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Business Angels fordern strategisches Konzept der Frühphasenfinanzierung

Fast täglich droht Unternehmen aus den Bereichen Life Science oder Biotech mit hervorragenden ...

Fast täglich droht Unternehmen aus den Bereichen Life Science oder Biotech mit hervorragenden Geschäftsideen das Scheitern, obwohl sie sich intensiv um eine Finanzierung bemühen, so das Business Angels Netzwerk Deutschland e.V. (BAND) auf dem diesjährigen "Deutschen Business Angels Tag" am 4. 10. 2004 in Mainz zu der Lage junger Gründungsunternehmen in Deutschland. Gefordert sei daher dringend eine Strategie für die Frühphasenfinanzierung junger, insbesondere technologieorientierter Unternehmen.
Die Ursachen, warum die Finanzierungspipeline in Deutschland allenfalls tröpfelt, obwohl die Bewertungen der Unternehmen jetzt niedrig liegen und zu Investments einladen, seien vielfältig. Kreditinstitute und Venture Capital-Gesellschaften hielten in der frühen Unternehmensphase das Risiko für zu hoch und die Prüfungskosten für zu groß, sodass sie sich lieber bei reiferen Unternehmen, deren Produkte der Markt bereits aufnimmt, engagierten. Alle deutschen Venture Capital-Fonds zusammen hätten im ersten Halbjahr 2004 nur zehn Frühphaseninvestments durchgeführt.
Öffentliche Mittel seien nur begrenzt verfügbar. Der auch für Frühphasenfinanzierungen gedachte Dachfonds aus Mitteln des ERP-Sondervermögens und des EIF (Europäischer Investitionsfonds) stelle zwar 500 Mio. Euro zur Verfügung, habe sich allerdings noch an keinem einzigen Fonds beteiligt. Der im Hightech Masterplan der Bundesregierung angekündigte Seedfonds werde frühestens 2005 stehen und sei in der Finanzierung vom Wegfall der Eigenheimsubventionierung abhängig.
Prädestiniert für die Eigenkapitalfinanzierung in der frühen Phase junger Unternehmen seien Business Angels, die nicht nur Kapital, sondern auch ihr unternehmerisches Know-how und ihre Netzwerke einbringen. Trotz großer finanzieller Engpässe arbeiten neben BAND als übergreifender Organisation 40 Business Angels Netzwerke mit mehr als 1000 Business Angels als Marktplätze im Markt des informellen Beteiligungskapitals. Die Neigung der Business Angels, in Deutschland zu investieren, halte sich zurzeit allerdings in Grenzen. Stattdessen orientierten sich deutsche Business Angels zunehmend ins Ausland, weil dort die steuerlichen Rahmenbedingungen besser seien. Während deutsche Angels für ihre Risikobereitschaft bestraft würden und schlechter gestellt seien als der normale Aktienbesitzer, der seine Wertpapiere steuerfrei verkaufen kann, locke das Ausland mit Steuerbefreiungen, Abzugs- und Abschreibungsmöglichkeiten. Noch dazu seien bei der letzten Steueränderung sozusagen als Kollateralschaden auch die Business Angels bestraft worden, weil allgemein die Möglichkeit des Verlustabzugs begrenzt wurde.
Schließlich gebe es auch schlechte Exitchancen, d.h. Veräußerungschancen der Business Angels für ihre Beteiligungen. Nach dem Ende des Neuen Marktes habe die Deutsche Börse das Interesse an diesem Bereich verloren. In England gebe es an der London Stock Exchange mit AIM dagegen eine interessante Möglichkeit, auch junge Unternehmen mit einer geringen Marktkapitalisierung an die Börse zu bringen.
Das strategische Konzept, das auf dem Deutschen Business Angels Tag in Mainz gefordert wurde, sollte nach Auffassung von BAND vor allem folgende Punkte zum Inhalt haben:

  1. Spezifische, mit dem europäischen Ausland mindestens vergleichbare, steuerliche Rahmenbedingungen für die Investition in junge, Eigentümer geführte Unternehmen, u.a. durch Anhebung der Wesentlichkeitsgrenze auf 25%, volle Verlustabzugsmöglichkeit, Ausschluss der Gewerblichkeit;

  2. Einrichtung von öffentlichen Fonds für die Seed-Finanzierung des Bundes und der Länder;

  3. steuerliche Vorteile für Venture Capital-Fonds, die in der Frühphase investieren;

  4. Unterstützung von Co-Investments zwischen Venture Capital-Gesellschaft und Business Angels und zwischen Business Angels untereinander;

  5. bessere finanzielle und personelle Ausstattung der Business Angels-Netzwerke;

  6. Qualifizierungsmaßnahmen für Gründungsunternehmer und Nachwuchs-Business Angels, um sie fit zu machen für den Markt des informellen Beteiligungskapitals;

  7. Schaffung von Marktplätzen für die Veräußerung von Unternehmensbeteiligungen und spezifischen Möglichkeiten des Börsengangs für junge Unternehmen;

  8. Intensivierung der Forschung über den Markt des informellen Beteiligungskapitals und Aufbau einer validen, wissenschaftlich fundierten Datenbasis.


Ziel müsse sein, eine ähnlich hohe Frühphasenfinanzierungsquote wie in den USA zu erreichen. Das wären Kapitalinvestitionen allein durch Business Angels von jährlich 4 Mrd. Euro.

Quelle: FINANZ BETRIEB, 04.11.2004

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