Bußgeld soll abschreckende Wirkung haben
Die fünf größten Tabak-Konzerne sollen 200 Milliarden Dollar zahlen

In einem Musterverfahren gegen die amerikanische Tabakindustrie hat ein Anwalt krebskranker Raucher in Florida eine Geldbuße bis zu 196 Mrd. Dollar (402 Mrd. Mark/205 Mrd. Euro) gegen die fünf größten Zigarettenproduzenten des Landes beantragt. Die Tabakindustrie habe ein halbes Jahrhundert lang die Raucher über die Gefahren des Zigarettenkonsums getäuscht und das Leben von Millionen Amerikanern auf dem Gewissen, sagte Anwalt Stanley Rosenblatt am Montag in seinem Abschlussplädoyer vor einem Geschworenengericht in Miami. Anwälte der Tabakindustrie hatten zuvor erklärt, dass bei einer hohen Strafzahlung die Unternehmen vor dem Bankrott stünden.

ap MIAMI. Anfang April hatten die Geschworenen die beklagten Konzerne bereits zu 12,7 Mill. $ (rund 26 Mill. DM) Schadenersatz und Schmerzensgeld verurteilt. Nun geht es um Strafzahlungen, die auch eine abschreckende Wirkung haben sollen. Das Musterverfahren wurde von drei krebskranken Rauchern angestrengt. Insgesamt fordern rund eine halbe Million kranke Raucher in Florida Schadenersatz. Im Juli 1999 erklärten die Geschworenen in einem Grundsatzurteil, die Industrie habe sich vorsätzlich zusammengetan, um ein gefährliches, Sucht erregendes Erzeugnis herzustellen, das Krankheiten wie Krebs und Herzerkrankungen hervorrufen könne.

"Niemals haben so wenige so vielen Menschen so lange Schaden zugefügt, und der Tag der Abrechnung ist gekommen", sagte Anwalt Rosenblatt. Er forderte die Geschworenen auf, Strafzahlungen zwischen 123 Mrd. und 196 Mrd. $in Betracht zu ziehen. Die Tabakindustrie hat bereits Befürchtungen über ein ruinöses Urteil von bis zu 300 Mrd. $ geäußert.
Das Gesetz des Staats Florida verbietet jedoch Strafzahlungen in einer Höhe, die das Unternehmen in den Konkurs treiben würde. Richter sind verpflichtet, eine derartige Strafe zu verringern.

Nach dem Plädoyer der Verteidigung geht der Fall Ende der Woche an die Geschworenen. Beobachter rechnen jedoch damit, dass ihre Entscheidung angefochten werden wird. Der Weg durch die Instanzen dauert mindestens zwei Jahre. Die bislang höchste Strafzahlung in einem Fall von Produkthaftung in den USA wurde im vergangenen Jahr gegen General Motors verhängt. Ein Richter reduzierte den ursprünglichen Spruch von 4,8 Mrd. $ jedoch auf 1,09 Mrd. $.



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