Butt kritisiert Toppmöllers Politik
Calmund fürchtet "Todeswoche"

Bayer 04 Leverkusen ist dabei, den guten Ruf im Eiltempo zu ruinieren. "Ich kann mich nicht erinnern, dass wir jemals so abgeschlachtet wurden."

Hb/dpa ATHEN. So kommentierte Manager Reiner Calmund die 2:6-Pleite im ersten Champions-League-Spiel bei Olympiakos Piräus. "Es ist die bitterste Niederlage in einem europäischen Wettbewerb."

Noch nie erlebten die Rheinländer, die am 15. Mai noch im Finale der "Königsklasse" dicht vor einem Erfolg gegen Real Madrid (1:2) standen, seit der ersten UEFA-Cup-Teilnahme 1986/87 so ein Debakel. Nie zuvor kassierte eine deutsche Mannschaft in der Champions League so viele Gegentore. "Ich hoffe, dass nun der Tiefpunkt erreicht ist", sagte Nationalspieler Bernd Schneider, der das Ergebnis gerecht fand und seine Mannschaft nicht wiedererkannte: "Das war nicht Bayer."

Tatsächlich lag am Fuße der Akropolis von Athen die in der vergangenen Saison bestaunte Spielkultur der Leverkusener förmlich in Trümmern. Nach den Blamagen gegen die Bundesliga-Aufsteiger VfL Bochum (2:4) und Hannover 96 (1:3) war der Auftritt gegen den 31- maligen griechischen Meister der Gipfel der Trostlosigkeit. "Deprimierend", bemerkte der Sportbeauftragte der Bayer AG, Meinolf Sprink, nach der Image schädigenden Vorstellung der Werkself kurz.

"Ergebnis spiegelt Leistungsvermögen nicht wieder"

"Es ist eine bittere Niederlage. Nach dem 1:1 sind alle Dämme gebrochen", urteilte Bayer-Chefcoach Klaus Toppmöller, dessen Team durch ein Eigentor von Olympiakos-Torwart Dimitrios Eleftheropoulos (22. Minute) in Führung gegangen war. Der Ausgleich ebenfalls durch ein Eigentor von Thomas Kleine (27.) brachte Bayer völlig aus dem Konzept und Piräus in einen Rausch: Drei Treffer von Predrag Djordjevic (44./64./73.) und jeweils einen von Stylianos Giannakopoulos ( 37.) sowie Pär Zetterberg (87.) besiegelten die Blamage. Der Elfmeter von Bernd Schneider (78.) zum 5:2 änderte daran nichts. "Das Ergebnis spiegelt das wirkliche Leistungsvermögen der Leverkusener nicht wieder", tröstete Piräus' Trainer Takis Lemonis.

Die Griechen haben nun beste Chancen neben Manchester United, das Maccabi Haifa standesgemäß 5:2 besiegte, in die Zwischenrunde einzuziehen. Bei Leverkusen machten sich indes bereits Durchhalteparolen breit. "Im Fußball ist vieles möglich. Wir sind in der letzten Saison immerhin als Qualifikant bis ins Endspiel gekommen. Und dabei haben wir auch zwei schwere Niederlagen gegen Juventus Turin und Arsenal London wett gemacht", meinte Toppmöller, dessen Personalpolitik in dieser Krisenzeit nicht unumstritten ist.

Am Samstag geht es zu Werder Bremen

Während er die Nominierung des ewigen Talentes Kleines als unvermeidlichen Fehler ("Er war überfordert, aber ich hatte keine Alternative") einsah, verteidigte er die Hereinnahme von Frank Juric anstelle von Nationaltorwart Jörg Butt: "Er hat gehalten, was er halten konnte." Der Ausgebootete hielt jedoch mit seiner Kritik an der Personalpolitik des Coaches nicht hinterm Berg. "Ich kann die Entscheidung nicht nachvollziehen und will so schnell wie möglich zurückkehren", wetterte Butt am Donnerstag vor dem Abflug aus Athen: "Ich bin überzeugt, dass sich Klasse durchsetzen wird."

Die Vorzeichen, dass Bayer schnell wieder auf die Beine kommt, ist angesichts der weiterhin langen Verletztenliste und des anstehenden harten Programms nicht zu erwarten. "Das ist eine Todeswoche und wir pfeifen personell aus dem letzten Loch", stellte Calmund mit Schrecken fest. Erst müssen die Leverkusener am Samstag zu Werder Bremen, das ihnen in der vergangenen Bundesliga-Spielzeit alle sechs Punkte abknüpfte, dann kommt am Dienstag Manchester United in die BayArena, und am 28. September gastiert Bayern München. Trotz desaströsen Starts glaubt Calmund jedoch nicht, dass Bayer bereits ausgeknockt am Boden ist: "Es war noch kein tödlicher Unfall. So weit sind wir nicht."

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