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Butt als Leverkusens „Retter“ von Madrid

Beim mitternächtlichen Bankett machte Bayer 04 Leverkusens Verteidiger Juan keinen Hehl aus seiner Erleichterung. „Danke Jörg. Er hat uns den Punkt geholt“, sagte der 25-jährige Brasilianer über den Mann des Abends beim 1:1 im Champions-League-Spiel bei Real Madrid.

dpa MADRID. Beim mitternächtlichen Bankett machte Bayer 04 Leverkusens Verteidiger Juan keinen Hehl aus seiner Erleichterung. "Danke Jörg. Er hat uns den Punkt geholt", sagte der 25-jährige Brasilianer über den Mann des Abends beim 1:1 im Champions-League-Spiel bei Real Madrid.

Bayer-Torwart Jörg Butt hatte einen Elfmeter von Luis Figo (81.) gehalten, das Remis gerettet und den Schnitzer des ansonsten Weltklasse spielenden Juan, der Zinedine Zidane von den Beinen holte, wett gemacht. "Ich habe schon einige Elfmeter von Figo gesehen und geahnt, wohin er schießt", meinte Butt, der dem ehemaligen Weltfußballer kurz vor der Ausführung ein paar Worte zugeraunt hatte: "Ich wollte ihn zum nachdenken bringen."

Der nicht immer unumstrittene 30 Jahre alte Schlussmann hofft nach dem starken Auftritt sogar auf eine Rückkehr in die Nationalelf. "Je schneller, desto besser. Ich bin noch jung. Diesen Ehrgeiz muss man haben", sagte Butt, der drei Mal in der DFB-Auswahl spielte, aber nach der WM 2002 keine Berücksichtigung mehr fand.

"Alles an Butt festzumachen, wäre nicht richtig", meinte indes Bayer-Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser und sah vielmehr eine "großartige Leistung" der gesamten Mannschaft. Für ihn war das Remis - das 1:0 erzielte Dimitar Berbatow (36.) und den Ausgleich Raúl (70.) - ein Imagegewinn für den Werksverein. "Wir haben Sympathien in Deutschland, Europa und der Welt gewonnen", frohlockte er, "die Mannschaft hat das Potenzial, auch in der Bundesliga vorne mitzuspielen."

Etwas weniger euphorisch kommentierte der Sportbeauftragte der Bayer AG, Meinolf Sprink, den Teilerfolg des Bundesliga-Elften: "Wir sind nicht größenwahnsinnig. Schließlich war die zweite Halbzeit mehr ein Überlebenskampf." Dieser Wertung schloss sich Kapitän Jens Nowotny an. "Nach dem Ausgleichtor wurde unsere Abwehr kurzfristig zu Fahnenstangen degradiert", bekannte der Nationalspieler.

Zwischen der 55. Minute und dem verschossenen Elfer hatten die Madrilenen ein halbes Dutzend großer Chancen und bei einem Pfostenschuss von Raúl (77.) riesiges Pech. Nach dem unterirdischem Gekicke der "Galaktischen" in der ersten Hälfte, versöhnten sie mit diesem halbstündigen Sturmlauf die Fans.

"Achtung, wir leben noch", rief Real-Coach Mariano Garcia Remon nach der Teilwiedergutmachung für das 0:3 beim FC Barcelona. Dies sah die spanische Tageszeitung "ABC" ganz anders: "Es war ein weiteres Zeichen, dass die Mannschaft tot ist. Sie ist dem Totalschaden knapp entkommen." Der neunmalige Gewinner der Europapokals der Landesmeister kann sich mit einem Sieg gegen AS Rom am 8. Dezember ebenso für das Achtelfinale qualifizieren wie Leverkusen mit einem Erfolg gegen Dynamo Kiew (2:0 gegen AS Rom).

Für Bayer-Trainer Klaus Augenthaler war der Fußball-Krimi im Bernabeu-Stadion eher ein gewohnter Arbeitstag: "In dieser Saison habe ich nur zwei Spiele von uns erlebt, bei denen ich ruhig sein konnte, nämlich die Heimpartien gegen Bayern München und Madrid. Der Job ist schon Nerven aufreibend." Etwas mulmig ist ihm vor der nächsten Bundesliga-Aufgabe beim Tabellenletzten Hansa Rostock. "Ich könnte sagen, mir graust schon", flachste Augenthaler.

Mutmaßungen, dass fehlender Zusammenhalt und mangelnde Harmonie der Grund für die bisherige Saison-Achterbahnfahrt sei, sieht er durch die Glanznummer gegen Real entkräftet. "Ich muss meiner Mannschaft ein großes Kompliment machen, vor allem weil oft darüber geredet wurde, das es nur eine Flickengemeinschaft ist", so Augenthaler.

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