Bußgeld bis 1,5 Mill. € möglich
Infineon will Insidergeschäfte aufklären lassen

Der angeschlagene Halbleiter-Hersteller Infineon will bei der Aufklärung möglicher Insidergeschäfte eng mit der Wertpapieraufsicht zusammenarbeiten. "Wir haben ein großes Interesse daran, diese Vorgänge aufklären zu lassen", sagte eine Infineon-Sprecherin am Montag in München.

dpa MÜNCHEN/FRANKFURT. Das Bundesaufsichtsamt für den Wertpapierhandel (BAWe) prüft den Verdacht des Insiderhandels, da der Kurs der Infineon-Aktie im Juni vergangenen Jahres bereits in den Tagen vor der Ankündigung hoher Verluste auffällig gefallen war.

Außerdem untersucht die Behörde, ob Infineon die Aktionäre zu spät vor den Verlusten im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2000/01 (30. September) gewarnt hat. Diese Prüfung laufe schon seit einigen Monaten, sagte eine Sprecherin in Frankfurt und bestätigte damit einen Bericht des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel". Die Aktionäre ließen die Nachrichten am Montag unbeeindruckt. Die Infineon-Aktie kletterte um zeitweise mehr als 2,5 % auf 28,15 ?. Falls das BAWe einen Verstoß feststellt, kann es ein Bußgeld verhängen. Das Höchstmaß liegt bei 1,5 Mill. ?. Es sei aber noch zu früh, um zu sagen, ob ein Verstoß vorliege oder nicht, sagte die Sprecherin.

Infineon wehrte sich gegen den Verdacht der Verzögerung. Zwar habe Infineon-Chef Ulrich Schumacher bereits auf einer Analysten-Konferenz in Barcelona im Mai von möglichen Verlusten im dritten Quartal gesprochen. Zu diesem Zeitpunkt hätten die Erwartungen aber noch mit den Schätzungen der Analysten übereingestimmt, die damals durchschnittlich von rund 200 Mill. ? Verlust ausgegangen waren.

"In den Wochen darauf ist der Markt aber plötzlich und unerwartet eingebrochen", sagte die Sprecherin. Von dem Rückgang seien vier der fünf Infineon-Segmente betroffen gewesen. Die Preise für Speicherchips seien in diesem Zeitraum noch weiter gefallen. Zusätzlich hätten negative Prognosen von großen Anwendern wie Nortel und Lucent den Markt belastet. "Das alles war für uns, wie auch für die Branche, nicht absehbar", sagte die Sprecherin. Am 20. Juni 2001 hatte Infineon schließlich in einer Pflichtmitteilung einen Verlust von 600 Mill. ? für das dritte Quartal angekündigt.

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