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BVB will aus den roten Zahlen

Schlagzeilen über den höchsten Schuldenberg in der Geschichte des nationalen Fußballs sowie den sportlichen Niedergang des ersten deutschen Champions-League-Siegers haben vor der Jahreshaupt- und Aktionärsversammlungen des BVB für explosive Stimmung gesorgt.

dpa DORTMUND. Schlagzeilen über den höchsten Schuldenberg in der Geschichte des nationalen Fußballs sowie den sportlichen Niedergang des ersten deutschen Champions-League-Siegers haben vor der Jahreshaupt- und Aktionärsversammlungen des BVB für explosive Stimmung gesorgt.

Vor allem dem bisherigen Präsidenten Gerd Niebaum steht ein schwerer Gang vor die Mitglieder (14.11.) und Aktionäre (16.11.) bevor. Trotz der mitunter harschen Kritik an seiner Person schließt der Jurist einen völligen Rückzug noch immer aus: "Es lohnt sich zu kämpfen. Noch in diesem Jahrzehnt werden wir zu alter Stärke zurückfinden."

Nach 18-jähriger Amtszeit sitzt Niebaum mehr denn je auf einem Pulverfass. Sein von stetem Wachstumsglauben getragenes Geschäftsmodell hat den Verein in eine bedrohliche Schuldenfalle (119 Mill. Euro) manövriert. Nicht zuletzt deshalb muss Niebaum auf der Jahreshauptversammlung seinem designierten Nachfolger Reinhard Rauball Platz machen. Insider schließen nicht aus, dass ihn die kommenden Tage auch seinen Job als Geschäftsführer der Kapitalgesellschaft kosten könnten.

Der verschwenderische Umgang der BVB-Geschäftsführung mit Kapital ist in der Fußball-Hochburg Dortmund längst zum Gesprächsthema Nummer eins geworden. Dementsprechend groß ist das Interesse an den bevorstehenden Versammlungen: Vorsorglich verlegte der Club beide Veranstaltungen von der kleinen in die große Westfalenhalle. Rauball hofft, dass die Mitglieder seiner dritten Amtszeit als BVB-Präsident nach 1979 und 1984 zustimmen und die Stimmung nicht eskaliert. Er forderte alle Beteiligten zur Sachlichkeit auf: "Dem BVB hilft nur ein groß angelegter Schulterschluss. Sonst schaffen wir das nicht."

Einen ersten Beitrag zur Deeskalation leistete die Vereinsführung. Vollmundig wurde verkündet, dass bis zum Jahr 2006 eine Rückkehr in die Gewinnzone angestrebt ist. Ein in Zusammenarbeit mit dem Managementberater Metrum ausgearbeitetes Konzept sieht umfangreiche Kostenreduzierungen vor. "Wir wollen mehr Transparenz zeigen und unseren Mitgliedern deutlich machen, dass wir Perspektive haben", begründete Niebaum diesen Schritt, der ersten Einblick in die Sanierungspläne gewährte.

Demnach erwartet Niebaum trotz der eingeleiteten Sparmaßnahmen auch im laufenden Geschäftsjahr einen Verlust in Höhe von unter zehn Mill. Euro. Doch mit der Reduzierung von Personalkosten, Steigerung der Erträge im Marketingbereich und dem Rückkauf des Stadions soll die Wende eingeleitet werden. Im Zusammenhang mit dem Rückkauf der vor zwei Jahren an den Commerzleasing-Fonds Molsiris veräußerten Arena denkt die Geschäftsführung derzeit über die Gründung einer Stadiongesellschaft nach, an der der BVB als Minderheitsgesellschafter beteiligt werden soll.

Mehr als taktischer Schachzug denn als wichtiger Beitrag zur Sanierung darf die Ankündigung von Niebaum gewertet werden, im Zeitraum zwischen dem 1. Januar und dem 30. Juli 2005 auf sämtliche Bezüge für seine Tätigkeit als Geschäftsführer des Unternehmens zu verzichten. "Der BVB braucht zur Konsolidierung mehr Ruhe und Vertrauen. Dafür wollen wir werben", sagte Niebaum. Viel wird für ihn davon abhängen, ob die Mitglieder für solche Botschaften noch empfänglich sind. Auch Niebaum weiß, dass ihm am Sonntag und Dienstag ein Herkulesakt bevorsteht: "Es gibt einen hohen Bedarf an Kritik. Dem müssen wir uns stellen."

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