BVB-Manager Meier sieht „juristischen Klärungsbedarf“
Rauball schließt Lizenzentzug nicht aus

Die Affäre um den FC Bayern München und die Kirch-Gruppe schlägt bei der Konkurrenz weiter hohe Wellen und beschäftigt nun auch erstmals die Politik. Nach den Erklärungsversuchen von Bayern-Manager Uli Hoeneß am vorigen Freitag ist die Empörung über den geheim gehaltenen Alleingang des Fußball-Rekordmeisters sogar noch gestiegen.

HB/dpa DÜSSELDORF/MÜNCHEN. "Ich weiß nicht, ob es angebracht ist, in einer solchen Situation andere anzugreifen. Das ist infam", sagte Michael Meier in einem Interview mit dem WDR-Fernsehen mit Bezug auf die Strategie von Hoeneß, der den Kritikern Neid vorgehalten hatte.

Der Manager von Borussia Dortmund sieht "erheblichen Klärungsbedarf auf juristischer Ebene" und forderte "eine lückenlose Aufklärung". Zudem kann er den Erklärungen von Hoeneß zum Thema Einzel- oder Zentralvermarktung nur wenig abgewinnen. "Wenn Uli Hoeneß sagt, er sei immer für die zentrale Vermarktung gewesen, dann sehe ich da einen erheblichen Widerspruch zu dem, was wir damals mit ihm besprochen haben", sagte Meier den "Ruhr Nachrichten".

Der Vertrag der Borussia mit dem Vermarkter Sport Five habe nur wenig mit dem Kirch-Kontrakt der Bayern gemein. "Ich biete an: Lasst uns doch mal über die Inhalte reden. Wir erhalten Geld, zahlen aber auch für die Verwertung der Fernsehrechte. Doch bei Bayern München ist es wohl so, dass oben noch Geld draufgelegt wird, ohne das irgendwas abgegeben wird."

Der Wirtschaftsjurist Reinhard Rauball, früher Präsident von Borussia Dortmund, äußerte die Ansicht, dass der Vertrag den Bayern damals nicht genehmigt worden wäre, wenn er vorgelegt worden wäre. "Ich bin sicher, dass die DFL diesem Vertrag nicht zugestimmt hätte. Wahrscheinlich hätte sie die Position vertreten, dass von diesem Geld die Liga partizipieren muss", sagte der Rechtsanwalt in einem Interview des Fußball-Fachmagazins "Kicker". Theoretisch sei an möglichen Sanktionen gegen die Bayern alles denkbar: "Von 250 000 ? Geldbuße bis hin zu Platzsperre oder Punktabzug. Das schärfste Mittel wäre ein Lizenzentzug."

Als Konsequenz für die Liga forderte Rauball grundsätzlich mehr Offenheit. "Sämtliche Entscheidungsträger im Fußball sollten sich verpflichten, ihre Beraterverträge mit Medien und Rechte-Inhabern offen zu legen", schlug der Jurist aus "sport-ethischer Sicht" für die Zukunft vor. Der FC Bayern hatte aus dem geheim gehaltenen Vermarktungsvertrag mit der Kirch-Gruppe nach eigenen Angaben 21,47 Mill. DM erhalten. Gleichzeitig hatte sich der 17-malige Meister für eine Vergabe der Zentralvermarktungsrechte an das Medienunternehmen ausgesprochen.

Während sich die Verantwortlichen des FC Bayern am Montag bedeckt hielten, nahm Bayern SPD Ministerpräsident Edmund Stoiber aufs Korn. "Welche Rolle spielt eigentlich CSU-Ministerpräsident Stoiber in der 'Amigo-Affäre' des FC Bayern München. Warum hört und sieht man nichts von Stoiber, der immerhin Vorsitzender des Verwaltungsbeirats des FC Bayern ist?", fragte Partei-Chef Wolfgang Hoderlein. Gerade in seiner Funktion beim Münchner Fußball-Club könne Stoiber die Öffentlichkeit über die Haltbarkeit oder Unhaltbarkeit der Vorwürfe aufklären, "aber ausgerechnet von Stoiber hört man nichts."

Hoderlein erinnerte daran, dass der FC Bayern beim Abschluss des Vertrags mit Kirch noch keine Aktiengesellschaft war. Somit hätte der Verwaltungsbeirat des FC Bayern informiert werden müssen, dem Stoiber vorstehe. "Dass der Verwaltungsbeiratsvorsitzende keine Kenntnis über den Abschluss eines 190-Millionen-Vertrages des FC Bayern gehabt haben will oder soll, fällt schwer zu glauben", so Hoderlein.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%