Bußgeld droht
Zementherstellern droht Milliardenbuße des Kartellamts

Für einige deutsche Firmen könnte es nach Medienberichten demnächst gewaltig Ärger geben. Danach wirft das Kartellamt der Branche eine jahrzehntelange Kartellierung vor.

Reuters FRANKFURT. Den deutschen Zementherstellern drohen einem Zeitungsbericht zufolge wegen verbotener Preis- und Quotenabsprachen Bußgelder in Milliardenhöhe. Durchsuchungen des Bundeskartellamts bei 30 Zementunternehmen im Juli hätten offenbar Listen zutage gefördert, die eine jahrzehntelange Kartellierung der Branche nach Quoten und Regionen belegten, schreibt die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" in ihrer Samstagausgabe.

Hohe Bußgelder möglich

Der zuständige Beschlussabteilungsleiter des Bundeskartellamts, Andreas Knochenhauer, sagte der Zeitung, eine Reihe von Unternehmen müsse schon in Kürze mit hohen Bußgeldern rechnen. Im Einzelfall werde voraussichtlich eine dreistellige Millionenhöhe erreicht, insgesamt auf jeden Fall ein Milliarden-Euro-Betrag. Die bisher höchste Geldstrafe von 190 Millionen Euro hatte die Behörde im Jahr 2000 gegen Transportbetonhersteller verhängt. In die verbotenen Absprachen über Absatzmengen der Zementhersteller sei offenbar nicht nur die gesamte deutsche Zementindustrie verwickelt. Auch andere Unternehmen der Baustoffindustrie hätten sich beteiligt, sagte Knochenhauer dem Blatt.

Firmen wollen an der Aufklärung mitarbeiten

Einige führende Hersteller hätten inzwischen erklärt, kooperationsbereit zu sein und zur Aufklärung der Vorwürfe beitragen zu wollen, sagte er weiter. Als Gegenleistung wollten die Kronzeugen die Bonusregelung des Kartellamts in Anspruch nehmen, um die erwarteten Strafen zu mildern.

Das Bundeskartellamt hatte im Juli 30 Zementfirmen in Deutschland durchsuchen lassen. Es bestehe der Verdacht, dass die Zementhersteller über Jahre hinweg die Preise abgesprochen und sich über festgelegte Absatzquoten den Markt praktisch aufgeteilt hätten, hatte die Wettbewerbsbehörde vor gut einem Monat mitgeteilt. Die drei wichtigsten Produzenten in Deutschland, Dyckerhoff, Heidelberg Cement und Readymix, hatten damals bestätigt, dass sie von den Kartellwächtern durchsucht worden seien, wiesen die Vorwürfe aber zurück.

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