sich zusammengeschlossen, um einen neuen und andersartigen Krieg zu führen: den ersten - und wie wir hoffen einzigen - des 21. Jahrhunderts; einen Krieg gegen all jene, die den Terror exportieren wollen, und einen Krieg gegen jene Regierungen, die diese (Terroristen) unterstützen oder ihnen Unterschlupf gewähren...

Wir führen einen anhaltenden Feldzug, um die Terroristen aus ihren Höhlenverstecken zu verjagen und sie der Gerechtigkeit zuzuführen. Alle Missionen an der militärischen Front verlaufen nach Plan. Gleichzeitig zeigen wir das Mitgefühl Amerikas, indem wir dem afghanischen Volk, das selbst Opfer eines tyrannischen Regimes ist, Nahrung und Medizin bringen. ...

Die Amerikaner sollen heute Abend wissen, dass wir, auch wenn die Bedrohung weiter andauert, alle möglichen Maßnahmen ergreifen, um unser Land vor Gefahren zu schützen. Ihre Regierung unternimmt alles, was wir können, um uns von diesen Anschlägen zu erholen und andere zu verhindern versuchen. Wir handeln, um Flugzeuge und Flughäfen sicherer zu machen, um New York und das Pentagon wieder aufzubauen...

Unser Krieg gegen den Terrorismus hat nichts mit Glaubensunterschieden zu tun, dafür aber alles mit Menschen aller Glaubensrichtungen, die sich vereinen, um Hass, Böses, Mord und Vorurteile zu verdammen...

Die Amerikaner sollten, wenn sie etwas sehen sollten, das verdächtig ist, das außer der Norm ist, ihre lokalen Behörden verständigen. In der Zwischenzeit sollten sie aber in dem Wissen Trost finden, dass unsere Regierung alles tut, was uns möglich ist..

Wir teilen Geheimdienstinformationen mit unseren Freunden in Übersee. Wir gehen jedem Hinweis nach. Der Informationsaustausch zwischen CIA und FBI ist reibungslos, und deshalb erfolgt die Reaktion auf jede Bedrohung in Echtzeit."

Nach der Rede antworte Bush auf Fragen von Journalisten.

Dauer des Kriegs und Vietnam-Vergleich

Auf die Frage nach der Dauer der Angriffe antwortete Bush:

"Wir haben einige wichtige Lektionen in Vietnam gelernt. Die vielleicht wichtigste, die ich gelernt habe, ist, dass man einen Guerilla-Krieg nicht mit konventionellen Truppen führen kann. Deshalb habe ich dem amerikanischen Volk erklärt, dass wir in einer anderen Art von Krieg engagiert sind, offenkundig einer, bei dem konventionelle Truppen eingesetzt werden, aber auch einer (Art von Krieg), den wir an allen Fronten kämpfen müssen... Diese besondere Gefechtsfront wird so lange dauern, wie nötig ist, um El Kaida der Gerechtigkeit zuzuführen. Das kann morgen passieren oder in einem Monat, in einem Jahr oder in zwei. Aber wir werden siegen."

Bin Ladens Aufenthaltsort und Rolle im Terrorismus

Auf die Frage, wie eine Festnahme des mutmaßlichen Drahtziehers der Terroranschläge vom 11. September, Osama Bin Laden, erfolgen kann und ob die USA den Krieg gegen den Terrorismus gewinnen können, falls Bin Laden nicht gefasst werden sollte, antwortete Bush:

"Wir führen einen Krieg gegen den Terrorismus im Allgemeinen. Mr. Bin Laden ist einer der Schlimmsten, aber wie Sie sich erinnern werden, haben wir eine Fahndungsliste der 22 meistgesuchten Personen veröffentlicht. Er ist einer von 22, hinter denen wir her sind. Was Mr. Bin Laden selbst betrifft, wir werden ihn aufscheuchen. Wir werden ihn aus seiner Höhle ausräuchern, und wir werden ihn schließlich bekommen. Aber Erfolg und Misserfolg hängen nicht von Bin Laden ab. Erfolg oder Misserfolg hängt davon ab, den Terrorismus überall auf der Welt, wo er existieren mag, auszurotten. Er ist nur eine Person, Teil eines Netzwerks. Und wir rotten langsam aber sicher und mit Entschlossenheit dieses Netzwerk aus und führen es der Gerechtigkeit zu."

Ausweitung des Krieges

Auf die Frage nach einer möglichen Ausweitung des Krieges, namentlich nach Irak, Iran und Syrien, antwortete Bush:

"Es steht außer Frage, dass der Führer von Irak ein böser Mann ist. Immerhin hat er seine eigenen Leute vergast. Wir wissen, dass er Massenvernichtungswaffen entwickelt hat... Deshalb beobachten wir ihn genau."

