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BVB setzt Serie der Heimpleiten fort - Nürnberg zufrieden

Wirtschaftlich am Abgrund, sportlich im Niemandsland - der einstige Vorzeigeverein Borussia Dortmund ist ein Fall für die Sanierer. „Wir haben schlecht gespielt“, gestand Trainer Bert van Marwijk nach dem dürftigen 2:2 gegen Aufsteiger 1. FC Nürnberg.

dpa DORTMUND. Wirtschaftlich am Abgrund, sportlich im Niemandsland - der einstige Vorzeigeverein Borussia Dortmund ist ein Fall für die Sanierer. "Wir haben schlecht gespielt", gestand Trainer Bert van Marwijk nach dem dürftigen 2:2 gegen Aufsteiger 1. FC Nürnberg.

Eine Woche vor der Bilanz-Pressekonferenz des börsennotierten Fußball-Bundesligisten, in der die desaströsen Roten Zahlen präsentiert werden müssen, hat es die Mannschaft versäumt, mit dem ersten Heimsieg der Saison für eine positivere Grundstimmung zu sorgen.

Am 7. Spieltag bot der BVB mit dem fünften Unentschieden in Serie im Gegensatz zu den vergangenen Wochen eine armselige Vorstellung. In den Heimspielen gegen den VfL Wolfsburg (1:2), Hannover 96 (1:1) und Bayern München (2:2) hatte die Elf zumindest phasenweise spielerisch und kämpferisch überzeugt, am Ende aber unverdient verloren oder in der Nachspielzeit unglücklich den Ausgleich kassiert. Gegen die vor 73 500 Fans mutig und engagiert auftretenden Franken taugte weder die mangelnde Chancenverwertung noch das fehlende Glück als Erklärung. Die Leistung stimmte schlicht nicht. "Deshalb", räumte der niederländische Coach ein, "bin ich diesmal anders enttäuscht."

Wieder kein Erfolg im Westfalenstadion, auch der vierte Versuch der Saison schlug fehl. Das Warten auf den ersten "Dreier" wird zur Nervenprobe. Der letzte Bundesligasieg daheim gelang am 15. Mai gegen Borussia Mönchengladbach (3:1). Dennoch mag van Marwijk von einem Heimkomplex nichts wissen. "Je mehr wir darüber reden, das öffentlich diskutiert wird, desto wahrscheinlicher wird es, dass sich einer entwickelt", fürchtet der Trainer. Daher stellt er lieber nüchtern und etwas ratlos fest: "Solche Spiele wird es immer geben. Wir hatten keinen guten Tag und haben Marek Mintal nie in den Griff bekommen."

Das stimmte. Der 27-jährige Slowake machte ein überragendes Spiel im Nürnberger Trikot, stellte die schlecht sortierte BVB-Abwehr und seinen direkten Gegenspieler Sunday Oliseh, den van Marwijk nach 36 Minuten vom Feld holte, immer wieder vor unlösbare Aufgaben. So war es kein Wunder, dass Mintal nach einem Warnschuss an die Latte (16.) das 1:0 (23.) besorgte und das 2:0 des nicht minder agilen Robert Vittek zwei Minuten später glänzend vorbereitete. "Wir kriegen im Schnitt zwei Gegentore pro Spiel. Das ist entschieden zu viel", klagte Nationalspieler Christian Wörns über das hilflose Abwehrverhalten. Erst das dröhnende "Wir woll'n euch kämpfen seh'n" von der Südtribüne weckte die Borussen auf, die wieder mit Tomas Rosicky agierten und dank Jan Kollers Saisontoren vier und fünf (29./45.+1) noch vor der Pause den Ausgleich schafften.

Doch selbst "diese Genickschläge" (Nürnbergs Coach Wolfgang Wolf) steckte der wackere "Club" weg, der zuvor sechs deftige Niederlagen in Dortmund kassiert und den letzten Sieg vor 14 Jahren gefeiert hatte. "In der zweiten Hälfte haben wir souverän gespielt, hatten sogar die besseren Chancen zum Sieg", freute sich Wolf über den "hoch verdienten" fünften Auswärtspunkt. "Wir müssen uns als Aufsteiger alles hart erarbeiten. Ich hoffe, dass wir in zwei Wochen gegen Freiburg endlich den ersten Heimsieg einfahren."

Dem BVB stehen nun harte Zeiten bevor. Am 8. Oktober muss der Vorstand einen Weg zur finanziellen Konsolidierung aufzeigen, und der Trainer muss seine Elf bis zum Auswärtsspiel beim VfB Stuttgart mit Ex-Coach Matthias Sammer wieder auf Erfolgskurs bringen.

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