BVB-Manager Meier zeigt für Wirbel kein Verständnis
Gesetzlich korrekt und moralisch verwerflich

Im Streit um steuerliche Vergünstigungen für Fußballprofis ist die Bundesliga gespalten - die Steuergewerkschaft schlägt eine Lösung vor.

DÜSSELDORF. Der Protest gegen die Praxis von Borussia Dortmund, den eigenen Bundesligaspielern einen Teil der Gehälter als Feiertags- und Nachtzuschläge zu bezahlen, wird immer lauter.

BVB-Manager Michael Meier räumte ein, dass die Dortmunder Profis für ihren Einsatz an Sonntagen und am späten Abend in den Genuss der steuerfreien Zuschläge kommen - und damit dieselben steuerlichen Vergünstigungen erhalten wie zum Beispiel Krankenschwestern oder Pförtner. Die Bruttolöhne können dadurch um einige Prozent gesenkt werden, während die Nettolöhne für die Kicker gleich hoch bleiben. Der Staat subventioniert somit die millionenschweren Gehälter von Amoroso und Co.

Steuerexperten formulieren Bedenken gegen dieses Modell. "Für hoch bezahlte Fußballprofis ist der maßgebliche Paragraf sicher nicht gedacht", sagte Dieter Ondracek, Vorsitzender der Deutschen Steuer-Gewerkschaft, dem Handelsblatt. In dem Paragrafen 3 b des Einkommensteuergesetzes heißt es: "Steuerfrei sind Zuschläge, die für tatsächlich geleistete Sonntags-, Feiertags- oder Nachtarbeit neben dem Grundlohn gezahlt werden." Noch deutlichere Worte für das Nutzen dieser Steuervergünstigung durch die Profivereine findet Karl-Heinz Däke, Präsident des Bundes der Steuerzahler: "Absolut unmoralisch", erzürnt sich Däke. In die gleiche Richtung hatten sich bereits Spitzenpolitiker von SPD und Union geäußert. "Eklatanter Missbrauch einer Regelung", befand Bayerns Ministerpräsident und FC-Bayern-Fan Edmund Stoiber (CSU) auf seiner Wahlkampftour.

Dortmunds Manager Meier zeigt für den Wirbel kein Verständnis. "Gängige Praxis" sei das seit geraumer Zeit im Profisport. Eine "Unverschämtheit" nennt er Äußerungen, die das Prinzip moralisch in Zweifel ziehen. "Wir können doch nicht dafür angegriffen werden, dass wir im Rahmen des Gesetzes handeln", sagte Meier. Rechtlich sieht Experte Ondracek die Vereine als Sieger. "Fußballprofis sind derzeit von der Regelung nicht ausgrenzbar."

Das ließe sich jedoch ändern: "Man kann die Zuschläge auf eine maximale Höhe pro Monat begrenzen", so sein Vorschlag. Als Richtwert nennt Ondracek einen Betrag von 300 Euro im Monat. Der Vorteil aus seiner Sicht: "Busfahrer und Krankenschwestern können die Zuschläge weiter steuerfrei erhalten, für Fußballprofis wäre das Ganze durch die Deckelung nicht mehr attraktiv." Alternativ sei eine Lohngrenze denkbar, über der die Zuschläge nicht mehr erlaubt sind. Joachim Poß, Finanzexperte und stellvertretender Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion, zeigt sich offen für die Vorschläge. "Es wäre in der Tat ein Ansatz zu sagen, man führe eine Einkommensobergrenze ein", urteilt Poß.

BVB-Manager Meier will davon am liebsten gar nichts hören. "Das ist eine populistische Diskussion." Vom Ligakonkurrenten Bayern München sind ganz andere Töne zu vernehmen. "Dieses Gesetz wurde nicht für Fußballspieler oder Großverdiener gemacht", sagt Bayern-Manager Uli Hoeneß. Was zeigt: Innerhalb der Bundesliga ist das Thema heftig umstritten.

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