Business- to-Business-Marktplätze: Elektronische Marktplätze haben Einkauf revolutioniert

Business- to-Business-Marktplätze
Elektronische Marktplätze haben Einkauf revolutioniert

Nach nur sechs Stunden fällt der virtuelle Hammer. Damit ist der Auftrag über rund eine Million Reifen für sechs asiatische Daimler-Chrysler-Werke vergeben. Bei der Online-Auktion setzt sich ein internationaler Hersteller gegen eine Hand voll Konkurrenten durch, bietet das beste Preis-Leistungs-Verhältnis. "Früher hat so eine Auftragsvergabe weit über eine Woche gedauert", sagt DaimlerChrysler-Sprecher Andreas Vill.

HB/dpa HAMBURG. Elektronische Marktplätze für den Handel zwischen Firmen sind eine der erfolgreichsten Ideen, die der Internet-Boom hervorgebracht hat. Während sich der Online-Verkauf von Waren an Endkunden schwierig gestaltet, ist das Netz für den Handel zwischen Firmen - "Business- to-Business", kurz "B2B" - nicht mehr weg zu denken. Auch auf der CeBIT (12. bis 19. März) werden neue B2B-Lösungen wieder eine große Rolle spielen.

Der Einkauf über die Online-Plattform Covisint bringt Daimler-Chrysler und vier weiteren Autokonzernen nicht nur Zeitersparnis. "Eine Auktion schafft einen transparenten Markt", schwärmt Lars Olrik, Europa-Manager von Covisint. "Der Einkaufsprozess wird billiger und einfacher."

"Unternehmen, Zuliefer und Transporteure lassen sich über das Netz verbinden, das vereinfacht und beschleunigt die Logistikketten", erklärt der Leiter des E-Commerce-Center Handel Köln, Kai Hudetz. "Im Idealfall lässt sich jederzeit sagen, welches Teil wann wo gebraucht wird und welche Vorleistungen dafür nötig sind." Früher sei es Autokonzernen wegen der Übersichtlichkeit darum gegangen, die Zahl der Zulieferer so klein wie möglich zu halten. Dank der neuen Technik könnten sie heute bei Ausschreibungen den Kreis der Anbieter oft vergrößern. "Das schafft mehr Wettbewerb."

220 deutsche B2B-Marktplätze im Internet

In Deutschland gibt es derzeit rund 220 B2B-Marktplätze im Internet, weltweit sind es mehrere Tausend. Manche Großunternehmen wickeln bereits den Löwenanteil ihres Einkaufs über Online- Plattformen ab. Nach Schätzung des Marktforschungsunternehmens Forrester werden bis 2006 rund 2,2 Billionen Euro im Jahr per B2B- Onlinehandel abgewickelt. Im Jahr 2001 waren es rund 78 Milliarden Euro.

Dabei werden Konzern-unabhängige Marktplätze die geringste Rolle spielen. Sie waren zu Zeiten des Internet-Booms die Vorreiter. "Nur in Ausnahmefällen, wie etwa beim Gebrauchtmaschinen-Marktplatz Surplex.com, haben sie ohne die Unterstützung der Konzerne eine Chance", sagt Hudetz. Die Marktbereinigung hat bereits eingesetzt: "In Deutschland wird bis 2005 wohl nur ein Viertel aller B2B- Marktplätze überleben."

Großunternehmen dominieren

Großunternehmen fällt es dank ihrer Marktmacht leicht, den Handel mit Zulieferern auf die eigene Plattform zu lotsen. "Volkswagen wickelt über die B2B-Plattform rund 80 Prozent seines Beschaffungsvolumens von etwa 50 Milliarden Euro ab", erklärt Unternehmenssprecher Fred Bärbock. "Lager konnten abgebaut und Prozesse verschlankt werden." Daimler-Chrysler hat schon 2001 Einkäufe für 10 Milliarden Euro per Online-Bieterverfahren getätigt. E- Business-Direktor Jochen Carle sagt: "Die Vorteile liegen in der enormen Prozessbeschleunigung teilweise bis zu 80 Prozent. Zudem können wir Effekte in den Materialpreisen erzielen."

"Die Einkaufspreise bei Auktionen fielen 2001 um durchschnittlich zehn Prozent", sagt auch Svenja Vollmerhausen vom Chemiekonzern Bayer. In Einzelfällen habe das Verfahren zu einer Halbierung der Preise geführt. Das Leverkusener Unternehmen kauft auf mehreren Plattformen ein, bezieht etwa Rohstoffe von Elemica, einem von 22 großen Chemiekonzernen entwickelten Marktplatz.

Während die Großindustrie nach Schätzung des Kölner E-Commerce- Center Handel im Schnitt bereits ein Drittel seiner Einkäufe über Online-Plattformen erledigt, hinkt der Mittelstand hinterher. Weniger als die Hälfte der Unternehmen hat laut einer Umfrage des Bundesverbandes für Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik das Thema Einkauf über Online-Plattformen realisiert oder in Planung. B2B-Experte Hudetz sagt: "Mittelständler ordern kaum Produktionsgüter über Online-Marktplätze, und auch bei den so genannten C-Gütern wie Büromaterialien oder Klopapier sind es erst 10 Prozent."

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