Bushs Rede zur Lage der Nation: Kommentar: Auf Kriegskurs

Bushs Rede zur Lage der Nation
Kommentar: Auf Kriegskurs

Wer immer Zweifel gehabt haben sollte, gestern Abend wurden sie beseitigt: US-Präsident George W. Bush hat die Amerikaner auf einen umfassenden Krieg gegen den weltweiten Terrorismus vorbereitet.

In seiner mit Spannung erwarteten Rede zur Lage der Nation hob Bush drei Länder hervor, die aus US-Sicht eine besondere Gefahr darstellen: Nordkorea, Iran und Irak. Amerika werde eine Bedrohung durch Massenvernichtungswaffen nicht hinnehmen, lautete die Botschaft des Präsidenten. Niemals zuvor entwarf Bush ein derart dringliches, unverblümtes und massives Szenario. Und er ließ keinen Zweifel daran, dass Washington jeden Moment und, wenn es sein muss, allein zuschlagen kann. Besonders der irakische Präsident Saddam Hussein wurde ins Visier genommen. Bush scheint seine Entscheidung getroffen zu haben. Nur der Zeitpunkt ist offen.

Der US-Präsident schwor seine Landsleute auf die Logik des Krieges ein. Das beginnt mit der ideologischen Untermauerung eines Kampfes zwischen Gut und Böse, Freiheit und Unterdrückung. Aus dem Bemühen, die Wirtschaft wieder auf Trab zu bringen, macht Bush einen "Sieg gegen die Rezession". Und das Loblied auf Opferbereitschaft und Gemeinschaftsgeist endet in einer Heroisierung wahrer amerikanischer Werte. Bushs Mobilisierung gegen den Terror verstärkt den Patriotimsus nach innen und den Unilateralismus nach außen. Getragen von einer beispiellosen Zustimmungswelle ist seine Präsidentschaft noch ein Stück imperialer geworden.

Michael Backfisch
Michael Backfisch
Handelsblatt / Korrespondent
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