Business-Clubs
Wo der Berliner Bär den Tiger gibt

Früher Rückzugs-Basen für ältere Semester, heute Treffpunkt der jungen Elite: Business-Clubs erleben eine Renaissance. Und Frauen dürfen auch rein - manchmal.

Das Blatt auf seiner Hand war gut. Vor Freude warf David Tang es hoch in die Luft. Doch weil der China-Club in den oberen drei Etagen der Old Bank of China noch eine Baustelle war und Wände und Decke feucht, blieb das As einfach an der Decke kleben. Dort hängt es noch heute, direkt über dem Esstisch des Hongkong-Multimillionärs, der nicht nur Glück beim Kartenspiel, sondern auch mit seinen Geschäften hat.

Das war vor elf Jahren. Inzwischen gilt der China-Club als heimliches Machtzentrum Hongkongs. Eine Einladung dorthin ist mehr wert als in die beiden anderen Nobel-Häuser, den Hongkong Club und den Jockey Club. Dependancen von Tangs Nobel-Club gibt es bisher in Peking und Singapur.

Jüngst wäre Tycoon Tang beinahe an die Decke gegangen wie einst sein As - als er von einem Berliner China Club erfuhr, der nach seinem Vorbild, aber ohne sein Wissen gebaut wird. Auch wenn Bauherrin Anna Maria Jagdfeld beteuert, sich bei ihren Besuchen im Hongkonger Vorbild "lediglich die Inspiration" geholt zu haben - selbst die Gemälde an den Wänden ihres Membership-Office im Hotel Adlon erinnern stark an den Original-Club.

Der Traum vom Nobel-Club mit angesagtem Asien-Ambiente in der Hauptstadt kann nicht verwundern. All überall in den Business-Metropolen Deutschlands wachsen mit der Liebe zur geschlossenen Gesellschaft die entsprechende Einrichtungen. Und: Die neuen Clubs sind längst nicht mehr nur abgeschottene Rückzugs-Basen älterer Semester, die in tiefen Ledersesseln sitzend bei alten Cognac und dicken Havannas Geschäfte ankurbeln - oder auch verhindern.

Gerade jüngeres Publikum und immer mehr Selbstständige sind Zielgruppe von Neugründungen, die auf eine Klientel mit gut gefülltem Bankkonto und ausgeprägtem Prestigebedürfnis setzen. Jedermann soll die noble Heimstatt eben nicht zugänglich sein- und schon gar nicht Jederfrau: Der noble Anglo-German Club in Hamburg beispielsweise akzeptiert immer noch ausschließlich männliche Mitglieder. Damen sind als Gäste willkommen, jedoch nur in Begleitung eines Mitglieds, und selbst dann sind ihnen zu bestimmten Zeiten nicht alle Clubräume zugänglich.

Ähnliche Beschränkungen hat die Frankfurter Gesellschaft für Handel, Industrie und Wissenschaft in der Satzung: Gentlemen only. Nur die Oberbürgermeisterin der Mainmetropole und die Präsidentin der Goethe-Gesellschaft erhalten während der Amtszeit eine Gastmitgliedschaft ehrenhalber.

Doch auch bei "gemischten" Clubs öffnen sich die Türen nicht einfach durch Zücken des Scheckheftes und Zahlung einer beträchtlichen Aufnahmegebühr. Bernd Saleswki, Geschäftsführer des Hamburger Hafenclubs: "Neuaufnahmen erfolgen, wie übrigens bei fast allen deutschen Wirtschaftsclubs, ausschließlich, wenn eine Empfehlung von mindestens zwei Mitgliedern vorliegt." In seinem Haus ist nichts plüschig: Cooles Design und riesige Fenster bestimmen das Bild, das dezente Blau der Sitzgelegenheiten stellt die optische Verbindung zum Wasser her. Und dann dieses Panorama auf den Hafen:"Ist das nicht ein wunderbarer Blick?", schwärmt Dirk Petersen. Der 35-jährige Banker hat einen Geschäftspartner zum Essen eingeladen.

Dass ein Aufnahmeantrag abgelehnt wird, kommt selten vor. "Es kann jedoch in Einzelfällen passieren, dass wir einem potenziellen Bewerber nahe legen, keinen Antrag zu stellen" beschreibt Salewski mit hanseatischer Zurückhaltung solch delikate Situation.

Solchermassen Frustierte könnten in Hamburg die Telefonnummer 040/28059694 wählen. Da meldet sich der Hanseatic-Gun-Club, ein Schützenverein der besonderen Art. Mit einem polizeilichen Führungszeugnis ist die wichtigste Hürde zur Mitgliedschaft genommen, und man kann sich seinen Ärger von der Seele ballern - mit Großkaliber mitten in der Großstadt.

In den Elite-Clubs geht es natürlich gedämpfter zu, dort herrschen Weltläufigkeit und Diskretion, meist begleitet von einer Top-Gastronomie. So sorgt im Anglo-German-Club Sternekoch Eberhard Püter für die Gäste. Im Hafenclub steht der Österreicher Anton Viehauser am Herd, dessen Bruder Joseph ein paar Kilometer weiter das Spitzenrestaurant "Le Canard" betreibt.

Ein Wirtschaftsclub schließt auch soziales, kulturelles und wissenschaftliches Engagement nicht aus. Das zeigt zum Beispiel der Europapreis, mit dem der Verein Berliner Kaufleute und Industrieller gemeinsam mit den drei Berliner Hochschulen alljährlich hervorragende Dissertationen mit europapolitischer Ausrichtung auszeichnet. Eine beliebte Clubvariante, die es erst seit einigen Jahren gibt, versucht, Tradition und Innovation in gediegener Athmosphäre zu verbinden: die Havanna-Lounge. Gründer Tobias Hundertmark hatte 1996 die Idee, eine edle Zigarre in den Fokus seines Hamburger Business-Clubs zu rücken. Mit Erfolg: Havanna-Lounges gibt es inzwischen auch in Berlin, Düsseldorf, Frankfurt, Hannover und Kampen auf Sylt. Jedes Clubhaus verfügt über einen begehbaren Humidor. Für eine Einzelmitgliedschaft werden 1 300 Euro Aufnahmegebühr fällig, dazu kommt ein Jahresbeitrag von 500 Euro. Mitglieder haben in allen Clubniederlassungen Zutritt.

Ein Konzept, das vielleicht auch dem leidenschaftlichen Zigarrenraucher David Tang gefallen würde, mit dessen Original-Club in Berlin keine Kooperation angestrebt ist. Hinter dem Projekt in der Hauptstadt stehen aber zwei Mitglieder von Tangs China Club: Anna Maria Jagdfeld, deren AMJ Holding Luxus-Geschäfte betreibt, und ihr Mann Anno August, dessen Immobilien-Gruppe Fundus eine der treibenden Kräfte beim Wiederaufbau des Hotels Adlon war.

2000 Mitglieder hätten die beiden gerne, 200 sollen sich schon angemeldet haben. Namen werden nicht genannt. Die für Ende September geplante Eröffnung verzögert sich um einen Monat- "aus baulichen Gründen", heißt es. David Tang hat sich wohl mit dem "Copycat-Club" ("South China Morning Post") abgefunden. Er kommentiert ihn mit einer - nicht nur - chinesischen Weisheit: "Nachahmung ist das größte Kompliment."

HANDELSBLATT, 20.9.2002

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