Amnestie für Staaten, die früher Terrorismus förderten

Angesprochen auf die Skepsis, dass Staaten, die früher als Förderer des Terrorismus galten, nun in die Antiterror-Koalition eingebunden werden sollen, entgegnete Bush:

"Natürlich... Es gibt Staaten, die ihren Wunsch zu helfen geäußert haben... Die Syrer haben mit uns darüber gesprochen, wie sie im Krieg gegen den Terrorismus helfen können. Wir nehmen dies sehr ernst und werden ihnen Gelegenheit geben, dies zu tun..."

Der Sinn von FBI-Warnungen an die Bevölkerung

Zur Frage nach dem Sinn von Warnungen des FBI über mögliche Anschläge und dem offenkundigen Widerspruch zu Aufrufen der Regierung an die Bevölkerung, zum Alltag zurückzukehren, erklärte Bush:

"Ich kenne die Geheimdienstinformation, die Ursache der Warnung ist, es war eine allgemeine Drohung gegen Amerika... Wir sollten diese Drohungen ernst nehmen. Und wir hatten noch eine weitere Drohung, eine allgemeine Drohung. Wäre sie spezifisch gewesen, hätten wir uns mit den spezifischen Gegebenheiten der Bedrohung befasst... Wir kehren zur Normalität zurück. Wir tun dies mit einem neuen Sinn der Wachsamkeit. Und die Warnung, die heute verbreitet wurde, hat geholfen, diesen Sinn der Wachsamkeit zu schärfen."

Die Zukunft Afghanistans nach Taliban

Auf die Frage nach der staatlichen Zukunft Afghanistans sagte Bush:

"Also, ich denke, dass - lassen Sie mich zuerst wiederholen, ich konzentriere mich darauf, El Kaida der Gerechtigkeit zuzuführen und der Gastgeber-Regierung zu sagen: Ihr hattet Eure Chance, ihn auszuliefern. Tatsächlich sage ich noch einmal: Wenn ihr ihn herausrückt und seine Leute, heute, dann werden wir überdenken, was wir mit eurem Land tun. Ihr habt noch eine zweite Chance. Liefert ihn einfach aus, und bringt seine Anführer und Helfer und die anderen Verbrecher und Kriminelle, die mit ihm sind... Eins der Dinge, die wir sicherstellen sollten, ist, dass alle interessierten Parteien eine Gelegenheit erhalten, Teil einer neuen Regierung zu sein, und dass wir keine Favoriten unter den verschiedenen Gruppen in Afghanistan haben sollten. Zweitens sollten wir auf eine stabile Regierung in Afghanistan hinarbeiten, deren Nachbarn keine Angst mehr haben müssen, dass terroristische Aktivität aus diesem Land kommt. Drittens wäre es natürlich hilfreich, den Drogenhandel in Afghanistan auszurotten. Ich glaube, dass die Vereinten Nationen den notwendigen Rahmen liefern könnten, um diese Bedingungen zu schaffen."

Rolle der Araber und Russlands

Zur Frage nach der Rolle der Araber in der Koalition, zum künftigen Verhältnis zu Russland und seinen Plänen zum Aufbau eines Raketenabwehrsystems sagte Bush:

"Wir werden jede Hilfe akzeptieren, bei deren Gewährung eine Regierung sich sicher ist. Wir sollten Regierungen nicht zu zwingen versuchen, etwas zu tun, was sie nicht tun können... Was die Raketenabwehr betrifft, kann ich es nicht abwarten, meinen Freund Wladimir Putin in Schanghai zu treffen, um noch einmal zu bekräftigen, dass der Kalte Krieg vorüber ist und dass es neue Bedrohungen gibt, denen wir uns gegenübersehen. Es gibt kein besseres Beispiel für diese neue Bedrohung als den Anschlag auf Amerika am 11. September. Und ich werde meinen Freund bitten, sich eine Welt vorzustellen, in der ein terroristischer Verbrecher oder eine Gastgeber-Nation die Fähigkeit haben könnte, eine Massenvernichtungswaffe mittels einer Rakete zu transportieren. Wäre es nicht zum Nutzen unserer Nationen, diese abschießen zu können? ... Und wir werden dabei eingeschränkt durch einen ABM-Vertrag, der in einer ganz anderen Zeit unterzeichnet wurde... Es zeigt sich heute noch stärker als am 10. September, dass der ABM-Vertrag veraltet ist."

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