BVB-Coach Matthias wettert über Bayer-Trainer Toppmöller
Zwischen Rhein und Ruhr fliegen die Giftpfeile

Als wäre das Bundesliga-Gipfeltreffen zwischen Verfolger Bayer Leverkusen und Tabellenführer Borussia Dortmund am Sonntag in der BayArena (17.30 Uhr) nicht schon aus sportlichen Gründen brisant genug, heizen die Kontrahenten verbal die Stimmung noch mächtig an. Aus Verärgerung über die jüngste Kritik von Bayer-Coach Klaus Toppmöller gab Matthias Sammer seine Zurückhaltung auf.

dpa LILLE. "Ich weiß gar nicht, woher er sich die Zeit nimmt, sich so intensiv mit anderen Clubs zu beschäftigen", polterte der ansonsten wenig streitsüchtige Sammer und erinnerte seinen Gegenüber an dessen längst überwunden geglaubten Bye-Bye-Bayern-Zeiten: "Er hat sich öfter über andere Vereine geäußert, das ist ihm in der Regel nicht gut bekommen. Wir jammern nicht so viel wie der Gegner."

Die Freude über das 1:1 (0:0) beim OSC Lille im Achtelfinal-Hinspiel um den Uefa-Cup, mit dem sich die Borussia eine gute Ausgangsposition für das Rückspiel am 28. Februar schaffte, war bereits wenige Minuten nach der Partie verflogen. Weil Toppmöller dem BVB vorgeworfen hatte, "die Leute für dumm zu verkaufen" und sich trotz millionenschwerer Investitionen nach außen mit einer Teilnahme am Uefa-Cup zufrieden zu geben, verfinsterte sich auch bei Sportmanager Michael Zorc die Miene: "Vollkommener Unsinn. Wir sagen seit Monaten, dass wir Meister werden wollen. Ich werte das als eine überflüssige Einmischung in unsere inneren Angelegenheiten. Wenn wir schon von der Jammerei sprechen, dann kann ich nur an die Schiedsrichterdiskussion nach dem vergangenen Spieltag erinnern. Ich hoffe, dass der Unparteiische in Leverkusen Ruhe bewahrt."

Toppmöller bemühte sich am Freitag, der Konfrontation etwas an Schärfe zu nehmen. Er habe Sammers Reaktion zwar nicht gehört, "aber es muss ihm wohl zu schaffen gemacht haben", meinte Toppmöller, der betonte: "Ich habe kein Problem mit ihm. Es war doch nur eine klare Feststellung von mir, dass Dortmund anders als wir bereits aus dem DFB-Pokal und der Champions League ausgeschieden ist."

Selbst der ehemalige Bayer-Profi Christian Wörns, der in Lille mit einer tadellosen Leistung Schlimmeres verhindert hatte, schüttelte ob solch überflüssiger Scharmützel voller Unverständnis den Kopf. "Unglaublich, die hauen doch selber die Millionen raus und machen jetzt solche Sprüche", wetterte der BVB-Abwehrspieler, der seit seinem Weggang aus Leverkusen im Jahr 1998 noch immer auf einen Sieg gegen seinen Ex-Club wartet. Abwehrkollege Christoph Metzelder konnte sich ein Lächeln nicht verkneifen: "Das Geklappere vor den Spielen überlassen wir anderen. Wir waren schon vor den Duellen mit Bayern und Schalke gut beraten, den Ball flach zu halten."

Nichts soll die seit 13 Punktspielen ungeschlagenen Borussen in ihrer Konzentration auf die Partie stören. Obwohl sie in den letzten neun Jahren beim "Angstgegner" nicht mehr gewinnen konnten, reisen sie mit breiter Brust zum zwei Punkte entfernten Verfolger. Wie es in der ausverkauften Bay-Arena funktionieren könnte, deuteten die Dortmunder in Lille an: Mit viel Glück und Geschick überstanden sie die Angriffe der starken Franzosen und schlugen dann durch Ewerthon (68.) eiskalt zu. Obwohl Salaheddine Bassir nur fünf Minuten später mit seinem Ausgleichstreffer für Gerechtigkeit sorgte, sprach Wörns von einer gelungenen Generalprobe für den Showdown am Sonntag: "Mir ist das 1:1 lieber als ein 1:0-Sieg. Dadurch wird die Spannung bis zum Rückspiel höher gehalten."

Vor allem das starke Comeback von Otto Addo bereitete Sammer Freude. Der in der 46. Minute für den angeschlagenen Lars Ricken eingewechselte Ghanaer entpuppte sich nach ausgeheiltem Kreuzbandriss und neunmonatiger Spielpause als echte Verstärkung. "Mit ihm bin ich sehr zufrieden", lobte der Coach. Doch die Freude über hinzu gewonnene Variationsmöglichkeiten im Angriff währte nicht lange. Laut erster Diagnose des Mannschaftsarztes hat sich Jörg Heinrich in Lille einen Muskelfaserriss im Oberschenkel zugezogen und wird in Leverkusen ebenso fehlen wie der gesperrte Spielmacher Tomas Rosicky.

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