Butterweiches Leder und knöcheltiefe Teppiche sind zu wenig
Moderne Luxuskarossen können künftig nicht mehr auf High Tech verzichten

Was bedeutet Luxus heute in der automobilen Welt? Ist es High Tech in puristischer Verpackung? Oder letztlich höchste handwerkliche Exklusivität? Sicher ist nur: Luxus hat mit Image zu tun, aber die Begrifflichkeit ist einem steten Wandel ausgesetzt - heute mehr denn je.

HB DÜSSELDORF. Wer heute in einem Rolls-Royce oder Bentley Platz nimmt, erlebt den Himmel auf Rädern. Gemasertes Holz, klassische Instrumente, butterweiches Leder, knöcheltiefe Teppiche. Und dazu das Ticken der Borduhr, was nichts anderes symbolisieren soll, als dass alle mechanischen Geräusche nicht ins Innere der fahrbaren Nobelbehausung dringen. Luxus wohl eher im überkommenen Sinne.

Natürlich ist die Kunst des Handwerks, wie es bei den Briten gepflegt wird, die Flucht aus dem Verwechselbaren. Aber gehört zu einer modernen Luxuslimousine nicht auch ein exklusives Triebwerk neuester Bauart, ein High-Tech-Fahrwerk, ein elitäres Design? Mehr noch: Höchster Sitzkomfort wie im neuen 7er-BMW kann Status bildend sein, genauso ein Zehnzylinder-Diesel, den Volkswagen bald zur Verfügung hat.

Nimmt man das supermoderne Bedienkonzept im BMW-Flaggschiff, wo über einen zentralen Drehknopf das gesamte Infotainment-Programm gesteuert und abgerufen werden kann, dann ist das zweifellos Luxus pur. Kommt allerdings ein Ferrari gefahren, kernig im Ton, faszinierend im Auftritt, dann ist freilich beim Publikum die allerhöchste Aufmerksamkeit garantiert, während sich nach dem innovativen BMW kaum jemand umdreht.

Image bedeutet bei Luxusfahrzeugen immer noch viel, aber längst nicht mehr alles. Die Absatzzahlen klassischer Luxusmarken wie Rolls-Royce, Bentley, Aston Martin, Cadillac oder Jaguar sind teilweise stark rückläufig. Sie haben sich über die Jahre hinweg fast ausschließlich auf die konservativen Luxusaccessoires konzentriert und Faktoren wie Design und High Tech vernachlässigt, womit allenfalls noch die Schönen und Reichen zu beeindrucken waren.

Macher aus der New Economy sehen in den computerisierten High-Class-Geschäftswagen, wie ihn der neue 7er-BMW verkörpert, den ultimativen Luxus auf Rädern. Im Silicon Valley jedenfalls, der Keimzelle der New Economy, reiben sich die BMW-Händler bereits die Hände. Dort, wo die weiß-blauen Limousinen längst Kult sind und zur automobilen Grundausstattung der Internet-Avantgarde zählen, wird mit Spannung der mit feinster Technik nur so voll gepackte 7er Jahrgang 2002 erwartet.

Das BMW-Flaggschiff segelt nämlich nicht nur unter einem klangvollen Markennamen, sondern ist derzeit das Maß der Dinge. Allein die Sitzqualität vorne wie hinten, unterstützt durch ein Dutzend Stellmotoren und ein integriertes Kühl- und Belüftungssystem, lassen den Aufenthalt an Bord ungleich komfortabler erscheinen als in jedem dreimal so teuren Rolls-Royce. Und die S-Klasse von Mercedes sowie der künftige A8 von Audi stehen dem neuen 7er technisch in nichts nach.

Da aber im Luxuswagensegment Mythos und Legende, Tradition und Emotion immer noch die Gemüter bewegen, befindet sich der Markt in einem weitreichenden Prozess des Umbruchs. Die IAA bietet reichhaltig Anschauungsmaterial. Gerade bei den großen Marken soll der Begriff Luxus mit neuem Inhalt gefüllt werden.

Allein wegen der Tatsache, dass die Wettbewerber der Luxusklasse inzwischen alle unter das Dach großer Konzerne geschlüpft sind, wird es der Kunde bald - im wahrsten Sinne des Wortes - mit Feudallimousinen der Superlative zu tun bekommen.

Rolls-Royce (BMW), Bentley (VW) und die revitalisierte Marke Maybach (Daimler-Chrysler) werden sich nicht mehr damit begnügen, edel ausstaffiert zu sein und in so genannten Manufakturen teilweise noch in Handarbeit zu produzieren. Unter dem noblen Blech wird es dann ebenso innovativ zugehen wie in einer S-Klasse oder einem 7er-BMW. Auf Grund der exklusiven Preise dürfte vor allem der Komfort extravagante Formen annehmen. Türen öffnen dann wie von Geisterhand, im Fond lassen sich Liegesitze wie in der First Class der Lufthansa einrichten.

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